Marktkonsolidierung Vier VW-Partner fusionieren zum Handelsriesen

Von Martin Achter

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Gemeinsam wären sie einer der fünf größten Händler Deutschlands: Die Autohäuser Marnet, Gelder und Sorg, Göthling und Kaufmann sowie die Best Auto-Familie wollen sich 2023 zu einer großen Gruppe zusammenschließen. Andere wären auch gerne dabei.

Vier Händler von VW-Konzernmarken fusionieren zu einem Handelsriesen: Die Best Auto-Familie in Mühlheim am Main (im Bild) will sich 2023 mit den Autohäusern Marnet, Gelder und Sorg sowie Göthling und Kaufmann zusammenschließen.
Vier Händler von VW-Konzernmarken fusionieren zu einem Handelsriesen: Die Best Auto-Familie in Mühlheim am Main (im Bild) will sich 2023 mit den Autohäusern Marnet, Gelder und Sorg sowie Göthling und Kaufmann zusammenschließen.
(Bild: Best Auto-Familie )

Mit einem Sprung an die Spitze des deutschen Automobilhandels – gemessen an der Zahl der verkauften Fahrzeuge: Die entlang des Mains regional benachbarten Autohäuser Marnet (Königstein im Taunus), Gelder und Sorg (Haßfurt), Göthling und Kaufmann (Hofheim am Taunus) und Best Auto-Familie (Mühlheim am Main) wollen sich Anfang 2023 zu einer großen Handelsgruppe zusammenschließen. Das gaben die familiengeführten Unternehmen am Montag in einer gemeinsamen Erklärung bekannt. Dem Schritt müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

Das künftige Marktgebiet des neuen Handelsriesen reicht demnach im Westen von der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden bis in die Region Coburg im Nordosten Bayerns. Die Gruppe wird in diesem Gebiet an 40 Standorten mit den Marken Volkswagen (inklusive Nutzfahrzeuge), Audi, Skoda, Seat und Cupra vertreten sein. Sie wird dann 2.400 Mitarbeiter vereinen und rund 40.000 Autos (Neu- und Gebrauchtwagen) im Jahr vermarkten.

Unter Deutschlands Top-100-Händlern würde sich das Unternehmen damit – gemessen am Fahrzeugabsatz im Jahr 2020 – hinter AVAG (112.000 Einheiten), Gottfried Schultz (71.000 Einheiten) und der Feser-Graf-Gruppe (61.000 Einheiten) einreihen. Es wäre gleichauf mit Alphartis (ehemals AHG, 40.000 Einheiten). Die Zahlen basieren auf einer Erhebung des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen. (Hinweis: Emil Frey Deutschland war in dieser Erhebung nicht vertreten. Der Gesamtabsatz der Gruppe im Pkw-Einzelhandel lag dem Konzernabschluss 2020 zufolge bei 109.500 Fahrzeugen.)

Zu den Kunden der Gruppe gehören dann auch 500 Großabnehmer, die über die jeweiligen Großkunden-Leistungszentren bedient werden. Gemeinsam leisten die fusionierenden Handelsunternehmen eine halbe Million Servicestunden. Den Angaben zufolge sind die Händler hinsichtlich Mitarbeiterzahl, Umsatz und Kapitalausstattung derzeit in etwa gleichauf.

Neue Aufgaben in der Matrix

Der Zusammenschluss soll auch organisatorische Änderungen mit sich bringen. Die bisherigen geschäftsführenden Gesellschafter würden zwar auch künftig die Betriebsstätten verantworten, an denen sie jetzt aktiv sind. Dazu sollen aber neue Aufgaben kommen. „In einer Matrixorganisation werden diese darüber hinaus gruppenübergreifend Fachbereiche steuern“, heißt es in der Erklärung. Es geht also wohl darum, dass sich einzelne Gesellschafter um jeweils eigene Kernaufgabengebiete kümmern.

Die geplante Großfusion ist – wie zu erwarten – mit dem VW-Konzern und seinen Fahrzeugmarken abgestimmt: „Die Hersteller begrüßen die aktive Zukunftsgestaltung der vier Familienunternehmungen, denn diese brauchen Partner mit hoher Investitionskraft, welche die Herausforderungen aktiv angehen“, erklärten die Handelsunternehmen.

Die vier bislang unabhängigen Unternehmen betonen, der Zusammenschluss sei „von langer Hand vorbereitet und sehr sorgfältig ausgearbeitet“ worden. Es handle sich um einen Schritt, „von dem alle Beteiligten überzeugt sind“.

Der Automobilhandel durchlebe derzeit eine Transformation. Neue Fahrzeughersteller beträten den Markt. Außerdem sähen sich Autohäuser mit neuer Technologie und neuen Anforderungen von Kunden konfrontiert. Und die Fahrzeughersteller veränderten die Strukturen ihres Vertriebs und ihrer Händlernetze.

Norbert Sorg, Gesellschafter von Gelder und Sorg, erläutert die Motivation hinter dem Zusammenschluss: „Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind nahezu deckungsgleich. Darüber hinaus bauen alle Familienbetriebe auf einer gemeinsamen Wertebasis auf.“ Auch deswegen hätten sich die Unternehmen zu dem Schritt entschlossen.

Interesse anderer Händler

In der Branche habe sich der Zusammenschluss der vier Händler bereits herumgesprochen, erklärten die Unternehmen. Das habe das Interesse anderer Händlerkollegen geweckt, sich an dem Zusammenschluss zu beteiligen: „Seit Bekanntwerden des geplanten Zusammenschlusses bekundeten benachbarte Händlerkollegen ihr Interesse, sich anzuschließen“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen. Sie machen momentan noch keine Angaben dazu, ob sie weitere Händlerpartner aufnehmen wollen. Jedoch überrasche das Interesse angesichts der aktuell „wachsenden Unsicherheit im Autohandel“ nicht.

Wie das gemeinsame Unternehmen künftig heißen wird, ist noch offen. Die „Best Group“ aber, unter deren Dach die Best Auto-Familie vor einigen Jahren eine Gruppe regional ansässiger Händler vereint hat, soll künftig Teil des neuen Unternehmenskonstrukts werden, wie die Ostbayerische Mittelstandsbeteiligungs GmbH (OMB) als Projektpartner auf Anfrage von »kfz-betrieb« mitteilte. Der Zusammenschluss wird konzeptionell von der OMB unterstützt, die unter anderem Fusionen im Automobilhandel begleitet.

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