Software-Updates und neue Diesel-Pkw drücken NO2-Belastung messbar

Zahl der Grenzwertüberschreitungen sinkt

| Autor: Andreas Grimm

Die NO2-Belastung in den deutschen Städten ist zuletzt gesunken. Damit es dabei bleibt, fordert das UBA unter anderem eine NOx-Messung im Rahmen der Abgasuntersuchung.
Die NO2-Belastung in den deutschen Städten ist zuletzt gesunken. Damit es dabei bleibt, fordert das UBA unter anderem eine NOx-Messung im Rahmen der Abgasuntersuchung. (Bild: Helge Jahn / UBA)

Die Stickoxid-Belastung in den deutschen Städten hat laut einer vorläufigen Auswertung des Umweltbundesamts (UBA) deutlich nachgelassen. Wie aus den Daten der Überwacher hervorgeht, wurde der Jahresmittelgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft noch an rund 20 Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. 2018 lag diese Quote noch bei 42 Prozent.

„Insgesamt ist die Belastung mit Stickstoffdioxid deutschlandweit weiter rückläufig“, heißt es zusammenfassend vom UBA. Für UBA-Präsidenten Dirk Messner zeigt sich in der Entwicklung, „dass Umweltpolitik wirkt“. Und das nicht nur hinsichtlich der NO2-Belastung: Im vergangenen Jahr ist zugleich die Feinstaubbelastung so weit gesunken, dass keine Überschreitung des Grenzwertes mehr gemessen wurde. Dafür zeigten sich im Jahr 2019 immer wieder hohe Ozon-Werte.

Hinsichtlich der in den letzten Jahren besonders diskutierten NO2-Werte sieht das UBA gleichwohl noch keinen Anlass zur Entwarnung, liegen doch immer noch in 19 Städten die Emissionen über den Grenzwerten. Wenn alle Daten ausgewertet sind, könnte die Überschreitung sogar 25 bis 30 Städte betreffen. 2018 war der Jahresmittelwert noch in 57 deutschen Städten zu hoch. In der vorläufigen Auswertung sind bislang nur die etwa 400 automatisch messenden Stationen berücksichtigt. Die Daten von weiteren 130 so genannten Passivsammlern, deren Werte erst im Labor analysiert werden müssen, liegen erst im Mai 2020 vor.

Im Schnitt hat das UBA einen Rückgang der mittleren NO2-Konzentrationen an verkehrsnahen Messstationen um etwa drei Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt. Die Besserungen sind auf mehrere Faktoren zurückführen. „Modellierungen zeigen, dass Softwareupdates und Flottenerneuerungen 2019 eine Minderung von ein bis zwei Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter bewirkten“, heißt es im UBA-Bericht. Davon sind rund drei Viertel auf neue, sauberere Fahrzeuge zurückzuführen und nur etwa ein Viertel auf die Wirkung der Softwareupdates.

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Die Verbesserungen sind dabei recht deutlich. An der umstrittenen Messstelle Stuttgart-Neckartor sank der Jahresmittelwert der NO2-Belastung von 71 auf immer noch zu hohe 53 Mikrogramm. Freiburg verbesserte sich von 50 auf 36 Mikrogramm, Oldenburg von 48 auf 39 Mikrogramm, Tübingen von 46 auf 39 Mikrogramm und Hildesheim von 41 auf 34 Mikrogramm.

Gleichwohl gibt es weiterhin Messstellen mit einer deutlich zu hohen NO2-Belastung, etwa in München (Landshuter Allee / 63 Mikrogramm), Kiel (Theodor-Heuss-Ring / 49 Mikrogramm) oder Düsseldorf (Corneliusstraße / 45 Mikrogramm). Die NO2-Belastung ist der Grund, warum es etwa in Stuttgart, Hamburg und Berlin auf bestimmten Strecken Fahrverbote für ältere Dieselautos gibt.

Aufwertung der AU um NO2-Messung

Angesichts der gemessenen Verbesserungen wies UBA-Präsident Messner eigens auf die Verantwortung der Autobauer für die Luftschadstoffe hin. Die Effekte einer erneuerten Fahrzeugflotte zeigen, dass „wir schon längst die Grenzwerte in den Städten hätten einhalten können, wenn bereits ältere Diesel-Pkw sauber gewesen wären, und zwar nicht nur auf dem Prüfstand, sondern real auf der Straße“. In diesem Zusammenhang forderte er, in die Abgasuntersuchung die Messung der NOx-Emissionen aufzunehmen, um die Wirksamkeit der Abgasreinigungssysteme langfristig sicherzustellen. „Die AU sollte aus diesem Grund so weiterentwickelt werden, dass sie in der Lage ist, mit neuen Messmethoden das Funktionieren der modernen Entstickungstechniken in Kraftfahrzeugen zu überprüfen“, heißt es vom UBA.

In einer Reaktion auf die Werte warnten Umweltorganisationen vor einem Nachlassen der Bemühungen um saubere Luft in den Städten. Die Kommunen müssten den begonnenen Umbau der Mobilität fortsetzten, hieß es vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Voranzutreiben sind der Ausbau des ÖPNV und sicherer Radwege, bei einer gleichzeitigen Verringerung des Autoverkehrs.“ Laut der aktuellen UBA-Auswertung sind derzeit die Diesel-Pkw zu 65 Prozent für den NO2-Ausstoß im Stadtverkehr verantwortlich – die Nutzfahrzeuge tragen 28 Prozent dazu bei.

Ozon und Feinstaub bleiben unter Beobachtung

Ein Umweltthema früherer Jahrzehnte, der Feinstaub, ist derzeit nur noch eine Randnotiz. 2019 war das am geringsten mit Feinstaub belastete Jahr seit Beginn der Feinstaubmessungen Ende der 1990er-Jahre. Die Feinstaubgrenzwerte (höchstens 35 Tage pro Jahr über 50 µg/m³ Luft im Tagesmittel und maximal 40 µg/m³ Luft im Jahresmittel) wurden erstmals deutschlandweit eingehalten. Aus Sicht von UBA-Präsident Dirk Messner bleibt der Feinstaub dennoch „ein deutlich größeres Gesundheitsproblem als Stickstoffoxide“. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf denen die Grenzwerte beruhen, sind mehr als 20 Jahre alt und somit veraltet. „Um die Gesundheit der Menschen zu schützen, sollten die Feinstaub-Grenzwerte strenger werden“, sagte er.

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Dass Umweltgefahren im Blick behalten werden müssen, zeigt die Ozon-Belastung. Zwar sei sie im Jahr 2019 nur durchschnittlich gewesen. Die außergewöhnlich hohen Temperaturen von 40 Grad Celsius und mehr in den Tagen Ende Juli 2019 führten jedoch zu zahlreichen Überschreitungen der Informations- und Alarmschwelle (180 bzw. 240 µg/m³ Luft) und einem Maximalwert über 300 µg/m³ Luft. Zudem wurde das Langfristziel zum Schutz der Gesundheit (maximal 120 µg/m³ Luft im Mittel über 8 Stunden) wie bereits im Vorjahr an allen 260 Stationen überschritten, und zwar an durchschnittlich 24 Tagen pro Station. Da Ozon durch intensive Sonneneinstrahlung unter anderem aus Stickoxiden gebildet wird, ist auch in dieser Schadstoffklasse der Verkehr gefragt, seinen Teil zur Schadstoffreduktion beizutragen.

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