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Auto-Check: Nissan Leaf – grün fahren will Weile haben

| Autor: Julia Mauritz

Ein gefälliges Design in Kombination mit einem spritzigen Fahrverhalten: In der Stadt und auf der Landstraße überzeugt der Stromer auf der ganzen Linie. Schnelle Autobahnfahrten hingegen sind Nervenkitzel pur.

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Der neue Nissan Leaf hat in puncto Reichweite deutlich zugelegt.
Der neue Nissan Leaf hat in puncto Reichweite deutlich zugelegt.
(Bild: Mauritz/»kfz-betrieb«)

Einfach so losfahren, wie man es von einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor kennt, das geht bei einem Elektroauto nicht – zumindest dann nicht, wenn die geplante Strecke jenseits der vom Bordcomputer angezeigten Reichweite liegt. Vor der eigentlichen Fahrt steht die Planung: Es gilt, die verbrauchstechnisch günstigste Strecke festzulegen und die Lademöglichkeiten auf der Route zu ermitteln. Das gelingt am besten, indem man beispielsweise die Pugsurfing-App herunterlädt. Diese zeigt einem nicht nur die Ladesäulen auf einer Route an, sondern auch, welche Ladekapazität sie haben und ob sie aktuell betriebsbereit sind.

Zeit sollte man für die Streckenplanung und die Fahrt selbst einkalkulieren, denn Letzter kann unter Umständen mit einem Elektroauto deutlich länger dauern: So muss man nicht nur die Ladezeit selbst einplanen, die im Idealfall an einer Schnellladesäule rund eine Dreiviertelstunde dauert. Man muss auch berücksichtigen, dass man mit einem Elektroauto im Regelfall die kürzeste der schnellsten Route vorzieht – wofür man aber mehr Zeit braucht. Von der Angst, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auf der Strecke liegen zu bleiben, sollte man sich lösen, wenn man die Fahrt im Stromer einigermaßen genießen will.

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Das alles beherzigte die Autorin bei der Planung ihrer gut 300 Kilometer langen Dienstreise mit dem Nissan Leaf, der mit seiner 40-kWh-Batterie laut WLTP-Zyklus 285 Kilometer schafft. Nachdem geklärt war, dass die beiden Autohäuser, zu denen die Dienstreise führte, je eine normale Steckdose und eine Wallbox für die Ladung zwischendurch hatten, konnte es endlich losgehen: Statt in 45 Minuten schnell über die Autobahn, führte die Fahrt bis zum ersten Zwischenstopp knapp eineinhalb Stunden über Landstraßen. Anders als befürchtet entpuppte sich Reise im Leaf dank der Ruhe im Innenraum, der schnellen Ansprache des Gaspedals und des komfortablen Fahrwerks als richtig entspannend.

E-Pedal überzeugt

Nicht nur in puncto Design und Ausstattung ist der Leaf mittlerweile kaum mehr von einem gut ausgestatteten Modell mit konventionellen Antrieb zu unterscheiden, auch das Fahrverhalten ist einem klassischen Kompaktklassefahrzeug ebenbürtig. Eine geniale Erfindung ist das E-Pedal im Leaf, das sich mit einem Hebel einschalten lässt und das die Reichweite dank der stärkeren Rekuperation erhöht. Sobald es aktiviert ist, kann man den Leaf mit nur einem Pedal beschleunigen und abbremsen. Schon nach einer ganz kurzen Eingewöhnung, die vor allem wegen der verzögerten Bremsung erforderlich ist, klappte das prima.

Nach den ersten 70 Kilometern hatte der Leaf tatsächlich noch mehr als 200 Kilometer Reichweite. Nach knapp 200 Kilometern Fahrt auf hügeligen Landstraßen und insgesamt fünf Stunden Ladezeit zwischendurch zeigte der Leaf noch gut 240 Kilometer Reichweite an. Der anfangs bange Blick auf die Entwicklung der Reichweite im Bordcomputer des Leaf wich zunehmend dem Vertrauen ins Fahrzeug, sodass die Autorin für die letzten knapp 130 Kilometer die Routenoption von kurz auf schnell änderte und sich auf die Autobahn wagte. Von da an schmolz die Reichweite allerdings dahin wie Schnee im Frühling; die linke Spur zu nutzen – undenkbar. Auf die kurze Strecke wechseln – auch keine wirkliche Option, weil zwei Stunden zusätzlich dann doch nicht akzeptabel sind. So war die Fahrt mit dem Leaf doch mit einem Nervenkitzel verbunden, der sich am Ende mit einer für ein Elektroauto durchaus komfortablen Restreichweite von 60 Kilometern allerdings als unnötig entpuppte.

Fazit: Der Nissan Leaf ist ein erwachsenes Elektroauto und das ideale Transportmittel für Pendler, die vorwiegend auf Landstraßen und in der Stadt unterwegs sind. Für längere Strecken gilt: Die Reise sollte das Ziel sein. Wer einfach nur schnell von A nach B kommen will, wird mit dem japanischen Stromer nicht glücklich werden. Die genauen Verbrauchswerte des Testfahrzeugs sind übrigens über die heruntergeladene Nissan-App auch mehrere Wochen nach der Abgabe des Testfahrzeugs noch abrufbar: Im August beispielsweise legte der Leaf-Testwagen gut 1.460 Kilometer zurück und verbrauchte 199,8 kWh. Das entspricht in etwa 3,50 Euro Stromkosten pro 100 Kilometer.

(ID:45484418)

Über den Autor

 Julia Mauritz

Julia Mauritz

Redakteurin