Als nächste China-Marke startet Chery 2027 in Deutschland und lockt Familien gleich mit zwei siebensitzigen Plug-in-Hybriden zum Kampfpreis. Die Anmutung reicht von bodenständig bis hochwertig.
Er bietet spürbar mehr Platz, einen bequemeren Zugang zur dritten Reihe, Allradantrieb, drei Elektromotoren und eine 34,5 kWh große Batterie, die sich mit bis zu 70 kW laden lässt.
(Bild: Chery)
Sieben Sitze und Plug-in-Hybridantrieb – das gibt es bislang selten zum Schnäppchenpreis. Chery will das ändern. Der chinesische Hersteller plant für seinen Deutschlandstart im kommenden Jahr gleich zwei entsprechende SUV. Der Tiggo 8 soll zwischen 38.000 und 40.000 Euro kosten, für den größeren und deutlich aufwendigeren Tiggo 9 sind rund 49.000 Euro angepeilt.
Damit unterbietet vor allem der Tiggo 8 die etablierte Konkurrenz deutlich. Ein Peugeot 5008 Plug-in-Hybrid ist nicht unter 46.800 Euro zu bekommen, Mazda verlangt für den CX-60 sogar rund 51.000 Euro. Kia Sorento und Hyundai Santa Fe liegen als Plug-in-Hybride noch darüber. Selbst der Tiggo 9 bewegt sich trotz eines Allradantriebs und einer Systemleistung von 315 kW/428 PS preislich noch am unteren Ende dieses Feldes.
Tiggo 8 und Tiggo 9 sind keineswegs nur zwei unterschiedlich große Varianten desselben Autos. Der 4,73 Meter lange 8er ist eher ein geräumiger Fünfsitzer mit zwei zusätzlichen Plätzen für den gelegentlichen Einsatz, wenn mal die Nachbarkids nach der Schule mitgenommen werden sollen. Das Platzangebot in Reihe drei und auch im Kofferraum hält sich in Grenzen. Auch antriebsseitig bietet der 8 eher Hausmannskost: Der 1,5-Liter-Turbobenziner mit einem Elektromotor kommt auf 205 kW/279 PS Systemleistung, den Antrieb übernehmen ausschließlich die Vorderräder. Sein 18,4 kWh großer Akku ist nach WLTP für rund 90 Elektro-Kilometer gut.
Da ist der 4,81 Meter lange Tiggo 9 eine ganz andere Nummer, geht technisch und beim Komfort erheblich weiter. Er bietet spürbar mehr Platz, einen bequemeren Zugang zur dritten Reihe, Allradantrieb, drei Elektromotoren und eine 34,5 kWh große Batterie, die sich mit bis zu 70 kW laden lässt. Dazu kommt eine üppigere Ausstattung. Rund 9.000 Euro trennen die beiden Siebensitzer. Nach den ersten Fahrten spricht einiges dafür, diesen Aufpreis nicht vorschnell wegzusparen.
Besonders beim Antrieb des größeren Modells treibt Chery erheblich mehr Aufwand. Dort arbeitet der 143 PS starke Turbobenziner gleich mit drei Elektromotoren zusammen: zwei vorne, einer an der Hinterachse. Für die Kraftübertragung haben die Chinesen etwas Besonderes ausgetüftelt. Ein Drei-Gang-Hybridgetriebe, das Verbrenner und E-Maschinen je nach Fahrsituation unterschiedlich kombiniert. Von dieser Komplexität bekommt der Fahrer jedoch wenig mit. Rollt man elektrisch durch die Stadt und gibt kräftig Gas, erkennt man das Zuschalten des Benziners nur an der HEV-Anzeige im Fahrerdisplay. Übergänge und Gangwechsel sind kaum wahrnehm- oder hörbar. Gleichzeitig hängt der schwere SUV erstaunlich spontan am Gas und schiebt bei Bedarf kräftig an.
Hochwertige Innen-Anmutung
Das macht Lust auf Kurven. Doch damit hat's der 2,3-Tonner nicht so. Das Fahrwerk ist klar auf Komfort ausgelegt. Auf gerader Strecke gleitet der Tiggo 9 weich und leise dahin, ambitionierte Kurven überfordern ihn. Auch die synthetisch wirkende, etwas indifferente Lenkung hilft dabei nicht. Im Sport-Modus beißt zudem die Bremse schon bei kleinen Pedalbewegungen kräftig zu und lässt sich nur schwer dosieren.
