Gottfried Schultz Vom ersten bis zum (vor-)letzten Käfer

Von Steffen Dominsky

Den allerersten für einen Privatkunden bestimmten Volkswagen-Käfer lieferte das Unternehmen Gottfried Schultz vor 75 Jahren aus. Den Vorletzten in Deutschland sowie den Vorletzten jemals produzierten behielt es selbst.

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Vorne der vorletzte in Deutschland gebaute VW Käfer, der nunmehr 75 Jahre nach Zulassung des allerersten VW Käfers durch Gottfried Schultz auf „D-GS 75H“ zugelassen wurde. Im Hintergrund: Der Ex-KdF-Wagen von Willy Messerschmitt sowie der letzte von VW ausgelieferte Mexiko-Käfer der Ultima Edicion.
Vorne der vorletzte in Deutschland gebaute VW Käfer, der nunmehr 75 Jahre nach Zulassung des allerersten VW Käfers durch Gottfried Schultz auf „D-GS 75H“ zugelassen wurde. Im Hintergrund: Der Ex-KdF-Wagen von Willy Messerschmitt sowie der letzte von VW ausgelieferte Mexiko-Käfer der Ultima Edicion.
(Bild: www.kathiundchris.de)

Kein Händler weltweit hat eine historisch engere Beziehung zum VW Käfer als die im Rhein-Ruhr-Raum tätige Automobilhandelsgruppe Gottfried Schultz. War es doch der – damals noch ausschließlich in Essen ansässige – Autohändler Gottfried Schultz, der 1946, also gerade mal ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, den allerersten für einen Privatkunden bestimmten VW Käfer ausgeliefert und zugelassen hatte. Dieser Kunde war ein Essener Milchhändler, dem damals als wichtigem Versorger der Bevölkerung Vorrang bei der Belieferung mit einem Fahrzeug eingeräumt worden war.

Zuvor waren die ab 1941 bis Kriegsende 1945 im seinerzeit neu erbauten Volkswagenwerk hergestellten VW Käfer, damals KdF-Wagen (Kraft durch Freude) genannt, nur an die deutsche Wehrmacht und an Partei- und Wirtschaftsführer zugeteilt worden. So besitzt Gottfried Schultz den KdF-Wagen, der ausweislich des erhalten gebliebenen Fahrtenbuchs von dem berühmten Flugzeugkonstrukteur Willy Messerschmitt persönlich gefahren worden ist. Noch im Jahr 1945 ließ die britische Besatzung die Produktion im nur teilzerstörten Volkswagenwerk wieder aufnehmen. Produziert wurde der Käfer in kleinen Stückzahlen für den Eigenbedarf der britischen Streitkräfte. Als dieser Eigenbedarf im Sommer 1946 weitgehend gedeckt war, man aber am Bau von Autos Gefallen gefunden hatte, beschloss die britische Werksleitung, um die Produktion weiterlaufen lassen zu können, auch den Deutschen einige Fahrzeuge zukommen zu lassen. Erst drei Jahre später übergaben die Engländer das Werk zurück an die Deutschen.

Den ersten dieser VW Käfer bekam im Juli 1946 die Firma Gottfried Schultz, die den Engländern dadurch bekannt war, dass sie bereits 1945 den Service für die bei der britischen Armee im Einsatz befindlichen VW Käfer übertragen bekommen hatte. 32 Jahre später lief 1978 die Produktion des VW Käfers in Deutschland aus. Der „vorletzte“ in Deutschland gebaute Käfer befindet sich seitdem im Besitz von Gottfried Schultz – der „letzte“ steht selbstverständlich im Wolfsburger Werksmuseum. 75 Jahre nach Zulassung des allerersten Käfers auf einen Privatkunden hat Gottfried Schulz auch diesen „Vorletzten“ auf „D-GS 75H“ zugelassen. Damit wurde sowohl der „erste“ (für einen Privatkunden) als auch der „vorletzte“ in Deutschland produzierte Volkswagen Käfer durch Gottfried Schultz zugelassen. In der Zeit dazwischen hat die Unternehmensgruppe über 400.000 Volkswagen Käfer gehandelt – mehr als jeder andere Volkswagen-Händler weltweit.

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