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Audi E-Tron: Wenig Fantasie unter der Folie

| Autor: Christoph Seyerlein

Mit viel Aufwand hatte Audi seit Monaten für die Präsentation seines ersten Elektroautos E-Tron getrommelt. Letzte Nacht war es nun soweit, der große Knall blieb dabei – subjektiv betrachtet – aber aus.

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Audi hat erstmals das wahre Gesicht des E-Tron gezeigt.
Audi hat erstmals das wahre Gesicht des E-Tron gezeigt.
(Bild: Audi)

Seit Monaten trommelt Audi mit der ganz großen Kapelle für sein erstes reinelektrisches Modell E-Tron. Ob Schnitzeljagden mit dem noch getarnten Stromer am Rande des diesjährigen Genfer Autosalons oder Presseaussendungen mit Bildern, wie das Fahrzeug Hochspannungs-Blitzen im faradayschen Käfig standhält – die Ingolstädter Marketing-Maschinerie wollte schon die Zeit hin zur Präsentation offensichtlich zum Spektakel machen. So etwas ist gewagt. Gerade, wenn unter dem Tuch, das Audi in der Nacht von Montag auf Dienstag in San Francisco endlich von seinem Stromer zog, nicht der ganz große Knall wartet.

Schon in der getarnten Variante hatte sich abgezeichnet, dass der E-Tron rein optisch keine völlig neue Richtung bei Audi einläuten würde. Ein wenig mehr Mut, als gefühlt einen leicht abgewandelten Q5 auf die Bühne zu stellen, hätte man sich von Audi aber schon gewünscht. Gerade bei einem Auto, für das der Kunde mindestens 79.900 Euro auf den Tisch legen soll. Ketzerisch könnte man auch sagen, die Ingolstädter streiten sich mit Mercedes, die erst kürzlich ihr Elektro-SUV EQC vorgestellt hatten, darum, wer denn nun den langweiligeren Bonzen-Stromer an den Start schickt.

Audi E-tron: Die Folie ist runter
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Natürlich bleibt Design immer Geschmackssache. Und beim E-Tron ist auch längst nicht alles schlecht. Zwei Elektromotoren mit bis zu 300 kW/408 PS Leistung und einem Drehmoment von 660 Nm, ein 95 kWh großer, flüssiggekühlter Akku im Fahrzeugboden und im Mittel rund 400 Kilometer Reichweite sind konkurrenzfähig, auch wenn Audi damit keine neuen Maßstäbe setzt.

Besonders bemüht sich der Hersteller darum, Kunden die Angst vor dem Laden zu nehmen. Gemeinsam mit anderen Autobauern ziehen die Ingolstädter aktuell ein Netz an Schnellladesäulen in Europa hoch. Kommt der E-Tron-Fahrer in den Genuss an einem Ladepunkt bis zu 150 kW abzapfen zu können, soll sein Akku laut Audi nach einer halben Stunde wieder zu 80 Prozent voll zu sein. Wesentlich häufiger werden Kunden zunächst aber noch an deutlich langsameren Säulen „auftanken“, an den üblichen CCS-Schnellladern soll der Vorgang dem Hersteller zufolge zwei bis drei Stunden dauern. Audi setzt darüber hinaus darauf, dass die Käufer direkt eine Wallbox für zuhause mitbestellen, ihr Auto dort innerhalb von anderthalb Stunden aufladen können und so unabhängiger von öffentlichen Stromtankstellen werden. Ab 2019 soll zudem ein zweiter On-Board-Lader zu haben sein, der die Ladedauer an der Wallbox und an öffentlichen Wechselstrom-Ladesäulen laut Audi halbiert.

Aus Vertriebssicht startet Audi mit dem E-Tron erstmals das Experiment, mit Vorbestellungen gegen Reservierungsgebühr zu agieren. »kfz-betrieb« hatte bereits kürzlich darüber berichtet. Bei der Präsentation gab der Hersteller nun auch bekannt, wie viel Geld deutsche Kunden vorschießen müssen: 2.000 Euro werden hierzulande für eine Reservierung fällig. Eine Sprecherin sagte dazu: „Ziel ist es, mit einer Anzahlung die Begehrlichkeit für das Fahrzeug zu wecken und beim Kunden mehr Verbindlichkeit zu schaffen. Die Anzahlung wird erst beim Kauf angerechnet.“ Die ersten Modelle will Audi noch in diesem Jahr ausliefern.

Zwölf Elektroautos bis 2025

Die VW-Tochter nutzte das große Bohei in San Francisco außerdem direkt auch dafür, ein paar neue Details zur eigenen elektrischen Zukunft zu nennen. Bis 2025 will die Marke mit zwölf rein elektrischen Autos in den größten Märkten aktiv sein, rund ein Drittel des Absatzes soll dann auf Stromer entfallen. Nummer zwei nach dem E-Tron wird im kommenden Jahr der E-Tron Sportback sein, perspektivisch soll das Angebot dann von der Kompaktklasse bis in die Oberklasse alle relevanten Marktsegmente abdecken.

Eine große Rolle soll dabei in Zukunft das Gemeinschaftsprojekt mit Porsche spielen, die sogenannte „Premium-Architektur Elektrifizierung (PPE)“. Mit ihr wollen die Fabrikate die Basis für volumenstarke Modelle vom B- bis zum D-Segment legen. Auch auf den modularen Elektrobaukasten (MEB) aus dem Volkswagen-Konzern wird Audi zurückgreifen, auf ihm dürften vor allem A-Segment-Fahrzeuge aufbauen. Eines davon wird gezielt auf die Anforderungen des wichtigsten Einzelmarktes China entwickelt, verriet der Hersteller. Zudem wird Audi sein Angebot an Plug-in-Hybriden ausweiten. Technik-Vorstand Peter Mertens sagte: „In nahezu jedem Marktsegment soll es künftig Modelle geben, die von einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor angetrieben werden und an der Steckdose aufgeladen werden können.“

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