2013: „Der Golf 7 muss einschlagen“

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Planung 2013: E-Autos spielen keine Rolle

Die Zielvereinbarungsgespräche 2013 mit seinen Herstellern kritisiert Quary deutlich: „Nicht alle Hersteller haben einen Sinn für realistische Markteinschätzungen. Demzufolge sind die Ziele, runtergebrochen auf den einzelnen Händler, unrealistisch hoch und tragen nicht zur Stabilisierung des Handels in diesem schwierigen Marktumfeld bei. Insofern sind Renditeaussagen für den Handel mittlerweile leere Lippenbekenntnisse ohne jegliche Nachhaltigkeit.“

Stichwort Nachhaltigkeit: Carlo Jesse von Auto-Jesse in Ibbenbüren bietet 2013 unter dem Label „Jesse Green“ Elektrofahrzeuge an. Für die meisten seiner Händlerkollegen spielen Elektrofahrzeuge in den Planungen für 2013 hingegen kaum eine Rolle (siehe auch Kastentext). Jesse sieht für sein Unternehmen Wachstumschancen vor allem durch solche neuen Geschäftsfelder und durch erweiterte Angebotsstrukturen. Nur auf das klassische Vertriebs- und Servicegeschäft zu bauen, bedeute für ihn ein Rückschritt.

Für Citroën-Händler Nico Petelka vom Autohaus Zentral in Saalfeld hingegen spielen E-Autos derzeit keine Rolle: „In unserer Region ist die Nachfrage sehr gering, da der Anschaffungspreis zu hoch ist.“ Der Geschäftsführer verzeichnete 2012 selbst bei den Neuwagen mit Verbrennungsmotor einen Verkaufsrückgang gegenüber dem guten Vorjahr von rund 24 Prozent (Pkw und Transporter). Und trotz des Absatzrückgangs sind die Neuwagenrabatte unverändert hoch geblieben. Die Erträge pro verkauftes Fahrzeug sind dieselben wie im Vorjahr, aber natürlich war durch den massiven Absatzrückgang zum Jahresende 2012 deutlich weniger Geld in der Neuwagenkasse.

Bei den Gebrauchten lief es nicht viel besser für den Vertriebs-Award-Gewinner-2012: „Umsatz und Ertrag gingen im vierten Quartal zurück. Der Gesamtabsatz 2012 lag 18 Prozent unter dem Vorjahr.“ Da fallen die die sechs Prozent weniger Servicegeschäft schon fast nicht mehr ins Gewicht. Jedoch die 20 Prozent weniger verkauften Nutzfahrzeuge. „Das Vertrauen der Kunden in die Politik wackelt. Viele Kaufentscheidungen wurden in das erste oder zweite Quartal 2013 geschoben, obwohl die Verkaufspreise 2012 super waren“, sagt Petelka.

Vor diesem Hintergrund sind die Einschätzungen des Citroën-Händlers für das neue Jahr sehr gut nachvollziehbar: „Ich gehe davon aus, dass 2013 ein sehr schweres Jahr wird, vor allem wenn das Autogeschäft deutlich realistischer und damit ohne Tageszulassungen betrieben wird.“

Hersteller stocken Prämien weiter auf

Realistisch bilanziert Stefan Zschernitz vom Autohaus Zschernitz (Opel, Chevrolet, Renault, Dacia, Ford) in Karlsruhe das vergangene Jahr: „Wie zu vermuten war, hielt der negative Trend im Geschäftsbereich Neuwagen aus dem dritten Quartal an. Im vierten Quartal lagen wir sechs Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Kumuliert ist der Auftragseingang 2012 leicht um fünf Prozent gestiegen.“

Auch in seinen Autohäusern haben die Rabatte stark zugenommen. „Durch den schleppenden Auftragseingang haben die Hersteller hohe Prämien ausgelobt, um das Geschäft anzukurbeln. Auf die Bruttoerträge hatte dies jedoch nicht so starke Auswirkung. Sie sind weitgehend konstant geblieben“, sagt der Mehrmarkenhändler.

Das Gebrauchtwagengeschäft habe in den letzten drei Monaten des Jahres 2012 noch stärker gelitten. „Hier haben wir einen Rückgang von fast 25 Prozent zu verzeichnen. Für das Gesamtjahr bedeutet das 18 Prozent weniger Gebrauchtwagenverkäufe. Damit haben sich auch die Erträge verschlechtert“, bilanziert Zschernitz.

Auch die Pkw-Werkstätten verzeichneten 2012 sieben Prozent weniger Serviceumsatz. Dagegen verlief das Werkstattgeschäft bei den Nutzfahrzeugen relativ konstant. Jedoch war der Nfz-Verkauf 2012 mit knapp 20 Prozent rückläufig. Dennoch prognostiziert Zschernitz für 2013 für seine Autohausgruppe eine leichte Belebung im Nutzfahrzeuggeschäft.

Anders der Pkw-Sektor: Hier wird das Geschäft laut dem Autohaus-Geschäftsführer weiter zurückgehen und schwierig bleiben. „Ich gehe von einem Gesamtmarkt von maximal drei Millionen Neuzulassungen aus. Vermutlich halten der Preiskampf und das Rabattverhalten an. Ich befürchte, dass einige Händler dies nicht überleben werden. Den Service schätze ich ebenfalls rückläufig ein, aber nur minimal.“

Zschernitz bringt seine Einschätzung für 2013 wie folgt auf den Punkt: „Ich sehe einen sehr komplexen Markt, der auf einzelne Einflüsse sensibel reagiert. Die Kunden werden wahrscheinlich noch preissensibler, und die Hersteller werden weiter ihre Prämien aufstocken, um keine Marktanteile zu verlieren. Die Ertragssituation wird sich bei einem rückläufigen Markt sehr bald verschlechtern. Wenn die Hersteller, bedingt durch die neuen Händlerverträge, auch noch Auflagen machen, die mit Investitionen verbunden sind, wird das mit Sicherheit nicht zu einer Renditesteigerung führen, und vermutlich wird es mehr Insolvenzen geben.“

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