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Studie: Erdgas-Fahrzeuge haben bessere Klimabilanz als E-Autos

Autor: Christoph Seyerlein

In Sachen CO2-Bilanz haben E-Autos konventionell angetriebenen Fahrzeugen theoretisch einiges voraus. Doch noch können die Stromer ihr Potenzial einer Studie zufolge in der Praxis nicht ausschöpfen – zumindest nicht in Deutschland.

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(Bild: Volkswagen)

Elektroautos haben in Sachen CO2-Bilanz großes Potenzial – noch sind sie in Deutschland aber weniger klimaschonend unterwegs als Erdgas-Fahrzeuge. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie der Forschungsgesellschaft Joanneum Research an der auch der ADAC beteiligt war.

Die Wissenschaftler untersuchten dabei die Klimabilanz eines Fahrzeugs in der Golf-Klasse mit Benzin-, Diesel-, Erdgas- und E-Antrieb. Als jährliche Fahrleistung wurden 15.000 Kilometer veranschlagt, die Gesamtlebensdauer betrug 15 Jahre.

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Um die Klimawirkung zu bestimmen, werden verschiedene Energieaufwendungen betrachtet. Dazu zählen die Treibhausgas-Emissionen, die bei Fahrzeugherstellung und -recycling entstehen. Auch die bei der Produktion, der Bereitstellung und beim Verbrauch des Kraftstoffs oder des Stroms entstehenden Emissionen flossen den Studienautoren zufolge in die Bilanz ein.

Laut der Auswertung hat ein Elektroauto, das mit Strom hierzulande unterwegs ist, erst nach 219.000 gefahrenen Kilometern oder 14,6 Betriebsjahren eine besser CO2-Bilanz als ein aktueller Diesel. Einen Benziner überholt der Stromer nach 127.500 Kilometern bzw. 8,5 Betriebsjahren. An ein Erdgas-Auto kommt ein Batterieauto – Stand jetzt – innerhalb der 15 Jahre nicht heran.

Energiewende als Voraussetzung für E-Auto-Erfolg

Zu kämpfen haben E-Autos den Autoren zufolge vor allem mit folgenden Herausforderungen:

  • Die aufwendige Produktion der Batterie, die bereits einen hohen „Treibhausgas-Rucksack mit sich bringe
  • Den weiterhin hohen Treibhausgas-Emissionen des deutschen Strommixes

Anders sähe die Bilanz aus, wenn Elektroautos zu 100 Prozent regenerativen Strom „tanken“ könnten. Dann würden sie den Forschern zufolge schon nach 37.500 Kilometern klimaschonender fahren als Benziner. Diesel-Modelle würden die Stromer nach 40.500 Kilometer kassieren, Erdgas-Autos nach 48.000 Kilometern. Daraus lässt sich folgern, dass Elektroautos nur dann eine CO2-Verbesserung im Verkehrsbereich erzielen können, wenn Deutschland bei der Energiewende vorankommt.

Wasserstoff als Alternative

Als Alternative sieht die Studie zudem Wasserstoffautos. Brennstoffzellenfahrzeuge (mit Wasserstoff aus regenerativer Quelle) hätten über ihren Lebenszyklus hinweg das Potenzial, eine ähnliche Bilanz zu erreichen, wie E-Autos, die mit 100 Prozent Ökostrom betrieben werden.

Die Umweltbilanz von Elektroautos ist umstritten. Zahlreiche Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ähnliche Ergebnisse wie die hier beschriebene Auswertung hatte zuletzt beispielsweise Volkswagen kommuniziert. Den Wolfsburgern zufolge ist ein E-Auto hierzulande über seinen Lebenszyklus hinweg noch etwas weniger CO2-sparsam unterwegs al ein Diesel. In Norwegen, wo deutlich mehr Öko-Strom im Mix vorhanden ist, sei ein Elektroauto dagegen bereits heute besser, so VW-Nachhaltigkeitschef Ralf Pfitzner. Im März hatte Pfitzner im Gespräch mit »kfz-betrieb« gesagt: „Die Energiewende geht in Deutschland noch nicht schnell genug voran. Elektromobilität macht nur Sinn, wenn auch die Energiewende funktioniert.“

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«