Unternehmer berichten Wie sich Kfz-Betriebe im Corona-Lockdown schlagen

Autor: Andreas Wehner

Geschlossene Schauräume, weniger Kunden in den Werkstätten: Der Lockdown ist eine große Herausforderung für den Handel. Auf der Live-Podcast-Plattform Clubhouse diskutierte »kfz-betrieb« mit Experten aus der Autobranche über den Umgang mit der Situation.

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(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Eine gute Kundenbetreuung und eine große Vertrauensbasis sind die Eckpfeiler für Autohäuser, um gut durch den aktuellen Lockdown zu kommen. Das war die Quintessenz einer Talk-Runde von »kfz-betrieb« auf der neuen Social-Media-Plattform Clubhouse. Sinkende Neuwagenverkäufe, längere Gebrauchtwagenstandzeiten und Service-Kunden, die nur das Nötigste machen lassen, sind die wesentlichen Herausforderungen, denen Kfz-Betriebe sich stellen müssen.

„Wer seine Kunden in der Vergangenheit gut betreut hat und ihr Vertrauen besitzt, der kommt auch im Lockdown besser an sie heran“, sagte Tammo Kayser, Geschäftsführer der Freese-Gruppe in Oldenburg (BMW, Mini). Das Unternehmen hat sich das Thema Kundenzufriedenheit zum Steckenpferd gemacht und beispielsweise eine eigene Kundenbindungsplattform entwickelt, setzt aber auch auf ausgiebige Mitarbeiterschulungen. „Diese Investition zahlt sich gerade jetzt aus“, erläuterte Kayser. Wesentlich sei es dabei, als Führungskraft voranzugehen. „Wir müssen Veränderungen vorleben und zeigen, dass wir jede Chance nutzen wollen“, betonte der Geschäftsführer.

Dass dabei auch digitale Aktivitäten eine große Rolle spielen, bestätigte Richard Stadler, Geschäftsführer der Würzburger Autohausgruppe Spindler (VW, Audi, Seat, Skoda). Das Unternehmen setzt auf ein starkes Social-Media-Engagement. „All das zahlt auf das Thema Vertrauen ein. Die Leute wissen: bei uns gibt es Qualität“, sagte Stadler.

Nun gelte es, die Kunden auch mit den digitalen Kommunikationsmöglichkeiten zu erreichen. „Gerade jetzt fordern die Kunden, Dinge stärker online zu tun. Das bringt uns natürlich auch da ein Stück weit in die Spur, wo wir bislang noch etwas zurückhaltend waren“, erläuterte der Geschäftsführer.

„Man muss sich eben etwas einfallen lassen“

Oliver Bohn, Geschäftsführer des Jesteburger Audi- und VW-Händlers Kuhn + Witte, hält vor allem eine langfristige Strategie für wichtig. „Man sollte sein Geschäft regelmäßig von außen betrachten und überlegen, was man tun kann, um enger am Kunden zu sein. Das gilt in der Krise umso mehr“, sagte der Geschäftsführer. Keinesfalls dürfe man den Kopf in den Sand stecken. „Es gibt immer Möglichkeiten. Man muss sich eben etwas einfallen lassen.“ Bohn hält es für wichtig, auch mal über den Tellerrand zu schauen und sich Beispiele in anderen Branchen zu suchen. Wichtig sei es aber auch, aktiv zu werden. „Wo man den Kunden früher angeschrieben hat, muss man eben jetzt den Telefonhörer in die Hand nehmen“, erläuterte der Autohändler. Dass es in der Branche manchmal etwas länger dauert, bis man sich auf veränderte Gegebenheiten einstellt, findet Bohn nur menschlich. „Die meisten Menschen sind nur aus zwei Gründen bereit, sich zu verändern: Aus Liebe oder aus Schmerz“, sagte der Unternehmer.

Dass Autohäuser jedoch nicht alles selbst in der Hand haben, zeigt das Beispiel der Zulassungsstellen. Die waren im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 vielerorts geschlossen. „Im Großen und Ganzen haben sie aber gelernt und sich zum Jahresende auf die Situation eingestellt. Das von einigen befürchtete große Chaos ist ausgeblieben“, beschrieb Philipp Kroschke, Geschäftsführer der Christoph Kroschke GmbH, die Situation. Allerdings wäre es gerade in der Corona-Krise hilfreich, wenn man bei der digitalen Zulassung bereits einen Schritt weiter wäre. „Bei diesem Thema sind wir leider noch nicht flächendeckend auf einem Stand, der wünschenswert wäre“, sagte Kroschke.

Hinweis: Aktuell laufen bei uns die Planungen für weitere Clubhouse-Runden. Wenn Ihnen ein Thema unter den Nägeln brennt, über das wir diskutieren sollten, wenden Sie sich gerne an unseren Redakteur Christoph Seyerlein. Sie erreichen ihn unter der Telefonnummer 0931/418-2749, per Mail christoph.seyerlein@vogel.de oder auch bei Linkedin.
Übrigens: Auch unsere etablierten Events werden 2021 wieder eine wichtige Rolle spielen. Wichtige Impulse für die eigene Vertriebsstrategie werden die Autovertriebstage am 5. Mai liefern. Die Veranstaltung ist als Hybrid-Event angesetzt. Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

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Andreas Wehner

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«