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„Skoda-Vertrieb hat noch einige Pfeile im Köcher“

| Autor: Andreas Grimm

Der Skoda-Absatz läuft von einem Rekord zum nächsten. Im Gespräch mit »kfz-betrieb« erläutert Vertriebsvorstand Alain Favey, warum diese Entwicklung weitergehen wird und welchen Anteil daran die Marketing-Effekte aus dem Sponsoring der Tour de France haben.

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Alain Favey ist Vertriebsvorstand von Skoda Auto. Aus seiner Sicht ist der Absatzboom der Tschechen noch lange nicht zu Ende, dank weiterer Produkt-Neuheiten.
Alain Favey ist Vertriebsvorstand von Skoda Auto. Aus seiner Sicht ist der Absatzboom der Tschechen noch lange nicht zu Ende, dank weiterer Produkt-Neuheiten.
(Bild: Skoda)

Redaktion: Herr Favey, Skoda hat das beste erste Halbjahr seiner Geschichte erreicht. Wie schätzen Sie die Entwicklung für das Restjahr ein, speziell in Deutschland und Europa?

Alain Favey: Unsere Auslieferungen im ersten Halbjahr 2018 unterstreichen eindrucksvoll, dass unsere Modellstrategie greift. Von den Kunden wird unsere moderne, breite Modellpalette weltweit hervorragend angenommen. In der zweiten Jahreshälfte erwarten wir jedoch Engpässe durch die Einführung des neuen WLTP-Testverfahrens. Die Auslieferung einiger Fahrzeuge wird sich daher nach hinten verschieben.

Und mittelfristig? Schließlich hat Skoda mit der SUV-Offensive in dieser Hinsicht sein Pulver verschossen …

Dem möchte ich klar widersprechen. Der Erfolg unserer SUV-Baureihen belegt, dass wir mit dem Kodiaq und dem Karoq die richtigen Produkte zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt gebracht und den Geschmack unserer Kunden getroffen haben. Ende April haben wir zudem den Skoda Kamiq in Peking eingeführt. Das neueste Mitglied unserer SUV-Familie bieten wir exklusiv auf unserem weltweit wichtigsten Einzelmarkt China an.

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Das stimmt für China, aber in Europa?

Weil das SUV-Segment hochdynamisch bleiben wird, setzen wir unsere SUV-Offensive konsequent fort – zum Beispiel mit einem weiteren SUV für den chinesischen Markt oder mit der Serienversion unserer Crossover-Studie Vision X. 2020 folgt dann das erste rein batterieelektrische Modell der Firmengeschichte – ebenfalls im SUV-Segment. Für den Wachstumsmarkt Indien stellen wir im selben Jahr ein Kompakt-SUV vor. Sie sehen, wir haben noch einige Pfeile im Köcher.

Zum Verkaufserfolg trägt sicher auch der wachsende Bekanntheitsgrad der Marke Skoda bei. Welchen Anteil hat daran das 15-jährige Skoda-Engagement bei der Tour de France?

Skoda und Radsport – das passt. Schließlich begann die Geschichte des Unternehmens im Jahre 1895 mit der Produktion von Fahrrädern. Daher liegt uns der Radsport sehr am Herzen. Unser weitreichendes und deutlich sichtbares Engagement für den Radsport und die Tour de France stärkt das Bewusstsein für unsere Marke sowie ihr Image. Das gilt vor allem für westeuropäische Märkte, hier hat sich unsere Präsenz deutlich erhöht.

Nutzt Skoda den Radsport auch für subtiles Marketing?

Ja, mit welovecycling.com betreiben wir eine unternehmenseigene Website zu Themen rund um das Fahrrad. Auch dass unsere Kunden bei uns Fahrräder als festen Bestandteil unserer erweiterten Produktpalette finden, zeigt deutlich: Unsere Begeisterung für und unser Commitment zum Fahrrad geht weit über Sportsponsoring und reines Marketing hinaus.

