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VW plant Einstieg in die Medizintechnik

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Während die Autoproduktion von VW mittlerweile in weiten Teilen der Welt stillsteht, fasst der Konzern ein neues Betätigungsfeld ins Auge. Unterdessen weiten auch Daimler und BMW ihre Produktionsstopps aus.

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3D-Drucker im Einsatz bei Volkswagen.
3D-Drucker im Einsatz bei Volkswagen.
(Bild: HP)

Volkswagen will Hersteller von Medizintechnik wie Beatmungsgeräten in der Coronavirus-Krise mit dem Bau und der Zulieferung eigener Teile unterstützen. „Medizinisches Equipment ist natürlich neu für uns“, sagte ein Sprecher am Freitag. „Aber sobald wir die Anforderungen kennen und die entsprechende Blaupause erhalten, können wir starten.“

Es gehe um Komponenten, die sich mit 3D-Druckern aus der Kunststoffteile- oder Prototypenfertigung herstellen ließen. Man habe bereits Anfragen von Behörden, auch zu Verbänden und Vereinen gebe es Kontakt. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.

In den deutschen VW-Werken steht die Produktion derzeit wegen hoher Ansteckungsrisiken, abgebrochener Lieferketten sowie der in Europa und China stark eingebrochenen Autonachfrage vorübergehend still. Für die Fertigung von Medizintechnik-Teilen kämen jedoch auch Standorte des Autokonzerns außerhalb der Bundesrepublik infrage, hieß es: „Wir haben eine internationale Taskforce, die sich bereits mit Hochdruck um dieses Thema kümmert.“

Beschaffungswege würden geprüft, es gebe bereits erste Versuchsteile. Die VW-Gruppe verfüge über mehr als 125 industrielle 3D-Drucker. Sie stellt – ebenso wie andere Firmen – Kliniken, Arztpraxen und Behörden auch Atemschutzmasken aus eigenen Beständen zur Verfügung.

VW fährt Produktion in weiteren Ländern herunter

Unterdessen verkündete Volkswagen, seine Produktion nun auch in Argentinien, Brasilien und Mexiko wegen der Corona-Pandemie vorübergehend einzustellen. An den beiden argentinischen Standorten in General Pacheco nahe Buenos Aires und in Córdoba werde bis zum 31. März nicht mehr gearbeitet, teilte das Unternehmen mit. In Brasilien wird Volkswagen alle Aktivitäten in seinen Fabriken von Montag an für drei Wochen einstellen. Der deutsche Automobilkonzern produziert in dem größten lateinamerikanischen Land in Sao Bernardo do Campo und Taubaté im Bundesstaat Sao Paulo und in Sao José dos Pinhais bei Curitiba.

In den beiden Werken in Mexiko – in Puebla und Guanajuato – gelte die Maßnahme vom 30. März bis zum 12. April, hieß es am Abend (Ortszeit). Einige Verwaltungsangestellte sollen von zu Hause aus arbeiten. Volkswagen Mexiko nannte drei Faktoren, die in Betracht gezogen worden seien: die Gesundheit der Mitarbeiter und der Anwohner, ein Rückgang in der Nachfrage und das Risiko einer Knappheit der Teile. Zuvor hatten sich 40 VW-Mitarbeiter und ihre Familien isolieren müssen, nachdem ein Zulieferer aus Deutschland die beiden mexikanischen Werke besucht hatte und dann positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden war.

In Argentinien reagierte VW mit dem Produktionsstopp auf die weitgehende Ausgangssperre, die die argentinische Regierung in der Nacht auf Freitag verhängt hatte. Demnach dürfen die Menschen ihre Häuser und Wohnungen bis Monatsende nicht mehr verlassen. Erlaubt sind lediglich Besorgungen in nahe gelegenen Lebensmittelgeschäften und Apotheken. Ausgenommen von der Ausgangssperre sind nur wenige Berufsgruppen wie Ärzte, Polizisten und Mitarbeiter in der Lebensmittel-, Pharma- und Petroindustrie.

Das VW-Werk in Puebla, gut 100 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, ist eines der größten des Konzerns weltweit. Im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 440.000 Fahrzeuge der Modelle Tiguan, Jetta und Golf hergestellt. In der Fabrik in Guanajuato wurden gut 330.000 Motoren gefertigt. Der Konzern beschäftigt in Mexiko rund 13.000 Mitarbeiter.

In General Pacheco fertigt Volkswagen den Pick-up Amarok. Im vergangenen Jahr liefen mehr als 42.000 Fahrzeuge vom Band. In der Fabrik in Córdoba produzierte VW 2019 mehr als 670.000 Getriebe größtenteils für den Export. An den beiden argentinischen Standorten beschäftigt der Konzern insgesamt rund 5.000 Mitarbeiter.

Weitere Stopps auch bei Daimler und BMW

Mit Daimler kündigte ein anderer deutscher Autokonzern an, nun auch den US-Betrieb weitgehend einzustellen. Im Mercedes-Benz-Werk in Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama werde die Produktion für zunächst zwei Wochen gestoppt, teilte das Unternehmen mit. Auch bei der Tochter Vans in Charleston, South Carolina, stehen die Bänder vorübergehend still.

In den administrativen Abteilungen solle der Betrieb bis auf Weiteres auf das Nötigste beschränkt werden. Mit den Maßnahmen folge das Unternehmen den Empfehlungen der nationalen, internationalen und örtlichen Behörden. Die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten habe oberste Priorität, so die Mitteilung. Das Management beobachte die Lage genau und werde wenn nötig weitere Maßnahmen ergreifen.

Ähnlich reagiert Premium-Konkurrent BMW. Die Münchner fahren nun auch die Produktion in ihrem großen US-Werk in South Carolina herunter. „Gesundheit und Schutz unserer Beschäftigten ist unsere oberste Priorität“, erklärte das Unternehmen. Zugleich habe die Corona-Pandemie immense Auswirkungen auf die weltweite Autonachfrage. Die Produktion werde deshalb entsprechend angepasst. Die US-Fabrik am Standort Spartanburg in South Carolina soll ab 3. April zunächst für voraussichtlich zwei Wochen schließen.

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