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Bosch gibt Werkstattportal Drivelog auf

| Autor: Jakob Schreiner

Online einen Servicetermin buchen kommt für viele Kunden offenbar nicht in Frage. Zumindest gilt das für die Nutzer von Drivelog. Bosch nimmt deshalb sein Werkstattportal vom Markt. Andere Anbieter sind von der grundsätzlichen Idee aber weiterhin überzeugt.

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(Bild: Drivelog)

Boschs Werkstattportal Drivelog stellt überraschend den Betrieb ein. Man bedauere sehr diesen Schritt gehen zu müssen, schließe aber das Portal Drivelog.de zum 30.11.2018, heißt es auf der Internetseite. Ab dem 1. Dezember seien dann keinerlei Service-Buchungen mehr möglich und auch die Apps „Drive-Trip“ und „Drive-Sprit“ werden nicht mehr verfügbar sein.

Wie eine Sprecherin von Bosch Mobility Solutions auf Anfrage von »kfz-betrieb« mitteilte, konnte die Plattform aufgrund zu geringer Konversionsraten nicht wirtschaftlich betrieben werden. „Drivelog fehlen die regelmäßigen Nutzer“, sagte die Sprecherin. Diese seien „trotz der positiven Bewertungen und Auszeichnungen ausgeblieben.“ Man habe noch bis zum Ende versucht, „einen strategischen Partner zu finden, um die Plattform auf eine breitere Nutzerbasis zu stellen“, sagte die Sprecherin weiter. Das sei aber gescheitert, weshalb man nun zur Abschaltung gezwungen sei.

Aktuelle Zahlen über den Nutzerstand und wie viele Anfragen in tatsächlichen Aufträgen mündeten, konnte die Sprecherin nicht nennen. Die letzten Nutzerzahlen stammen aus dem Jahr 2015: Damals waren es nach eigenen Angaben rund 400.000 Besucher und rund 8.000 Partnerbetriebe.

Die Online-Plattform wurde 2012 von der von der Mobility Media GmbH in Berlin, einem Gemeinschaftsprojekt von Bosch und Trommsdorff + Drüner, einem Social-Media-Unternehmen, ins Leben gerufen. Bosch hält 80 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen.

Fairgarage und Autobutler mit bisheriger Entwicklung zufrieden

Neben dem Angebot von Bosch betreiben derzeit noch einige weitere Anbieter Plattformen, beispielsweise Autoscout 24, die PSA-Gruppe (Autobutler) und die Deutsche Automobil Treuhand (Fairgarage).

Im Gegensatz zu Bosch sei man bei der DAT mit der bisherigen Entwicklung von Fairgarage zufrieden, wie ein Sprecher auf Anfrage von »kfz-betrieb« mitteilte. Das Thema Werkstattportale sei „ganz klar ein Wachstumsthema“. Rund 16.000 Betriebe zählt die DAT zu ihren Partnern. Seit 2016 seien die Besucherzahlen von 200.000 auf mittlerweile durchschnittlich 650.000 angestiegen. Diese Entwicklung „bestätigt uns die Richtigkeit unseres Konzepts“, heißt es weiter. Wie viele der Anfragen in Serviceaufträgen enden, ist unbekannt. Zu den Konversionsraten sage man grundsätzlich nichts.

Autoscout 24 macht keinerlei konkrete Angaben zu Nutzern und Partnern und teilte lediglich mit, das Werkstattportal biete „eine gute nationale Abdeckung“. Auch der Frage nach der Wirtschaftlichkeit wich das Unternehmen aus. Im Fokus stehe der Mehrwert für den Kunden, den das Portal mit „Transparenz und Orientierung“ bieten soll. Außerdem liefere die Plattform „wertvolle Zusatzinformationen über die Entwicklung von Gebrauchtwagen“, die für die Weiterentwicklung der Gebrauchtwagenbörse genutzt werden.

Anders Autobutler: Jede vierte bis fünfte Anfrage führe zu einem Auftrag, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Nach eigenen Angaben hat Autobutler fast 600.000 Nutzer und arbeitet mit 1.300 Betrieben zusammen. Auch für das PSA-Portal böte der Markt „sehr viele Chancen“ und man werde weiterhin auf dieses Angebot bauen. Man beobachte zudem eine „stetig anwachsende Bereitschaft, unsere Dienstleistung in Anspruch zu nehmen“, heißt es von Seiten des Unternehmens. Führt die fehlende Wirtschaftlichkeit bei Drivelog zum Aus, sei bei Autobutler „das Ziel schon zum Greifen nah.“

Online informieren – offline buchen

Ähnliche Beobachtung zur Akzeptanz der Onlinebuchung macht auch die DAT. Immer mehr Leute würden im Netz nach Informationen zu bestimmten Themen suchen, weshalb dort auch Autohäuser und Werkstätten mit ihrem Angebot präsent sein müssten. Laut Marktbefragungen der DAT liegt die Bereitschaft der Kunden, einen Termin online zu buchen, aktuell bei rund 30 Prozent. Informationen über den Werkstattaufenthalt holen allerdings weniger als 20 Prozent ein.

Wie die DAT außerdem beobachtet, würden sich viele dieser potenziellen Kunden zwar im Netz über das Angebot der Werkstätten informieren – die tatsächliche Servicebuchung dann aber klassisch über das Telefon erledigen. Das sei für die Betreiber auch „vollkommen in Ordnung“, da keine prozentuale Beteiligung an einem Serviceauftrag erhoben werde. Kommt eine Buchung über 100 Euro zustande, erhebt die DAT eine Vermittlungsgebühr von 15 Euro. Bei den Konzepten der anderen Anbieter wird eine Gebühr von 5 bis 15 Prozent fällig – teilweise müssen die Betriebe auch eine zusätzliche Grundgebühr entrichten.

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 Jakob Schreiner

Jakob Schreiner

Redakteur Ressort Service & Technik