Elektroauto-Start-up Byton Deutschland ist insolvent

Autor: Andreas Wehner

Es hatte sich abgezeichnet, jetzt ist es offiziell: Gegen die Byton GmbH, die deutsche Tochter des chinesischen Elektroautobauers, läuft ein Insolvenzantrag.

(Bild: Byton)

Die deutsche Tochter des chinesischen Autobauers Byton ist insolvent. Wie aus einer Bekanntmachung des Amtsgerichts München hervorgeht, wurde für die Byton GmbH mit Sitz in Ismaning ein Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Gericht Michael Bauer von der Kanzlei Dr. Beck & Partner bestellt.

Byton Deutschland befindet sich schon länger in Schieflage. Medien hatten im Januar über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München wegen Insolvenzverschleppung berichtet. Damals bestätigte ein Byton-Sprecher gegenüber »kfz-betrieb«, dass das Unternehmen den deutschen Mitarbeitern zuletzt keine Gehälter mehr gezahlt habe.

Die chinesischen Verantwortlichen bei Byton hatten trotz der offenbar bekannten Schieflage versäumt, Maßnahmen einzuleiten. Ein frühzeitiger Insolvenzantrag hätte zumindest für klare Verhältnisse gesorgt und die Möglichkeit geschaffen, die Gehälter der Angestellten über das Insolvenzgeld zu sichern.

Das Problem: Mit dem Weggang des früheren Byton-CEOs Daniel Kirchert im Sommer 2020 gab es auch keinen Verantwortlichen mehr für die deutsche Tochtergesellschaft. Kirchert war gleichzeitig Geschäftsführer der Byton GmbH, einen Nachfolger hatten die Chinesen offenbar nie benannt.

Ex-Byton-Chef Kirchert inzwischen bei Evergrande Auto

Kirchert ist Medienberichten zufolge inzwischen beim chinesischen Konkurrenten Evergrande Auto tätig, dem Elektroauto-Ableger der als Immobilienunternehmen gegründeten Evergrande-Group.

Byton war in der Corona-Krise das Geld ausgegangen. Im Sommer 2020 leitete das Unternehmen einen Restrukturierungsprozess ein. Die Produktion wurde gestoppt, viele Mitarbeiter entlassen. Anfang 2021 hatte Byton sich den Auftragsfertiger Foxconn ins Boot geholt und das Ziel ausgegeben, spätestens im ersten Quartal 2022 mit der Produktion zu beginnen.

Ursprünglich wollte Byton die ersten Fahrzeuge Ende 2020 ausliefern. Bytons erstes Modell M-Byte hatte seine Premiere im September 2019 mit einem großen Medienecho auf der IAA in Frankfurt gefeiert. Das Auto fiel vor allem durch ein riesiges, 48 Zoll großes Display auf, das sich über die komplette Breite des Fahrzeuginnenraums spannt. Welche Pläne Byton inzwischen für den europäischen Markt hat, ist aktuell völlig unklar.

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Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«