Der Diesel hat die Pkw-Welt erobert – und wieder verloren. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität war der raue und robuste Selbstzünder sogar bei Porsche oder Maserati Normalität. Aber der Diesel-Skandal killte den Hype. Jetzt wird der Diesel-Pkw 90 Jahre alt, Grund für eine Zeitreise.
Vom Vorreiter zum Massenphänomen: Mit dem 1954 eingeführten Mercedes 180 D in moderner Pontonform findet der Diesel auch bei Privatkunden viele Fans. Der 1,8 Liter-Dieselmotor mit 40 PS (29 kW) bringt es auf eine Leistung von 43 PS (32 kW).
(Bild: Mercedes-Benz)
Läuft die Zeit des Diesels ab? Nur noch gut zehn Prozent Marktanteil an den deutschen Neuzulassungen erreichten die nicht hybridisierten Selbstzünder im Sommer 2026 – bis zur Aufdeckung des VW-Dieselskandals im Jahr 2015 wurde fast jeder zweite Neuwagen, sogar Cabrios oder Sportwagen, von einem Ölbrenner befeuert. Diese Karriere seines 1893 patentierten Antriebs mit Selbstzündung ohne Zündkerzen hätte sich der geniale Erfinder Rudolf Diesel nicht träumen lassen. Ging es doch zunächst darum, große Stand-Maschinen oder Schiffsantriebe effizienter laufen zu lassen. Ab den 1920er Jahren gelang die Implementierung der sogenannten Schwerölmotoren in Lastwagen und Pkw-Prototypen, aber erst vor 90 Jahren, also 1936, forderte der Diesel den Ottomotor im Pkw zum Duell.
Während Cadillac oder Maybach gerade mit seidenweichen V16- und V12-Benzinern für Furore sorgten, verblüffte Mercedes-Benz mit dem luxuriös ausgestatteten, aber karg motorisierten Typ 260 D (W138): Unter der Motorhaube arbeitete ein speziell im Kaltlauf aufdringlich nagelnder Vierzylinder-Diesel, der zudem manch dunkles Rußwölkchen aus dem Auspuff schickte. Mit nur 34 kW/45 PS brachte der „Oel-Motor“ den schwergewichtigen Benz auf höchstens 90 km/h, andererseits konnte Mercedes mit einem Verbrauchsvorteil von 38 Prozent gegenüber vergleichbaren Benzinern werben. Damit nicht genug: Der 260 D – es gab ihn als Taxi, aber auch als Landaulet und Cabrio – erwarb sich den Ruf eines fast unzerstörbaren Dauerläufers. Ein Freund fürs Leben, stellten Taxler und Vielfahrer fest und verziehen ihm deshalb sein betuliches Temperament und den kernigen Arbeitscharakter.
Mercedes-Benz war nicht allein
Die Marke mit dem Stern hatte es geschafft: Die effiziente Dieseltechnik ging 1936 mit dem Modell 260 D in Großserie und etablierte sich als Taxiantrieb. Fast vergessen ist heute, dass sich auch andere Marken am Wettrennen um den ersten Diesel-Pkw beteiligt hatten: So gelang Mitsubishi schon 1934 der Einbau eines Selbstzünders in den Geländewagen PX-33, es blieb jedoch bei einer Kleinstserie. Citroen lancierte 1936 den Typ 500 DI, allerdings als Transporter, und Hanomag konnte seinen 1936 vorgestellten Rekord Diesel nur mit Verspätung ausliefern. Peugeot gab den Serienstart für seinen stromlinienförmigen Typ 402 Diesel sogar erst 1938 frei, avancierte dann aber zum härtesten Rivalen der Mercedes-Modelle mit „Oel-Motor“, um schließlich in den 1960er Jahren den Thron des global größten Dieselherstellers zu erobern.
Fast ebenso lang dauerte es, bis sich die Diesel-Modelle der Pioniere nicht nur am Taxistand als begehrenswerte Alternative zum Benziner etablierten. Ob Mercedes 170 D, Borgward Hansa 1800 D oder Fiat 1400 Diesel, die frühen Nachkriegsdiesel galten zwar als Effizienz-Wunder, aber auch als träge Wanderdünen. Gesellschaftsfähig wurden die rauen Selbstzünder erst, als das Wirtschaftswunder auf Vollgas lief: Plötzlich parkten die weiterhin langsamen, jedoch hochmodern designten Diesel-Benz in Pontonform (Mercedes 180 D, ab 1954) oder mit „Heckflosse“ (190 D, ab 1961) sowie die Peugeot in Pininfarina-Haute-Couture (403, ab 1959 und 404, ab 1962) auch vor den Villen von Ärzten, Rechtsanwälten und Unternehmern. Mit Motoren, die für eine über halbe Million Kilometer gut waren, während VW oder Opel schon Laufleistungen von 100.000 Kilometern prämierten, verkauften sich diese Diesel in sechsstelliger Auflage und boten Langstreckenkomfort zum Discount-Tarif. Laut Mercedes-Werbung reisten fünf Personen im 180 D für nur je DM 6,10 von Hamburg nach Basel.
