Analyse: Oldtimerzuwachs umfasst alle Altersklassen

Kritik an H-Kennzeichen für Oldtimer-Neulinge ist unberechtigt

| Autor: Steffen Dominsky

Alter Gebrauchter oder junger Oldtimer? Die Grenzen sind fließend.
Alter Gebrauchter oder junger Oldtimer? Die Grenzen sind fließend. (Bild: Mazda)

Vor einiger Zeit veröffentlichte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) seine Statistik zu den aktuellen Zulassungszahlen. Für den Bundesverband Oldtimer-Youngtimer e. V., kurz Deuvet, naturgemäß besonders interessant: das Segment „Kraftfahrzeuge mit H-Kennzeichen“. Das ist auch dieses Mal gegenüber dem Vorjahr gewachsen, kräftig sogar. Während der Gesamtfahrzeugbestand um etwa eine Million Exemplare wuchs, was einem Plus von 1,3 Prozent entspricht, legte die Zahl der Oldies um rund 58.000 Fahrzeuge zu. Prozentual wuchs die Zahl der Vehikel mit H-Zulassung damit um stattliche 10,9 Prozent.

Die aktuellen Zulassungszahlen für Pkws älter als 30 Jahre mit H-Kennzeichen.
Die aktuellen Zulassungszahlen für Pkws älter als 30 Jahre mit H-Kennzeichen. (Bild: Deuvet)

Prompt wurden die Stimmen derer laut, die vor allem eines erkannt haben wollten: Der hohe zweistellige Zuwachs an Fahrzeugen mit H-Kennzeichen sei auf die große Menge junger Klassiker vom Schlage VW Golf II, Mercedes-Benz W 201 oder Opel Calibra zurückzuführen. Mit anderen Worten: Die immer wieder aufkeimende Diskussion über das H-Kennzeichen-Einstiegsalter von 30 Jahren erhielt neue Nahrung. Einerseits gelten diese Fahrzeuge in den Augen einiger Oldtimerfans nicht als echte Oldtimer, sind dem H-Kennzeichen also nicht würdig. Andererseits werfen die Skeptiker den Haltern solcher Modelle gerne vor, kein Interesse an der Oldtimerei zu haben. Sie würden ihre „alten Gurken“ mithilfe des H-Kennzeichens nur vor Verboten, in Unweltzonen einzufahren, retten wollen.

Mehr junge und deutlich mehr alte Modelle

Doch schaut man sich die KBA-Statistik – sprich: die Altersgruppenverteilung der H-Kennzeichen-Träger – einmal genauer an, kommt man unweigerlich zu dem Ergebnis, dass der jeweilige Zuwachs sehr unterschiedlich ausfällt. Natürlich kann man davon ausgehen, dass in der Gruppe der 30 bis 34 Jahre alten Pkws mit 14,9 Prozent die Steigerung höher ausfällt als im Schnitt. Der Einstieg ins Hobby wird umso schwieriger, je älter das Objekt der Begierde ist. Logisch, dass der Zuwachs bei den 35 bis 39 Jahre alten Autos mit 5,2 Prozent deutlich niedriger ausfällt. Bei den 40 bis 44 Jahre alten Fahrzeugen allerdings nahm der Anteil um 15,1 Prozent sogar stärker zu als der sämtlicher Neu-H-Fahrzeuge. Und die Zahl der ganz Alten (60 Jahre und älter) kletterte sogar um 21 Prozent untypisch steil nach oben.

Hauptgrund für diese Entwicklung sei die verbesserte Restaurierungs- und Ersatzteilsituation, erklärt der Deuvet. So kauften sich früher Oldtimer-Liebhaber gerne mal ein Auto in nicht komplettem und meist schlechtem Zustand, um es dann im Zuge langjähriger Arbeit und aufwendiger Ersatzteilsuche irgendwann einmal fahrfertig zu bekommen – das Mitleid oder Unverständnis von Angehörigen oder Arbeitskollegen war ihnen dabei sicher. Ergo wurden zahlreiche Restaurierungen nie zu Ende gebracht oder auch gar nicht erst begonnen. Heute hingegen werden selbst scheinbar aussichtslose Projekte in sehr viel kürzerer Zeit verwirklicht. Die zahlreichen spezialisierten Werkstattbetriebe, der weltweite Austausch von Informationen via Internet, aktive Markenclubs und neue Möglichkeiten in der Ersatzteil-Nachfertigung (Stichwort: 3-D-Druck) machen es möglich. Auch die Fahrzeughersteller haben in den meisten Fällen erkannt, wie wichtig die eigene Geschichte für die Bindung von Neuwagenkunden ist. Folglich haben sie ihr Angebot im Klassikbereich stark ausgebaut.

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