90 Jahre Ford in Deutschland

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Ein Hauch von Oberklasse

Mehr als eine halbe Million Autos jährlich und über 18 Prozent Marktanteil gab es für Ford 1965 zu feiern. Endlich konnten die Kölner nun Opel in allen Klassen richtig unter Druck setzen. Dazu beigetragen hatte sogar ein aufgezwungener 12 M, der ursprünglich einmal als Ford Cardinal in den Vereinigten Staaten hatte verkauft werden sollen. Mit der avantgardistischen Linie der Vernunft beim Ford Taunus 17 M (P3) „Badewanne“ schrieb die Kölner Division des US-Konzerns ab 1960 europäische Designgeschichte, mit den 1964 eingeführten Nachfolgern Taunus 17 M/20 M (P5) gab es dagegen wieder mehr Größe und amerikanischen Glamour in der Mittelklasse. Ganz nach dem Wirtschaftswunder-Motto des nun amtierenden Bundeskanzlers Ludwig Erhard: „Wohlstand für alle“.

Erstmals vermittelten jetzt V6-Motoren im 20 M einen Hauch Oberklasse, während Sportcoupés wie der Ford Osi im italienischen Designerdress an Maranello und Modena denken ließen. Auf der IAA 1965 konnte gefeiert werden: Fords Volkshelden waren die Nummer eins in der Mittelkasse-Zulassungsstatistik.

90 Jahre Ford in Deutschland
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1968 dann der nächste Schritt: In Köln wird ein europäisches Ford-Zentrum für Forschung, Design und Entwicklung gebaut, die europäischen Modelle werden vereinheitlicht. Erste Ergebnisse dieser Modellpolitik sind der kleine Ford Escort, der 1970 aus neuem Werk im Saarland zum Herausforderer des Opel Kadett wurde, der Capri als aufregendes Sportcoupé für Familienväter und Rallyechampions (ab 1969) und der große Granada, der den Sechszylinder-Kombi endgültig gesellschaftsfähig machte (ab 1972).

Hinzu kommen der Fiesta als 1976 weltweit modernster Kleinwagen, der stromlinienförmige Sierra (ab 1982) und der avantgardistische Granada-Nachfolger namens Scorpio (ab 1985). Nicht zu vergessen eine erfolgreiche Nutzfahrzeugreihe, die seit 1965 als Transit in ganz Europa Anspruch auf die Verkaufsführerschaft bei den Transportern erhebt.

Vorbilder für neue Design- und Fahrzeugkonzepte liefert Ford bis heute, wie zuletzt der S-Max zeigte, dessen Crossover-Konzept von Konkurrenten wie etwa dem jüngsten Renault Espace übernommen wird.

Das amerikanische blaue Ford-Logo dürfen die deutschen Ford übrigens erst wieder seit 1976 tragen, vorher zierten Symbole wie der Dom und das Kölner Stadtwappen die Markenschilder. Was die meisten Deutschen nicht davon abhielt, das amerikanische Unternehmen stets als einheimischen Hersteller zu betrachten. Ein Autobauer, der im Laufe der Jahrzehnte Höhen und Tiefen erlebte, ebenso wie fast alle Wettbewerber, sich aber passend zum 90. Jubiläum auf einem anhaltenden Steigflug befindet. Ganz im Sinne von Unternehmensgründer Henry Ford I: „The German people will make a good job of it”, prophezeite der Automobil-Pionier 1930 zur Grundsteinlegung des Kölner Werks.

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