Ruhrdeichgruppe: Händlerverband zweifelt an Kündigungsgrundlage

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Die Situation des Autohauses am Ruhrdeich ist ein wenig entschärft. Wie es weitergeht, skizziert Geschäftsführer Peter Gerards. Für den Händlerverband wirft die Kündigung neue Fragen auf.

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Das Autohaus am Ruhrdeich in Duisburg ist die Keimzelle der Ruhrdeichgruppe. Von hier aus steuert der Mehrmarkenhändler bisher die Nissan-Aktivitäten an sechs Standorten im Ruhrgebiet.
Das Autohaus am Ruhrdeich in Duisburg ist die Keimzelle der Ruhrdeichgruppe. Von hier aus steuert der Mehrmarkenhändler bisher die Nissan-Aktivitäten an sechs Standorten im Ruhrgebiet.
(Foto: Ruhrdeichgruppe)

Nach der Aufschiebung der fristlosen Kündigung des Autohauses am Ruhrdeich durch den Importeur Nissan Center Europe (NCE) hat sich erstmals der betroffene geschäftsführende Gesellschafter Peter Gerards zur Sache geäußert. Er bekräftigte, dass sein Unternehmen für zu Unrecht erhaltene Boni-Zahlungen die Verantwortung übernehmen werde. Aus der Verfehlung der Mitarbeiter eine fristlose Kündigung abzuleiten, hält er jedoch „für unverhältnismäßig“. Gleichzeitig verweist er aber darauf, dass beide Parteien eine unterschiedliche Rechtsauffassung hätten und daran festhielten.

In dieser Auffassung erhält Gerards erneut Rückendeckung vom Nissan-Händlerverband (VDNH), der bereits wenige Tage nach der außerordentlichen Kündigung deren Rücknahme gefordert hatte. Im internen März-Rundschreiben an die Mitglieder, das »kfz-betrieb« vorliegt, heißt es, dass eine „vollumfängliche Akteneinsicht“ mit Zustimmung aller Seiten den Verband „in der Ablehnung der Kündigung bestärkt habe“.

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Die Aktenlage habe vor Augen geführt, dass letztlich in allen Betrieben derartige Eingriffe von Mitarbeitern möglich sind, ohne dass diese auf Geschäftsleitungs- oder Händlerseite auffallen müssten. Es sei daher zu hinterfragen, warum es seitens des Importeurs allein im Bereich der Kundenzufriedenheit keine Revision gebe.

Fragwürdige Faktenlage

Der vom Importeur in Rede gestellte „erhebliche finanzielle Schaden“ ist aus Sicht des VDNH ebenfalls fragwürdig. Neuberechnungen eines seitens der Autohaus am Ruhrdeich GmbH beauftragten Wirtschaftsprüfers hätten die von NCE berechnete Schadenhöhe um rund zwei Drittel reduziert. In der Gesamtbetrachtung kommt der VDNH damit zu dem Schluss, dass die Manipulationen durch zwei Ruhrdeich-Mitarbeiter „eine sofortige fristlose Kündigung ohne Abmahnung nicht rechtfertigen“. Die kurz nach der fristlosen Kündigung geäußerte Vermutung einer politisch motivierten Kündigung gegen das Unternehmen des Händlerverbandspräsidenten habe somit bisher nicht entkräftet werden können.

Zu denken gebe laut dem Rundschreiben, dass der Importeur mit der fristlosen Kündigung einem Partner die Geschäftsgrundlage entziehe, ohne sich intensiver mit den Fakten und Tatsachen beschäftigt zu haben. Denn für den VDNH stellten sich erst nach Ausspruch der Kündigung erhebliche Zweifel an der Entscheidung dar. Zu denken gebe dem Verband zudem, dass seit der Ruhrdeich-Kündigung fünf dem VDNH bekannte weitere Händler abgemahnt worden seien, allerdings auf Basis eines Selektionskriterien-Audits, das bereits im November 2012 erfolgt sei.

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