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Skoda Favorit: Anschluss an den Westen

Autor / Redakteur: Ampnet/jri / Andreas Grimm

Mit dem Kurzheckmodell Favorit startete Skoda vor 30 Jahren in eine neue Ära. Nicht nur im Rallye-Sport brillierte die Baureihe, der Kleinwagen war stets auf Augenhöhe mit seinen westlichen Mitbewerbern.

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Ein Skoda wird zum Klassiker: Dieser Tage feiert der Favorit seinen 30. Geburtstag. Im Bild ein Vertreter der ersten Generation (1987-1994).
Ein Skoda wird zum Klassiker: Dieser Tage feiert der Favorit seinen 30. Geburtstag. Im Bild ein Vertreter der ersten Generation (1987-1994).
(Bild: Skoda)

Die Premiere am 16. September 1987 auf der internationalen Maschinenbaumesse in Brünn markierte für das tschechische Traditionsunternehmen eine Zeitenwende. Mit einem zeitgemäßen Design sowie der Kombination von Frontmotor und -antrieb war der Kleinwagen aus Tschechien auf Augenhöhe mit den westlichen Mitbewerbern in seiner Klasse.

Das Projekt eines modernen Personenwagens mit Frontmotor und Frontantrieb ging auf einen Beschluss der tschechoslowakischen Regierung vom Dezember 1982 zurück. Die gleichzeitig verabschiedeten Umsetzungstermine waren extrem knapp kalkuliert: Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren (bis 30. Juni 1985) sollte die Entwicklung abgeschlossen sein und der Produktionsstart innerhalb von fünf Jahren erfolgen. Immerhin fingen die Ingenieure nicht bei Null an, denn sie hatten sich bereits zuvor mit diesem Konzept befasst und den frontgetriebenen Prototypen Skoda 780 entwickelt.

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Eine wichtige Rolle für die Akzeptanz des Fahrzeugs spielte das Design. Dem Trend der frühen 1980er Jahre folgend entschied sich Skoda, die Formgebung des neuen Kompaktwagens einem italienischen Designer anzuvertrauen. Die Wahl fiel auf das Turiner Studio Stile Bertone, das die Karosserieversionen Kurzheck, Kombi, Stufenheck und Coupé sowie mehrere Interieurversionen entwickelte. Außerdem verpflichtete sich das Designstudio zum Bau von insgesamt 19 Prototypenkarosserien in unterschiedlichen Ausführungen.

Für die Umsetzung des Designs in die Serienfahrzeugfertigung zeichnete ein Team aus dem Skoda-Stammwerk in Mladá Boleslav verantwortlich. Auch hier zeigten die tschechischen Techniker viel Kreativität und Know-how: Im Vergleich zum Heckmotormodell Skoda 120 verringerten sie die Anzahl der Pressteile von 405 auf lediglich 227. Zudem verfügte der um 40 Millimeter kürzere Favorit über einen um 85 Millimeter längeren Innenraum und ein größeres Kofferraumvolumen als der Vorgänger. Damit avancierte er zum vollwertigen Familienwagen – und bildete eine gute Basis für die später folgende Kombiversion Forman.

Testtouren in den Alpen und an der italienischen Riviera

Skoda arbeitete eng mit dem Institut für Kraftfahrzeuge in Prag zusammen, wo beispielsweise simulierte Testfahrten durchgeführt wurden. Innerhalb einer Woche wurden dabei Belastungen erzeugt, die einer Laufleistung von 100.000 Kilometern entsprachen. Anschließend bewährten sich die Prototypen im realen Verkehr auf Touren über insgesamt eine viertel Million Kilometer. Zu den Fahrversuchen zählten auch Tests in den Alpen und in der Hitze an der italienischen Riviera.

Die Bremsen wurden auf der Großglockner-Hochalpenstraße und an der Turracher Höhe in Österreich auf Wirkung und Standfestigkeit getestet. Während der Entwicklungsphase kooperierten die Skoda-Ingenieure mit vielen externen Spezialisten. So wirkten Experten von Porsche beispielsweise bei der Motoraufhängung, der Geometrie der Vorderachse und der Reduzierung des Lärmpegels im Innenraum mit. In der finalen Entwicklungsphase des Favorit fanden darüber hinaus dynamische Prüfungen auf der Teststrecke von Porsche in Weissach statt.

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