August Horch Museum Als Zwickau Wolfsburg überholte

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Modernes Fließheck, langer Radstand, kurze Überhänge und dann auch noch ein Wankel unter der Motorhaube: Der Versuchsträger Trabant P 602 V war moderner als die meisten Autos aus dem Westen. Nach dreijähriger Restaurierung kann man den Einzigen seiner Art nun sprichwörtlich durch die Haube schauen.

Nummer 1 von 1: Der Trabant P 602 V blieb ein Unikat, leider. Technisch war er 1966 vielen westlichen Wagen voraus.(Bild:  August Horch Museum)
Nummer 1 von 1: Der Trabant P 602 V blieb ein Unikat, leider. Technisch war er 1966 vielen westlichen Wagen voraus.
(Bild: August Horch Museum)

Bequem Platz für zwei Erwachsene – auch hinten. Ein richtiger Kofferraum – mit großer Klappe. Eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h – in der Ebene. Obendrein noch Wasserkühlung – und damit eine funktionierende Heizung. Vieles, wovon westdeutsche Käferkäufer nur träumen konnten, hatte er, der Trabant P 602 V. Doch selbst Wartezeiten von „nur“ rund fünf Jahren, Mitte der Sechziger, halfen nichts: Kein Bürger der Deutschen Demokratischen Republik kam je in den Genuss, einen solch modernen Trabant zu fahren, geschweige denn zu besitzen.

Wirklich keiner? Zugegeben: fast keiner. Der eine oder andere Testfahrer bei Sachsenring in Zwickau durfte sich seinerzeit hinters spindeldürre Plastelenkrad klemmen – das war’s dann aber och. Leider ging der gestreckte Trabi mit großer Klappe und dem Motorprinzip aus westdeutscher Lizenz nie in Serie. Nicht einmal in Klein(st)serie. Es blieb bei sage und schreibe einem einzigen Exemplar. Und genau dieses können Besucher des August Horch Museum ab dem 1. Oktober im Rahmen der Sonderausstellung „2 Konzepte – 1 Jubiläum – 60 Jahre Trabant mit Wankelmotor“ bestaunen. Nach einer dreijährigen Restaurierungsphase ist das einstige Funktionsmuster des VEB Sachsenring wieder auferstanden aus einer Ruine.

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1969: das Aus für den Wankel

Entstanden ist das Fahrzeug einst im Rahmen von Entwicklungsarbeiten, bei denen zwei zentrale Fragen im Mittelpunkt standen: die Modernisierung der Trabantkarosserie und die Erprobung verschiedener Kreiskolbenmotoren, landläufig nach seinem Erfinder Wankelmotoren genannt. Im Oktober 1966 ließen die DDR-Behörden den P 602 V mit seinem Wankelmotor des Typs KKM 400 zu Erprobungszwecken für den Straßenverkehr zu. Wann der KKM-Trabant ausgemustert wurde und welche Wege er anschließend ging, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Fakt ist, dass die DDR die Entwicklung und Erprobung der Kreiskolbentechnik 1969 sang- und klanglos beendete, nachdem sich abzeichnete, dass erstens die Technik auch Nachteile hat – allen voran in Sachen Kraftstoffverbrauch – und zweitens die DDR-Wirtschaft nicht in der Lage war, benötigte Motorkomponenten – allen voran die „Dichtleisten“ – in ausreichender Qualität und zu vertretbaren Kosten zu fertigen. Somit ging auch der Sechs-Null-Zwo wohl im besagten Jahr den typischen Weg eines solchen Konsumguts in der DDR: statt in die Presse auf die Straße. Er war bei der allgemeinen Mangellage schlicht zu wertvoll gequadert zu werden.

1995: war schon vor dem Museum da

Allerdings rüstete man den Wagen antriebstechnisch auf die bekannte Zweitakt-Hubkolbentechnik zurück. Derart schenkten ihm die Verantwortlichen ein zweites Leben in Freiheit – außerhalb des Werkes und irgendwelcher Testprozedere. Über die Jahre macht der Ostdeutsche Volkswagen das, was auch der westdeutsche machte: Er lief und lief und lief und … Irgendwann nach der Wende erteilte ihn das Schicksal der meisten seiner Artgenossen, sprich, man musterte ihn aus. An seine Stelle trat ein moderner Westwagen.

Doch immerhin wusste man um seine Seltenheit und schmiss ihn nicht einfach in irgendeinen Straßengraben oder Schrottplatz. 1995 dann, als es mit dem Förderverein Automobilmuseum August Horch Zwickau e.V. (gegründet am 27. Januar 1992) bereits eine Vorform des heutigen August-Horch-Museums gab, übergab ihn seine damalige Besitzerin, die die 5. Oder 6. Halterin des Unikats war, als Dauerleihgabe genau dieser Einrichtung. Doch auch hier, nach einem langen und harten Leben im Sozialismus, wurde der 602 nicht besser, im Gegenteil. Und so entschloss sich das Museum das Fahrzeug erstens zu restaurieren und ihm zweitens wieder sein originales Herz zu spendieren.

2027: die Sonderausstellung „60 Jahre Trabant mit Wankelmotor“

„Im Rahmen der Restaurierung haben wir das Fahrzeug in einen Zustand versetzt, der seine historische Besonderheit wieder nachvollziehbar macht. Verschiedene Teile des Fahrzeugs stammen aus dem Bestand des August Horch Museums, darunter der Wankelmotor KKM 400, die Sitze, Fahrschemel und diverse Kleinteile, wie etwa das Lenkrad und die Türgriffe“, erläutert André Meyer, wissenschaftlicher Leiter, des Museums.

Wer sich selbst ein Bild von dem seltensten und zugleich technisch beeindruckendsten Trabant machen möchte, der hat dazu bis zum 27. Juni 2027 Gelegenheit. Denn bis dahin läuft die besagte Sonderausstellung „2 Konzepte – 1 Jubiläum – 60 Jahre Trabant mit Wankelmotor“ im August Horch Museum. Übrigens: Nicht nur der Trabant 602 V lohnt einen Besuch des Museums, das den Namen eines der größten Automobilkonstrukteure dieses Landes trägt.

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