Audi: „Haben WLTP als ultimativen Stresstest nicht bestanden“

Hersteller erwartet weiteres herausforderndes Jahr

| Autor: Christoph Seyerlein

Audi will mit einer Elektro-Offensive – hier ist der Audi A7 Plug-in-Hybrid zu sehen – den Turnaround schaffen.
Audi will mit einer Elektro-Offensive – hier ist der Audi A7 Plug-in-Hybrid zu sehen – den Turnaround schaffen. (Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

2018 war für Audi ein schweres Jahr. Im Tagesgeschäft war der Hersteller mit dem WLTP-Prüfzyklus überfordert. Die Folge: Umsatz und Betriebsgewinn schmolzen zusammen. Ebenfalls schwer zu kämpfen hatten die Ingolstädter mit den Folgen der Dieselkrise – aus Image-Sicht war vor allem die Inhaftierung des langjährigen CEOs Rupert Stadler ein Fiasko, wie der neue Vorstandsvorsitzende Bram Schot am Donnerstag bei der Audi-Jahrespressekonferenz eingestand. „Das war für uns ein Schock, es hat uns gelähmt.“

Viel schönzureden gab es für Schot vor den Journalisten im Audi Museum Mobile nicht. Gerade der Gewinneinbruch um fast ein Viertel schmerzt. Hier schlug vor allem wieder der Dieselskandal ins Kontor: Das von der Münchner Justiz wegen Manipulation der Abgaswerte verhängte Bußgeld und die technischen Nachrüstungen kosteten Audi 1,2 Milliarden Euro.

Doch auch das WLTP-Debakel und der damit verbundene Absatzrückgang im vergangenen Jahr, trugen zu der Entwicklung bei. „Unternehmerisch haben wir vor allem WLTP als den ultimativen Stresstest nicht bestanden“, gab Schot zu und fügte an: „Wir können mit unserer Performance nicht zufrieden sein.“

Noch immer hat die Volkswagen-Tochter längst nicht alle Motor-Getriebevarianten nach WLTP zertifiziert – und das, obwohl bereits im September die nächste Verschärfung ansteht. Vorsorglich warnte Audi am Donnerstag schon einmal davor, dass es auch 2019 erneut zu Problemen kommen könnte. Damit diese nicht gleichermaßen drastisch ausfallen wie im aktuellen Fall, haben die Ingolstädter mehrere Maßnahmen ergriffen. Knapp ein Drittel aller bisherigen Motor-Getriebe-Varianten fallen weg. Gleichzeitig sollen mehr Prüfstände und Personal die Situation entzerren.

Allerdings kostet das den Hersteller Geld, wie Finanzchef Alexander Seitz betonte. „Wir bereinigen Folgewirkungen aus dem Ausnahmejahr 2018 und bringen die Pipeline von der Produktion bis zum Handel wieder ins Lot. Das wird unser Ergebnis zunächst belasten.“

Mehr Elektro- und Oberklasse-Autos

Trotz aller Probleme blickte Schot am Donnerstag auch nach vorne. Er muss als neuer Chef beweisen, dass er den Turnaround schaffen kann. Dabei setzt er auf eine Elektro-Offensive. Bis 2025 will der Hersteller statt der bisher 20 angepeilten E- und Hybrid-Autos nun 30 solcher Fahrzeuge auf den Markt bringen.

„Jeder Kunde soll bei Audi das passende Elektroauto für sich finden“, sagte Schot. Den Auftakt dazu macht aktuell der E-Tron, für den nach Herstellerangaben rund 20.000 Vorbestellungen eingegangen sind. „Die Kunden steigen schneller auf Elektroautos um als erwartet“, so Schot.

Um Geld in die Kassen zu spülen, will Audi aber auch in den margenträchtigen Segmenten obere Mittelklasse und Oberklasse zulegen. Das Produktportfolio in jenem Bereich soll bis 2025 auf 15 Modelle wachsen.

Allerdings kommt Audi auch nicht an einem Sparprogramm beim Personal vorbei. Um profitabler zu werden, will Schot Stellen abbauen, die Aufgaben zwischen den Werken neu verteilen, gemeinsame Plattformen mit VW und Porsche stärker nutzen und bis 2022 so insgesamt 15 Milliarden Euro einsparen. Vom Stellenabbau wird gerade die Verwaltung betroffen sein. Finanzvorstand Seitz sagte, der Umbau werde „nicht bequem. Aber wir stellen die Gewinnzone klar vor die Komfortzone.“

Viele Verwaltungsstellen stehen auf der Kippe

Schot hatte bereits gesagt, 90.000 Audi-Mitarbeiter seien zu viel. Zahlen zum Personalabbau wollte er am Donnerstag noch nicht nennen. In den nächsten Wochen werde mit dem Betriebsrat verhandelt. Es gebe „hier und da ein wenig Fett“. Medienberichten zufolge stehen bis zu 15 Prozent der Stellen in der Verwaltung auf der Kippe.

Für die 61.000 Audi-Beschäftigten im Stammwerk Ingolstadt und im württembergischen Neckarsulm gilt noch bis 2025 ein Kündigungsschutz. Seitz sagte: „Wenn Kollegen in den Ruhestand gehen, stellen wir den Ersatzbedarf auf den Prüfstand.“

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