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Sixt will Händler in Direktaktionen einbeziehen

| Autor: Christoph Baeuchle

Vor knapp zwölf Monaten startete die Aktion von Peugeot, Sixt und 1&1. Zwar sind die Fahrzeuge nun weitgehend ausgeliefert, aber die Aktion wirkt nach. Sixt sieht eine Lernkurve: Der Verkaufsprozess wird noch digitaler, die Auslieferung persönlicher.

(Bild: 1und1.de/Screenshot »kfz-betrieb«)

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Und die währte bei Ursula Zeiß, die als Assistentin das Redaktionsteam von »kfz-betrieb« unterstützt, ziemlich lange. So lange, dass am Ende fast noch ein Anwalt ins Spiel kam. Mehr als neun Monate warteten Sie und Ihr Sohn auf den bei Sixt bestellten Peugeot 208.

„Wir sind mehrmals vertröstet worden. Als dann noch der ausgemachte Übergabetermin wieder abgesagt wurde, hat es uns gereicht“, sagt Zeiß. Kein Einzelfall. Wie ihr ging es diversen Kunden, die zum Teil ihrem Ärger im Netz freien Lauf ließen. „Vereinzelte Termine mussten wir um ein paar Tage verschieben“, bestätigt Stefan Kraus, Sprecher Sixt Leasing. Doch es können auch durchaus mal Wochen gewesen sein. Wie der Fall Zeiß zeigt.

Mittlerweile ist die Aktion, die im März vergangenen Jahres begann, weitgehend durch. „Wir haben die gemeinsame Aktion mit Peugeot und 1&1, abgesehen von einzelnen Auslieferungen, abgeschlossen“, so Kraus. „Über 95 Prozent der Fahrzeuge sind bei den Kunden.“

Das heißt, dass mehr als 10.000 Fahrzeuge mittlerweile den Weg zum Kunden gefunden haben. Das war nicht immer leicht. „Wir hatten keine Logistikprobleme“, betont ein PSA-Manager. Das sah bei Sixt und seinem Dienstleister wohl anders aus. „Wir hätten die Aktion gerne etwas früher abgeschlossen und alle Fahrzeuge in der geplanten Geschwindigkeit ausgeliefert, aber insbesondere die Logistik war eine Herausforderung“, erklärt Kraus.

Doch Probleme gab es wohl auch vor Ort. Denn ein Mietwagen wird anders übergeben als ein Neuwagen. Bei Sixt gingen beide Schlüssel über den gleichen Tresen. Auch wenn das Unternehmen beteuert, die Mitarbeiter seien geschult worden, war das von Händlern meist aufwendig inszenierte Erlebnis der Fahrzeugübergabe bei Sixt doch eher dürftig.

Fahrzeug wird verschmutzt übergeben

„Wir haben halt den Schlüssel in die Hand gedrückt bekommen“, erzählt Sixt-Kundin Zeiß. Damit nicht genug. Die Abnahme klappte zunächst nicht, da aufgrund des verschmutzten Fahrzeugs mögliche Schäden gar nicht zu erkennen gewesen wären. „Nach Rücksprache mit Sixt mussten wir zunächst in die Waschstraße“, erläutert Zeiß. „Im Anschluss konnten wir dann kulanterweise Beschädigungen 24 Stunden nachmelden.“ Doch dies erwies sich als überflüssig, da unter dem Dreck keine Schäden hervorkamen.

Nicht der einzige Fall. Auch der bereits zitierte PSA-Manager bestätigt: „Sixt war mit der Fahrzeugübergabe einfach überfordert.“ Doch eine professionelle Fahrzeugübergabe war Teil der ausgehandelten Kooperation zwischen Sixt Leasing und Peugeot Deutschland.

Sixt kam mit dem Ausliefern wohl einfach nicht hinterher. „Um die hohe Frequenz an Auslieferungen zu bewältigen, haben wir zusätzlich auch ‚Übergabe-Events‘ an Wochenenden durchgeführt“, so Kraus. Übergabe was? Sixt bestellte einfach mehrere Kunden gemeinsam ein, damit sie gleichzeitig ihr Fahrzeug in Empfang nehmen. Und Kraus ist sich sicher: „Diese Veranstaltungen wurden von den Kunden sehr gut angenommen.“

Künftig mehr Händlerbeteiligung

Doch jenseits von Happenings und Events sieht auch Sixt noch durchaus Verbesserungsmöglichkeiten. „Wir haben gelernt, dass der Handel stärker in eine solche Aktion einbezogen gehört“, erläutert Kraus. „Man könnte beispielsweise Auslieferung und Rücknahme über das Händlernetz organisieren. Die Händler würden davon insbesondere durch den persönlichen Kontakt zum Kunden profitieren.“

Doch so manchem Händler könnte die Idee etwas aufstoßen. Direktvertrieb am Netz vorbei und als Erfüllungsgehilfen sollen die Partner ran. Die ohnehin geringen Margen landen bei Dritten, die potenziellen Probleme bleiben vor Ort.

Für Sixt Leasing ist klar, dass das Unternehmen den Weg weiter fortschreiben will. Nach der gemeinsamen Aktion mit Peugeot und 1&1 hat das Unternehmen bis Ende Januar 2018 ein Projekt mit BMW und Yello-Strom, einem Tochterunternehmen des baden-württembergischen Energieunternehmens EnBW, laufen. Gemeinsam habe man eine „E-Flatrate für die Straße“ mit dem i3 verkauft. „Die Aktion lief gut, wir haben eine dreistellige Zahl an Verträgen abgeschlossen.“

Verkauf wird noch digitaler

Mit jeder weiteren Aktion lernt Sixt dazu. Diverse Brüche im Bestellprozess sollen bei Sixt künftig der Vergangenheit angehören. Alles läuft im Netz. Das Post-Ident-Verfahren weicht dem Video-Ident, statt einer Unterschrift reicht E-Sign. „Mit dem Relaunch der Sixt-Neuwagen-Website wollen wir den digitalen Bestellvorgang für alle Fahrzeuge einführen“, ergänzt Kraus.

Für Zeiß ist das Thema erst mal abgeschlossen – wenigstens für die nächsten 30 Monate. So lange läuft der Vertrag. Nicht so für Peugeot und Sixt. Denn die ersten Rückläufer dürften ab Mai kommen. Tausende Peugeot 208 – alle mit Panoramadach und Alufelgen.

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