Andere Länder, andere Schlitten: Iran

Autor: Jakob Schreiner

Auf dem iranischen Automarkt gibt es vor allem eines: Lizenzbauten. Die automobilen Rentner stammen meist aus der Zeit vor der Jahrtausendwende und führen trotzdem die Zulassungsstatistik an. Dabei schlummert im 80-Millionen-Einwohner-Land großes Potenzial.

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Der Zamyad Z24 ist eigentlich ein Nissan Junior 141 und 2017 bislang der beliebteste Pick-up des Landes.
Der Zamyad Z24 ist eigentlich ein Nissan Junior 141 und 2017 bislang der beliebteste Pick-up des Landes.
(Bild: Saipa)

Der iranische Automarkt hat weltweit eines der größten Wachstumspotenziale. Ferdinand Dudenhöffer schätzt das Volumen der Neuzulassungen bis 2020 auf rund 1,6 Millionen Fahrzeuge – der VDA kann sich langfristig sogar rund drei Millionen Neuwagen jährlich vorstellen. Zuletzt lag das Volumen nur bei rund 1,1 Millionen Einheiten. Das kommt nicht von ungefähr, denn es gibt einiges nachzuholen.

Aufgrund der internationalen Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms verließen einige Autobauer das Land und die Markenvielfalt schrumpfte. Die Folge: Die nationale Automobilindustrie war vor allem auf sich gestellt und produziert im Land Fahrzeuge in Lizenz, die bei uns schon längst in Rente gegangen sind. Mehr oder weniger abgeschnitten von der restlichen Welt, gab es während dieser Zeit kaum Importe. Auch heute noch, nach dem die härtesten Strafmaßnahmen 2015 gelockert wurden und sich einige westliche Hersteller wieder auf dem Markt präsentieren, prägen diese automobilen Senioren die Zulassungsstatistiken des Landes. Wie diese im September 2017 aussahen, kann man auf www.bestsellingcarsblog.com erfahren. Der Blog veröffentlicht monatlich Zulassungsstatistiken von den Automärkten dieser Welt.

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Erfolgreichstes Modell im September ist der Saipa Pride, eigentlich ein Kia Pride von 1986, mit 14.817 Zulassungen. Dahinter reiht sich der Peugeot 206 von 1998 (11.798 Fahrzeuge) und der Saipa Tiba (11.373 Fahrzeuge) ein. Platz vier und fünf geht an den Peugeot 405. Einmal an das Modell aus den Neunzigern und einmal an den gelifteten 405 mit dem Namen Pars. Renault konnte mit dem Tondar 90 (Logan) und dem Sandero zwei Dacia-Modelle in den Top Ten platzieren. Eine echte iranische Eigenproduktion in der Bestenliste ist der Dena von Iran Khodro auf Platz acht. Mit dem Fengshen S 30 von Dongfeng und dem Tiggo 3X von Chery belegen zwei Chinesen Rang neun und zehn.

Mit einem Anteil von knapp fünf Prozent an den Neuzulassungen sind Pick-ups in der islamischen Republik zwar nicht überrepräsentiert, der Blick in die Top Ten der beliebtesten Pick-ups des Landes offenbart aber weitere angestaubte Modelle. Im September gehörten 5.959 der Neuzulassungen zu dieser Fahrzeugkategorie. Damit sind es 2017 insgesamt 51.900. Insgesamt produzierte die iranische Automobilindustrie im September inklusive der Pick-ups 96.718 Fahrzeuge. Das sind vier Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Damit wächst die Zahl der bisherigen Jahresproduktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf über eine Millionen Fahrzeuge an.

Die beliebtesten Pick-ups im Iran
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In diesem Zeitraum (Januar bis September 2017) erfolgreichste Marke ist Peugeot. Produziert werden die Fahrzeuge von Irans größtem Automobilhersteller Iran Khodro (IKCO). Rund 31,3 Prozent Anteil (325.722 Fahrzeuge) entfielen auf die französische Marke, bei der vor allem die Lizenzbauten von 206 und 405 punkten konnten. Auf Platz zwei rangiert der heimische Hersteller Saipa mit einem Marktanteil von 28,9 Prozent (307.627 Fahrzeuge). Der iranische Produzent vertreibt ebenfalls hauptsächlich Lizenzbauten von Renault, Citroën, Nissan und Kia. Auf Rang drei platziert sich mit 10,4 Prozent (110.310 Fahrzeuge) wieder IKCO – diesmal aber mit eigenen Fahrzeugen, dicht verfolgt von Renault mit 10,3 Prozent (109.646 Fahrzeuge).

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Die erfolgreichsten Marken im Iran

Absoluter Marktanteil mit Fahrzeugabsatz von Januar bis September 2017

  • Peugeot: 30,6 Prozent mit 325.722 Fahrzeugen (+7 %)
  • Saipa: 29,9 Prozent mit 307.627 Fahrzeugen (+ 21 %)
  • Iran Khodro: 10,4 Prozent mit 110.310 Fahrzeugen (- 7 %)
  • Renault: 10,3 Prozent mit 109.646 Fahrzeugen (+ 63 %)
  • Chery: 4,7 Prozent mit 50.171 Fahrzeugen (+ 42 %)
  • Brilliance: 2,5 Prozent mit 26.952 Fahrzeugen (+ 45 %)
  • Dongfeng: 2,3 Prozent mit 24.293 Fahrzeugen (+ 1349 %)
  • Zamyad: 1,9 Prozent mit 19.926 Fahrzeugen (+101 %)
  • Kia: 1,5 Prozent mit 15.636 Fahrzeugen (+ 71 %)
  • Lifan: 0,6 Prozent mit 6.397 Fahrzeugen (- 25%)

Erwähnenswert ist auch noch der Vormarsch der Chinesen im Iran: 14 der insgesamt 24 im Iran produzierten Marken stammen aus dem Reich der Mitte. Auf sie entfiel ein Anteil von 14,4 Prozent (152.744 Fahrzeuge) – 88 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Echte Importfahrzeuge spielen bislang eine untergeordnete Rolle auf dem iranischen Automarkt. Knapp 68.000 Fahrzeuge kamen 2017 der Zulassungsstatistik nach aus dem Ausland, angeführt von Hyundai mit ihrem SUV Tucson (5.723 Fahrzeuge). Ssangyong konnte den Tivoli 4.129-mal in das Land verschiffen und belegt damit Platz zwei – dicht gefolgt vom Renault Capture mit 4.078 Neuzulassungen auf Platz drei. Von den deutschen Herstellern ist im Iran bislang nichts zu sehen.

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 Jakob Schreiner

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Fachredakteur Ressort Service & Technik