Kleinste Diesel-Pkw der Welt
Der revolutionäre Esprit der Swinging Sixties animierte Peugeot 1967 zum nächsten Quantensprung: Frontantrieb mit raumsparenden Quermotoren, das fand sich vor dem Peugeot 204 in der Kompaktklasse nur bei den Engländern des Mini-Erfinders Alec Issigonis. Nicht aber in Kombination mit dem kleinsten Diesel der Welt: Mit fröhlichen 29 kW/40 PS bei dieseluntypischen Höchstdrehzahlen von 5.000 U/min und günstigen 6,7 Litern Verbrauch brach das Alutriebwerk dem Selbstzünder eine Bahn in der kleinen Klasse. Ein französischer Ölbrenner, der erst 1976 durch den VW Golf Diesel entthront werden sollte.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Zuvor ging aber die gewohnte Autowelt unter: Gerade hatte Opel mit dem Diesel-Prototyp „GT“ Tempo-Weltrekorde aufgestellt, da zwang die Ölkrise die Autobranche zu einer Vollbremsung. Fahrverbote, Tempolimits und sprunghaft gestiegene Spritpreise, plötzlich war alles anders – und das Potential des Diesels wurde nun voll ausgeschöpft. Der VW Golf machte Diesel-Fahren zum Volkssport, bot er als 37 kW/50 PS leistender Selbstzünder doch gefühlt fast dieselbe Agilität wie die nominell gleich starke Benzin-Version. Derweil packte Citroen einen Selbstzünder statt eines spritschluckenden Wankelmotors unter die Haube des stromlinienförmigen Flaggschiffs CX und freute sich über den Medienrummel rund um diesen mit 156 km/h vorläufig schnellsten Serien-Diesel. Peugeot platzierte den 604 Turbodiesel im präsidialen Fuhrpark des Pariser Élysée-Palasts – zwei Jahre nachdem Mercedes die luxuriöse S-Klasse (W116) 1977 als weltweit erste Oberklasse mit aufgeladenem Fünfzylinder-Diesel präsentiert hatte. Rund 29.000 Einheiten dieses 85 kW/115 PS starken Turbodiesels wurden zur Enttäuschung europäischer S-Klasse-Fans ausschließlich in Amerika abgesetzt, immerhin kam die Alte Welt mit dem Kombi 300 TD Turbodiesel (W123) auch in den Genuss des flotten Fünfzylinder-Turbos.
Sogar als Boxer produziert
Noch ohne Turbo, aber mit dem ersten Reihen-Sechser als Selbstzünder trumpfte 1978 der Volvo 244 GL D6 auf, zugeliefert hatte dieses Triebwerk VW Nutzfahrzeuge. Dem Ruf der Schweden schadete das nicht, im Gegenteil: Volvo verankerte sich mit Dieselmodellen im Dienstwagen- und Flottenmarkt. Als 1983 mit BMW und dem schnellen Sechszylinder-Turbo 524 td (E28) auch ein Liebling der linken Spur die Dieselfahne flattern ließ, begann die goldene Zeit des Selbstzünders. Nun schien alles möglich: Fiat und Alfa (nach einem Fehlstart mit einer Diesel-Giulia) holten die hocheffiziente Direkteinspritzung 1987 in den Diesel, Audi und VW punkteten mit TDI-Direkteinspritzern und Allradantrieb, der VW Lupo zeigte 1999, dass ein 2,99-Liter-Verbrauch realisierbar ist, und Peugeot, wie ein serienmäßiger Rußpartikelfilter die berüchtigten schwarzen Rußwolken eliminiert.
Sogar die Japaner sprangen auf den Diesel-Zug, Subaru baute 2007 einen Boxer-Diesel und Mazda konzipierte eigenwillige Selbstzünder. Ob Supercar, SUV, Le-Mans-Rennwagen oder Cabriolet, Rudolf Diesels Erfindung trieb bis 2015 fast jedes zweite in Europa verkaufte Auto an und schien in Asien und Amerika auf dem Vormarsch. Dann das: 2015 deckte die US-Umweltbehörde EPA auf, dass VW bei Millionen Fahrzeugen illegale Einrichtungen einsetzte, um Stickoxid-Emissionen zu schönen. Von diesem Imageschaden konnte sich der Diesel nicht erholen, der Trend zur E-Mobilität erledigte den Rest. Heute sind die großen Diesel-Absatzerfolge ein spannendes Kapitel Industriegeschichte, dennoch: Ganz am Ende seiner Reise ist der Diesel noch nicht angekommen.
Classic Business Day | 18. November 2026
Autos von gestern, Geschäft für morgen: Die Fachtagung für Young- & Oldtimer
Das Expertenmeeting zum Handel mit historischen Fahrzeugen bietet Profis wie auch Einsteigern umfassende Experteneinblicke. Im Fokus stehen diesmal drei große Themen, zu denen es Vorträge sowie eine Diskussionsrunde geben wird: Additive Fertigung (3D-Druck), Smart Repair sowie Reifen & Räder. Veranstaltungsort ist 2026 das Autohaus Hagenlocher in Böblingen.
Abonnenten unserer Automotive-Medienmarken erhalten einen Nachlass von 25 % bei der Anmeldung.