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Renault: Im Zeichen der Raute

| Autor / Redakteur: Tanja Schmitt / Steffen Dominsky

Dass Firmenlogos auch immer Kinder ihrer Zeit sind, dafür ist der französische Autobauer Renault der beste Beweis. Mal waren die jeweils aktuellen Versionen romantisch-verspielt, mal von geometrischer Strenge.

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Renault ist vermutlich der einzige Autobauer der Welt, der einen Panzer als Logo hatte. In den Siebzigerjahren verlieh ein berühmter Künstler dem Signet seine persönliche Handschrift. Viel hat sich seitdem nicht mehr geändert.
Renault ist vermutlich der einzige Autobauer der Welt, der einen Panzer als Logo hatte. In den Siebzigerjahren verlieh ein berühmter Künstler dem Signet seine persönliche Handschrift. Viel hat sich seitdem nicht mehr geändert.
(Bild: Renault)

Fortschrittliche Dinge geschehen keineswegs ausschließlich in südkalifornischen Garagen, sondern bisweilen auch in französischen Gartenlauben: 1898 schraubte ein gewisser Louis Renault seinen ersten Vierradwagen in Boulogne-Billancourt in besagter Laube zusammen. Als er damit am Weihnachtsabend vor eine Gastwirtschaft fuhr, waren die dort anwesenden Gäste dermaßen begeistert, dass er in dieser Nacht gleich zwölf Aufträge erhielt. Am 9. Februar 1899 wurde Louis Renault offiziell Autobauer und gründete zusammen mit seinen beiden Brüdern Marcel und Fernand „Renault Frères“ (Gebrüder Renault). Danach ging es Schlag auf Schlag. Zur Jahrhundertwende arbeiteten bereits mehr als 100 Menschen für das Unternehmen, 1913 waren es schon 3.000. Neben Automobilen stellte Renault auch Flugzeuge, Landmaschinen, Lastwagen und Bootsmotoren her.

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Der Laden brummte: In den Dreißigerjahren errichtete das Unternehmen ein für damalige Verhältnisse gigantisches Produktionswerk inklusive längstem Fließband außerhalb der Vereinigten Staaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fertigte Renault ein einziges Modell, den Renault 4 CV – ein Kassenschlager. Bis zu seinem Produktionsende im Jahr 1961 wurden davon mehr als 1,15 Millionen Exemplare verkauft. Abgelöst wurde das Erfolgsmodell von einem, das in puncto Verkaufszahlen noch einen draufsetzen sollte: vom Renault 4, den viele nur R4 nennen. Der Kleinwagen war mit über acht Millionen produzierten Exemplaren DER Renault-Bestseller schlechthin. Weitere wegweisende Fahrzeuge: der knuffige Renault 5, der 1972 auf den Markt kam, sowie der Espace. Letzterer gilt als Urvater des europäischen Vans. Und heute? Renault ist auch mit alternativen Antrieben erfolgreich: „Zoe“ ist Deutschlands beliebtestes Elektroauto.

Die Evolution der Logos

Es wurden und werden nicht nur höchst unterschiedliche Fahrzeuge konstruiert. Auch wie sich das Firmenlogo entwickelte, steckt voller Abwechslung. Den sogenannten Rhombus gibt es nun seit genau 95 Jahren. 1925 ziert die eigentümliche Raute das erste Mal einen Renault. Seitdem wurde immer wieder am Markenzeichen herumgebastelt; mal kam es mit Schriftzug daher, mal mit Querlamellen, mal mit Gelbstich, mal minimalistisch.

Vor dem Rhombus hatte Renault wechselnde Motive als Logo. Das erste Signet aus dem Jahr 1900 hebt sich durch seinen romantisch-verspielten Jugendstillook von den geradlinigen Nachkömmlingen ab. Das ovale Medaillon mit den beiden gespiegelten Buchstaben „R“ schmückte aber nie ein Auto, sondern wurde fast ausschließlich im internen Schriftverkehr verwendet. 1906 wurde das Medaillon durch ein Bild des Siegerwagens beim ersten Grand Prix ersetzt und 1919 durch einen von Renault gebauten RT17-Panzer aus dem Ersten Weltkrieg.

Das erste „richtige“ Logo erschien 1923 auf der Bildfläche. Mit dem runden, mit Querlamellen versehenen Schild schlug der französische Autobauer zwei Fliegen mit einer Klappe: Einerseits sollte es die Marke symbolisieren, andererseits diente es als Blendgitter für die Hupe. Doch zwei Jahre später war das Logo bereits wieder Geschichte. In den Zwanzigerjahren lag der Kubismus voll im Trend. Klare Linien sowie Ecken und Kanten dominierten das Designgeschehen; dementsprechend musste ein neues Markenzeichen her. 1925 schlug die Geburtsstunde des Rhombus: Das auf der Spitze stehende Parallelogramm feierte auf der Haube des Prestigemodells 40 CV seine Premiere. Ab 1929 kamen Luxusautos, die auf „stella“ endeten – zum Beispiel Monastella, Vivastella oder Reinstella – in den Genuss des überarbeiteten Signets. Ende der 1930er zierte der Rhombus auch alle Vierzylindermodelle.

Kronen, Sterne und viel Rot

In den Jahren danach veränderte sich das Emblem häufiger, es gab Kronen, Sterne und viel Rot. In puncto Wiedererkennungswert ist so eine Vielfalt natürlich alles andere als vorteilhaft. 1959 war mit dem Logo-Wildwuchs endgültig Schluss und es wurde ein einheitliches Markensymbol eingeführt. Der damalige Renault-Chef Pierre Dreyfus legte eine gleichbleibende Grundform fest. Sein Debüt feierte das schnörkellose Firmenzeichen auf dem späteren Kassenschlager Renault 4. Danach blieb es viele Jahre lang unangetastet. 1972 erweckte es der renommierte Künstler Victor Vasarely aus dem Dornröschenschlaf, indem er die oberen und unteren Spitzen kappte und den Firmennamen entfernte. Darüber hinaus gerieten die Lamellen in Schräglage. Dadurch erhielt das Logo eine dreidimensionale Wirkung. Der Renault 5 durfte als erster die Neuinterpretation des Rhombus auf seiner Motorhaube tragen.

20 Jahre hielt Renault an seinem Künstler-Logo fest. 1992 erhielt der Rhombus seine bis heute aktuelle Form. Die Lamellen verschwanden, was den 3-D-Effekt zusätzlich verstärkt. Das Markenzeichen ist einfach und klar gestaltet und befindet sich zudem stets in der Mitte des Kühlergrills. 2004 kam – zumindest in Sachen Werbung – Farbe ins Spiel. Der Rhombus wurde in ein gelbes Rechteck verfrachtet, daneben befand sich der Renault-Schriftzug. 2007 durfte die Signatur ebenfalls ins Gelbe, in ein Quadrat, einziehen. Zeitgleich mit der Veröffentlichung des neuen Slogans 2015 folgte ein leicht abgewandeltes Emblem. Der gelbe Hintergrund ist abhanden gekommen, der Schriftzug erlangt neue Größe. Fragt sich, für wie lange... 

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