Innen wirkt der Tiggo 9 deutlich hochwertiger, als es der angepeilte Preis erwarten lässt. Große Flächen sind unterschäumt, die Echtledersitze sind vorne und sogar hinten belüftet, Farben und Materialien zurückhaltend aufeinander abgestimmt. Kein Bling-Bling, keine übertriebenen Animationen und kein Farbfeuerwerk als Ambientebeleuchtung. Stattdessen gibt’s etliche praktische Details. Auf Knopfdruck seitlich an der Lehne surrt der Beifahrersitz nach vorne, eine Fußstütze fährt aus und die Lehne senkt sich. Zwischen den Vordersitzen sitzt ein gekühltes Fach, in dem fünf kleine Wasserflaschen Platz finden. Und das große Panorama-Schiebedach gefällt schon deshalb, weil es noch ganz altmodisch über einen griffigen Schalter im Dachhimmel und nicht über den Touchscreen betätigt wird.
Vor allem in der Reihe zwei zeigt der Tiggo 9, wo ein Teil des Aufpreises steckt. Sitzposition und Lehne lassen sich elektrisch einstellen. Für den Einstieg ganz nach hinten fährt die geteilte zweite Reihe auf Knopfdruck nach vorne und hebt sich gleichzeitig Richtung Vordersitz. Das schafft einen breiten Zugang. Die beiden hintersten Plätze bleiben dennoch vor allem Kindern vorbehalten. Bis etwa 1,40 Meter Körpergröße lässt es sich dort ordentlich aushalten, für Erwachsene wird es eng. Aber die zweite Reihe ist nicht perfekt. Die Sitzflächen sind sehr straff gepolstert, sodass man wenig Seitenhalt hat.
Stand: 08.12.2025
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Der größte Schwachpunkt sitzt mitten im Armaturenbrett. Der große Zentralbildschirm bietet zwar eine scharfe Darstellung, die Menüstruktur ist aber unnötig kompliziert. Zwar lassen sich häufig benötigte Funktionen als Favoriten sammeln, doch zu viele Einstellungen wandern in Untermenüs. Selbst die Außenspiegel werden über den Bildschirm justiert, einen klassischen Lautstärkeregler gibt es ebenfalls nicht.
Im Alltag nerven zudem Kleinigkeiten. Wer über Apple Car Play navigiert und zwischendurch zur Medienseite wechselt, landet anschließend nicht automatisch wieder bei der Navigation. Auch ein neues Smartphone zu koppeln dauert viel zu lange. Und die Sprachsteuerung hilft nur begrenzt. Sie versteht nur fest hinterlegte Fahrzeugbefehle und verlangt dabei ziemlich genau die abgespeicherte Formulierung. Eine Pizzeria entlang der Route suchen, einen Radiosender wie Deutschlandfunk Kultur aufrufen oder nach dem Wetter für morgen fragen? Fehlanzeige.
Bodenständiger Tiggo 8
Nach dem Tiggo 9 wirkt der Tiggo 8 sehr viel bodenständiger. Auch er fährt angenehm ruhig und seine 205 kW/279 PS reichen im Alltag völlig. Doch der Unterschied beim Platzangebot ist sofort spürbar. Die dritte Reihe taugt eher für den gelegentlichen Kindertransport, mit aufgestellten Sitzen schrumpft auch der Gepäckraum stark. Elektrisch verstellbare Rücksitze oder Sitzbelüftung hinten fehlen, das Fach zwischen Fahrer und Beifahrer ist nicht gekühlt, die Sitze mit Kunstleder bezogen. Im Kofferraum erinnern frei herabhängende Schlaufen zum Entriegeln der Lehnen daran, dass Chery stärker auf den Preis achten musste.
Beim Cockpit übernimmt der Tiggo 8 dagegen die Schwächen des großen Bruders. Bildschirm und Bedienlogik sind gleich, physische Schalter Mangelware. Interessanterweise macht es ausgerechnet der eine Klasse kleinere SUV Tiggo 7 besser. Er hat noch eine Tastenleiste, unter anderem für die Klimatisierung.
Damit gerät der Tiggo 8 zwischen die Stühle. Wer sieben Plätze nur gelegentlich braucht, bekommt für rund 5.000 Euro weniger bereits den Tiggo 7 mit ähnlichem Antrieb und nur etwas weniger Raum. Wer häufiger mit der Großfamilie unterwegs ist, findet im Tiggo 9 das überzeugendere Angebot. Für rund 9.000 Euro Aufpreis gibt es mehr Platz und Komfort, Allradantrieb, 428 PS und mit 34,5 kWh einen Akku, dessen Kapazität vor wenigen Jahren noch für manches reine Elektroauto gereicht hätte. Gemessen daran erscheint ausgerechnet der teurere Chery-Siebensitzer als das bessere Angebot.