Subaru-Händler stellt digitale Umweltplakette vor

Präsentation liegt beim Umweltministerium

| Autor: Christoph Seyerlein

Klaus Schmitt würde seine digitale Umweltplakette – hier zu sehen als grüne 4 – auf dem vorderen Nummernschild platzieren.
Klaus Schmitt würde seine digitale Umweltplakette – hier zu sehen als grüne 4 – auf dem vorderen Nummernschild platzieren. (Bild: Autohaus Klaus Schmitt)

Die Belastung der Innenstädte durch Abgase ist hierzulande durch die Diesel-Affäre stark in den Fokus gerückt. Obwohl es Regelungen wie die Umweltplakette gibt, sind Fahrverbote in Städten wie Stuttgart, Düsseldorf oder München nicht vom Tisch. Für Klaus Schmitt ein Unding. „Lange Zeit habe ich mich über die Sinnlosigkeit der bestehenden Umweltplakette in der Windschutzscheibe geärgert“, sagt der Subaru-Händler aus Düren.

Und so reifte in Schmitt der Entschluss, eine bessere Alternative zu entwickeln. Die Idee des Händlers: Statt eines Aufklebers in der Windschutzscheibe sollte eine Folie an das fordere Nummernschild im blauen Europa-Feld angebracht werden. Die weiße Länderkennung würde dabei in den oberen Euro-Sternen-Kreis rücken. Auf jener Folie ist die Schadstoffnorm des jeweiligen Fahrzeugs hinterlegt. Sie ist elektronisch lesbar, laut Schmitt könnten entsprechende Geräte zur Erfassung beispielsweise an jeder ersten Ampel einer Umweltzone installiert werden. So könnten Kontrolleure sofort feststellen, wenn ein Auto unerlaubterweise in eine solche Zone einfährt. Damit die Plakette jederzeit zu erkennen ist, wird sie mit einer Lotusblüteneffekt-Beschichtung ausgestattet. So kann kein Schmutz an ihr haften. Zudem soll die Folie laut Schmitt fälschungssicher sein.

Die derzeit bestehende Regelung erfordert keine Nachweispflicht für die Vergabe von Umweltplaketten. Klaus Schmitt zufolge ist es möglich, sich eine solche Plakette im Internet zu bestellen, egal, ob das eigene Auto dafür berechtigt ist oder nicht. Wer sein Fahrzeug zu Unrecht damit schmückt, würde zumeist erst bei der nächsten Hauptuntersuchung enttarnt werden und so bis zu zwei Jahre die Umwelt belasten. „Ein unerträglicher Zustand, der nie bedacht wurde“, echauffiert sich Schmitt.

Sollte es seine Idee tatsächlich in die Umsetzung schaffen, wäre es Schmitt wichtig, dass Straßenverkehrsämter die digitale Plakette nur bei Zulassung oder Halter-Wechsel hoheitlich verkleben dürften. „Der illegale Handel wäre damit beendet“, so Schmitt.

Neben der sinkenden Abgas-Belastung hat Schmitt aber noch einen weiteren Umweltaspekt im Auge. Die bisherige Plakette hat einen Durchmesser von 8,5 Zentimetern, Schmitts Alternative dagegen nur 3,2 Zentimeter. So würde im Vergleich zur bisherigen Lösung nur ein Bruchteil an Folienabfall anfallen, ist der Händler überzeugt.

Bliebe noch die Frage, was das ganze kosten würde. „Die Kosten für die Hardware, Software, Serverkapazität und Betreiben des System sind noch nicht beziffert“, gibt Schmitt zu. Die Plakette selbst würde in der Herstellung dem Händler zufolge etwa 50 Cent pro Stück kosten. Den Ausgabepreis würde Schmitt bei 3,50 Euro festlegen. Die bisherige Plakette wird in der Regel für 7,50 Euro verkauft. „Bei rund 13,5 Millionen Zulassungen im Jahr belaufen sich die Einnahmen auf etwa 47 Millionen Euro. Mit diesem Geld kann man sicherlich viel Hardware und Software bezahlen“, rechnet Schmitt vor.

Gäbe der Staat jetzt grünes Licht für die Idee, könnte sie bereits in rund 12 Monaten an den Start gehen, sagt der Händler. Auch die Umstellung aller bereits zugelassenen Fahrzeuge wäre in dieser Zeit aus seiner Sicht möglich.

Einen Vorschlag, wie mit Falschfahrern umgegangen werden sollte, lieferte Klaus Schmitt ebenfalls mit. „Angebunden an die bestehende KFZ-Steuer, die von einer statischen in eine variablen KFZ-Steuer geändert werden müsste, kann jede Stadt ab 50.000 Einwohner und jedes Land entscheiden, ob eine Erhöhung der KFZ-Steuer anfällt, wenn ein Fahrzeug mit einer vom Verkehrsministerium nachgewiesenen schlechten Euro-Norm wie Euro I, II oder III in eine Umweltzone fährt“, regt Schmitt an. Eine temporäre Anhebung von 1,50 Euro bis 5 Euro pro Tag hält er für „möglich, finanziell für Fahrer der betroffenen Autos bezahlbar und sozial gerecht“.

Präsentation beim Umweltministerium

Auch den Datenschutz hat Schmitt bei seinen Überlegungen beachtet. „Mit meinem Konzept wird es keine Massendatenspeicherungen von Halterdaten geben“, sagt der 58-Jährige. Nach Ablauf der Rücklastschriftfrist sollen sämtliche persönlichen Daten gelöscht werden. Lediglich die Informationen zu den Emissionsklassen der Fahrzeuge würden zur Erstellung von Bewegungsprofilen gespeichert werden.

Klaus Schmitt hofft nun, dass er bei der Politik mit seiner Idee Gehör findet. Seiner Meinung nach ließe sich das System in ganz Europa einsetzen. Am 10. August 2017 hat Schmitt bereits erstmals beim Bundesumweltministerium vorgesprochen. Dabei sei ihm zugesagt worden, dass seine Idee weiter diskutiert und auch an das Bundesverkehrsministerium weitergeleitet werde. Zusätzlich hat der Händler Bundeskanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Martin Schulz, den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner und die Grünen-Spitzenpolitiker Cem Özdemir und Winfried Kretschmann per Rundschreiben über sein Vorhaben informiert.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44973314 / Technik)

Plus-Fachartikel

Nutzfahrzeugwerkstatt: Mit vereinten Kräften

Nutzfahrzeugwerkstatt: Mit vereinten Kräften

Das Truckcenter Schüttorfer Kreuz ist aus der Kooperation dreier Einzelunternehmen entstanden und vereint eine markenunabhängige Nfz-Werkstatt und eine Vertragswerkstatt für diverse Fabrikate unter einem Dach. Dabei war alles ganz anders geplant. lesen

Autohaus Jakob: Dodge und Ram wagen

Autohaus Jakob: Dodge und Ram wagen

Mit Nissan und Jeep haben Peter Jakob und sein Sohn Benjamin zwei Marken an Bord, die das Familienunternehmen derzeit stark herausfordern. Als wäre das nicht schon genug, vermarktet das Autohaus seit Kurzem auch noch Dodge und Ram. lesen