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In der Dopingkrise des Radsports und speziell der Tour de France hat sich Skoda nicht zurückgezogen. War das nicht ein Risiko für das Ansehen der Marke?

Wir beobachten dieses Thema natürlich sehr genau. Wir haben aber volles Vertrauen in die zuständigen Instanzen und erwarten, dass sie alles für einen sauberen Radsport tun, sodass der sportliche Wettbewerb bei künftigen Radsportveranstaltungen nicht von Dopingfällen überschattet wird.

Skoda stellt 250 Organisations- und Begleitfahrzeuge und ist Sponsor des Grünen Trikots. Dazu kommt die Bannerwerbung am Zieleinlauf – Skoda nimmt für die Tour richtig Geld in die Hand. Lohnt sich der Aufwand?

Wir stellen alle unsere Sponsoring-Engagements regelmäßig auf den Prüfstand und investieren nur dort, wo es für unser Unternehmen Sinn macht. Stimmt der Sponsor-Fit zwischen Marke und Kooperationspartner, engagieren wir uns sichtbar und nachhaltig. So erzielen wir den gewünschten Return on Investment. Die Bewertungen unseres Engagements im Rahmen der Tour de France zeigen eindeutig, dass wir durch diese Maßnahme eine große und relevante Zielgruppe erreichen. Zudem gelingt es uns, unsere Markenbekanntheit signifikant zu steigern.

Neben der Tour-Partnerschaft ist Skoda zumindest in Deutschland auch mit dem Breitenradsport verbunden. Wird dieses Engagement werblich genutzt oder ist es eher eine Vorlage für lokale Aktivitäten der Händler?

In Deutschland nutzen wir es werblich, aber auch im Handelsmarketing. Wir werben im Umfeld von großen Radsportveranstaltungen oder im TV als „Presenter der Tour de France“. Das kann auch mal mit einem eigenen TV-Spot während der Tour einhergehen. Wenn es sich produktseitig anbietet, haben wir auch schon Sondermodelle zu diesem Thema angeboten. Handelsseitig bieten wir unseren Händlern an, als Mitglied im nationalen Jedermannteam mit Kunden für die Marke zu starten. Alleine in diesem Jahr haben über 220 Händlerteams teilgenommen.

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15 Jahre Tour de France, 26 Jahre Eishockey-Partnerschaft – wird es da nicht schwierig, neue Impulse fürs Marketing zu generieren?

Eine langfristige Partnerschaft ist für uns von enormer Bedeutung. Viele Menschen verbinden unsere Marke automatisch mit der Tour de France oder der Eishockeyweltmeisterschaft. Um das Engagement weiterhin attraktiv zu halten, können sich die Fans jedes Jahr auf etwas Neues freuen. Im Rahmen der Tour de France 2016 hatten wir zum Beispiel den noch getarnten Skoda Kodiaq erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Ein toller Erfolg. Auch die Trophäen made by Skoda-Design sind ein Beispiel dafür, wie unsere Marken-DNA durch unser Sponsoring für Sportler und Fans immer wieder konkret erfahrbar wird.

Noch ein Blick in die vertriebliche Zukunft: Skoda elektrifiziert sich ab 2019 mit dem Citigo als E-Modell und mit einem Superb Hybrid. Wann erwarten Sie für die Marke wie für die Industrie allgemein nennenswerte Stückzahlen für E-Modelle?

Das hängt von einer Vielzahl verschiedener Faktoren ab und lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersagen. Sicher ist: Es wird für alle Automobilhersteller eine große Herausforderung, die Kunden für die vielen Vorteile der E-Mobilität – nicht nur für die Umwelt, sondern vor allem für die Kunden selbst – zu gewinnen. In Bezug auf unsere batterieelektrischen Modelle kann ich Ihnen versprechen: Unsere E-Autos werden preislich attraktiv und gleichzeitig begehrenswert sein – kurz: Unsere Kunden können sich auf bezahlbare und faszinierende Elektromobilität „made by Skoda“ freuen.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«