ZDK befürchtet durch Online-Preisbewertung faktische Preiserhöhung für Händler

Autor Jakob Schreiner

Die Preisbewertungsfunktion großer Online-Gebrauchtwagenportale zeigt den Endkunden, wie Fahrzeuge im Verhältnis zum Gesamtmarkt eingepreist sind. Das sorgt im Handel zunehmend für Unmut, da der Verdacht besteht, ein besseres Ranking nur mit der Buchung teurerer Leistungspakete erzielen zu können.

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Der ZDK beklagt die Transparenz bei der Online-Preisbewertung. Es sei zu undurchsichtig, wie die einzelnen Parameter bei der Bewertung gewichtet werden.
Der ZDK beklagt die Transparenz bei der Online-Preisbewertung. Es sei zu undurchsichtig, wie die einzelnen Parameter bei der Bewertung gewichtet werden.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Händler vermuten, sie könnten die Preisbewertungen der Online-Gebrauchtwagenbörsen zu ihren Gunsten beeinflussen, wenn sie sich über ihre Preisgestaltung von den Plattformen beraten lassen. Dazu müssten sie allerdings teurere Leistungspakete der Börsen buchen. „So eine Vorgehensweise wirkt sich faktisch wie eine Preiserhöhung für die Händler aus“, teilte die ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann auf Nachfrage von »kfz-betrieb« in einer Stellungnahme mit. In der Händlerschaft macht sich seit einiger Zeit der Verdacht breit, dass mit höherpreisigen Leistungen die Preisbewertungen positiver ausfallen. „Der Eindruck der Händler scheint wohl zutreffend zu sein“, sagt nun Woltermann.

Zwar gibt es keinen direkt buchbaren Vorteil, der die Preisbewertung beeinflusst, aber Händler können sich bei der Buchung des teureren Pakets dahingehend beraten lassen, wie sie die Preisbewertung ihrer angebotenen Fahrzeuge optimieren. „Händler, die das konsequent umsetzen, landen dann im Ranking ganz oben“, sagte Woltermann. Dabei sehen sich die Händler aufgrund des Wettbewerbs „genötigt, die teureren Pakete zu buchen“, was zu Unzufriedenheit im Handel führe.

Erschwert werde der Sachverhalt durch die große Marktmacht der Plattformen. Kaum ein Händler könne es sich erlauben, seine Fahrzeuge nicht in mindestens einer der Börsen anzubieten.

Mehr Transparenz – nur nicht für den Händler

Grundsätzlich hat Antje Woltermann Verständnis, dass Kunden Interesse an derartigen Vergleichsinstrumenten haben. Der Transparenz-Zuwachs darf sich aber nicht allein für den Kunden ergeben, sondern auch für den Händler selbst. „Das gilt insbesondere, wenn nicht klar ist, wie die Preisbewertung zustande kommt“, sagt Woltermann. In diesem Punkt sieht sie durchaus noch Diskussionsbedarf, der ZDK wolle mit allen Onlinebörsen im Gespräch bleiben. Entscheidend für das Zustandekommen der Preisbewertung sei, wie die herangezogenen Parameter gewichtet werden. „Letztlich sind Bewertungen immer subjektiv“, resümiert Woltermann.

Dieser Ansicht widerspricht Mobile.de in einem Statement, das »kfz-betrieb« vorliegt. Den komplexen Algorithmus zur Bewertung könne der Händler mit mehr als 70 Attributen füttern, die das Fahrzeug näher beschreiben. Dieses Verfahren soll eine „objektive Einordnung gewährleisten“. Dazu müssten aber „tatsächlich alle passenden Attribute angekreuzt werden“. Darauf weise Mobile.de seine Händler unter anderem mit Dialogmailings regelmäßig hin. Grundsätzlich sei kein Händler von den Preisbewertungen ausgeschlossen, da alle Fahrzeuge mit einem Preislabel versehen werden. Lediglich Fahrzeuge, die zu selten sind oder bestimmte Kriterien nicht erfüllen, fallen laut der Börse aus dem Raster. Dazu zählen beispielsweise Oldtimer.

Laut dem Mobile.de-Schreiben soll die Preistransparenz dafür sorgen, möglichst kaufbereite Kunden auf den Hof des Händlers zu senden. Keinesfalls wolle man den Handel ärgern und sei als neutrale Plattform vielmehr bestrebt, „Initiativen, die auf Transparenz abzielen, nicht mit Paketen zu verknüpfen“.

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