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VW Financial sucht nach weiteren Heycar-Investoren

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Volkswagens Finanzsparte informierte im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz zu einer ganzen Reihe von Themen: Heycar, Sparkurs, Dieselrestwerte und Elektromobilität – zu allem hatten CEO Holger Santelmann und sein Team Neuigkeiten parat.

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(Foto: VW Financial Services)

Lars Henner Santelmann, Chef von Volkswagens Finanzsparte, sieht im Gebrauchtwagenmarkt weiter großes Potenzial. VW hat sich dort mittlerweile mit der Plattform Heycar auch als Konkurrenz zu Mobile.de und Autoscout 24 positioniert. Bei der Volkswagen-Financial-Jahrespressekonferenz am Montag in Frankfurt betonte Santelmann, dass das Unternehmen nach wie vor mit möglichen weiteren Unternehmen, die sich an Heycar beteiligen könnten, spreche. Im vergangenen Jahr hatten sich der ZDK, einige große Handelsgruppen und Daimler bereits eingekauft.

Darüber hinaus will die VW-Finanzsparte vor allem mit dem Schwenk zu Elektroautos im Konzern noch stärker auftrumpfen. Derzeit rechnet das Unternehmen damit, bei Elektroautos rund 80 Prozent Durchdringungsrate zu erreichen. Bisher hat das Unternehmen rund 60 Prozent der vom VW-Konzern verkauften Fahrzeuge verleast oder finanziert.

„Wir sehen einen wesentlichen Hebel, Elektrofahrzeuge in den Markt zu bringen, bei gewerblichen Kunden“, sagte Santelmann. „Wir haben sehr intensive Diskussionen mit den großen Fuhrparks.“ Vor allem im innerstädtischen Lieferverkehr und bei Handwerksbetrieben mit kleinen Flotten könnten Elektroautos laut Experten künftig der Standard sein. Laut Santelmann können sie helfen, die Betriebskosten über die Nutzungsdauer für die Betriebe zu senken.

Personalchefin Christiane Hesse kündigte unterdessen an, dass auch bei Volkswagens Finanzsparte in den kommenden Jahren Stellen in Deutschland wegfallen werden. Das Potenzial entlang der „demografischen Kurve“ für wegfallende Jobs betrage hierzulande bis 2025 rund 800 von 6.200 Stellen, sagte Hesse. Darin seien Altersteilzeit, Fluktuation und normale Abgänge in den Ruhestand enthalten.

Die VW-Finanzdienstleistungen wollen durch ihren Sparkurs ab 2025 vor allem auch durch Digitalisierung von Vertragsabschlüssen bei Leasing und Versicherung 850 Millionen Euro jährlich gegenüber 2017 einsparen. So sollen die anteiligen Kosten für Verwaltung und Vertrieb jeweils auf ein Prozent der Erträge sinken. In der Verwaltung waren es zuletzt 1,24 Prozent, im Vertrieb 1,27 Prozent. Insgesamt will VW die Kosten auf einen Anteil von 40 Prozent der Erträge drücken – heute sind es noch 49 Prozent.

Keine neuen Belastungen durch sinkende Dieselrestwerte

Im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen, das mit Leasing- und Versicherungsangeboten vor allem den Absatz des Volkswagen-Konzerns unterstützen soll, Geschäfte etwa wie im Vorjahr. „Zwar ist das laufende Geschäftsjahr 2019 von hohen makroökonomischen Unsicherheiten geprägt, nichtsdestotrotz erwarten wir für den Geschäftsbereich Volkswagen Finanzdienstleistungen zum Jahresende ein gutes operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau“, sagte Sparten-Finanzchef Frank Fiedler. Erste Ergebnisse aus dem Effizienzprogramm dürften dabei helfen.

Im vergangenen Jahr hatte die VW-Sparte das operative Ergebnis um 6,2 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro gesteigert. Neue Belastungen wegen sinkender Dieselrestwerte musste die Finanzsparte dabei im vergangenen Jahr nicht verbuchen. 80 Prozent des Gewinns erzielt das Unternehmen mittlerweile mit Geschäften im Ausland.

Der Vertragsbestand kletterte insgesamt um 5,5 Prozent auf 20,3 Millionen Stück. Bis 2025 soll die Anzahl der Verträge auf 30 Millionen anziehen. Im vergangenen Jahr erreichte die VW-Finanzsparte die Marke von knapp 208 Milliarden Euro Bilanzsumme. Zum Vergleich: Deutschlands zweitgrößte private Bank, die Commerzbank, kam Ende des Jahres 2018 auf eine Bilanzsumme von 462 Milliarden Euro.

Brexit verlangt Neuordnung in Großbritannien

In Deutschland – laut Spartenchef Lars Henner Santelmann ein durchaus typischer Markt für das Unternehmen – sind im Neugeschäft rund 60 Prozent gewerbliches Geschäft, 40 Prozent sind Privatkunden.

Rund um den anstehenden Brexit ordnet die VW-Finanzsparte ihre Geschäfte in Großbritannien zum Ende des Monats neu. Das Leasing- und Kreditgeschäft wird dann unter der VW Financial Services AG geführt, bislang gehörte es zur VW Bank. Die VW Bank wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) reguliert, die VWFS dagegen nicht.

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