Geld verdienen lässt sich mit Carsharing nur sehr schwer. Auch passen die heutigen Autohausstrukturen nicht zu diesem Modell. Das wurde anlässlich der Präsentation einer Studie zum Thema deutlich.
Ob sich das Geschäftsmodell Carsharing im Autohaus etablieren kann, steht noch in den Sternen.
(Foto: Archiv)
„Carsharing basiert auf einem sehr komplexen Geschäftsmodell. Angesicht enger Preisspielräume lässt sich Carsharing nur sehr schwer nachhaltig betreiben. Die Einbindung in herstellergebundene Carsharing-Konzepte könnte für den Autohandel eventuell ein gangbarer Weg sein“, sagte Prof. Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, anlässlich der Präsentation seiner Studienergebnisse zum Thema „Innovative Mobilitätsdienstleistung – Chance oder Risiko für den Automobilhandel?“ Anfang Juli in Stuttgart.
Auftraggeber der Studie und Vorsitzender der Dekra Automobil GmbH Clemens Klinke ergänzte: „Es steht außer Frage, dass sich langfristig nur die Mobilitätskonzepte durchsetzen werden, die sich im Praxistest als zuverlässig erweisen. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Fahrzeuge und deren Sicherheit, sondern insbesondere auch in Bezug auf den kompletten Prozess von der Buchung über die Fahrt bis hin zur Abrechnung. Der potenzielle Nutzer, sei es der gewerbliche oder der private Fahrer, wird neue Konzepte und Technologien nur akzeptieren, wenn diese praktikabel, sicher und bezahlbar sind.“
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Für den einzelnen Händler nicht darstellbar
Bei der Präsentation der Studienergebnisse wurde vor allem eines rasch deutlich: Die Rolle des klassischen Autohandels beim Carsharing ist nach wie vor unklar. Das muss niemanden verwundern: Schließlich steckt diese Form der Autovermietung selbst noch in den Kinderschuhen. Die wenigen Angebote in ausgewählten Städten würden ohne die Unterstützung der beteiligten Autohersteller nicht funktionieren. So hat das von der Daimler AG ins Leben gerufene Carsharing-Konzept „Car-2-Go“ derzeit 120.000 registrierte Kunden. Weltweit ist der Konzern in zwölf Städten aktiv. In Deutschland sind das Ulm/Neu-Ulm, Hamburg, Düsseldorf, Berlin und Stuttgart. „Heute sind rund 60 Prozent unserer Nutzer unter 35 Jahre alt“, sagte Car-2-Go-Pressesprecherin Juliane Mühling in Stuttgart. Für sie sind Kooperationsmodelle mit dem Autohandel „sicher der richtige Weg“. Wie diese Modelle aussehen könnten, sagte sie nicht.
Eine mögliche Lösung für den Handel brachte Autohändler Henry Walkenhorst aus Osnabrück ins Gespräch: „In unserer Stadt müssten beim Carsharing alle Händler zusammenarbeiten.“ Für ein einzelnes Autohaus sei dieser Teilableger des Vermietgeschäftes nicht realisierbar. Der Mehrmarkenhändler ergänzt: „Carsharing wird derzeit von den Konzernen stark subventioniert. Wenn das nicht mehr so ist, muss es ein anderer bezahlen.“
Dass das klassische Autohaus bei der Carsharing-Klientel keine Rolle spielt, zeigt auch die Aussage von Andreas Kottmann, Geschäftsführer der Drive Now GmbH: „Unsere Zielgruppe hat sich heute bereits von einem eigenen Auto verabschiedet.“
Das von BMW und Sixt initiierte Carsharingangebot ist derzeit in Berlin, München und Düsseldorf mit insgesamt 730 Fahrzeugen aktiv. Demnächst soll Köln hinzukommen. Kottmann ist überzeugt, dass die Elektroautos das Carsharing weiter beschleunigen. Jedoch müssten die Städte die dafür notwendige Infrastruktur schaffen.
Autofahren macht Freude, Autobesitzen nicht
Sollte Carsharing künftig für deutlich mehr Menschen eine echte Alternative zum eigenen Auto darstellen, hätte das vor allem einen Grund: „Autofahren macht den jungen Leuten nach wie vor Spaß, ist jedoch verdammt teuer. Die Preise für das Autofahren sind deutlich stärker gestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Vor allem die Versicherungen haben sich für junge Fahranfänger überproportional verteuert“, erläutert Diez.
Somit sehen hauptsächlich junge Menschen Carsharing als preiswerte Alternative zum eigenen Auto. Preiswert heißt aber auch: schmale Gewinne für den Anbieter. Geld verdienen lässt sich damit nur sehr schwer. Auch passen die heutigen Autohausstrukturen nicht zum Carsharing. Deshalb rechnen die meisten Autohäuser nicht damit, dass Carsharing für das klassische Autohaus eine Rolle spielen wird.
Auf die Frage, ab wann sich Carsharing überhaupt rechnen könnte, meint Diez: „Der Break-Even-Bereich liegt zwischen 30 und 50 Prozent Auslastung des Fahrzeugpools.“
Stand: 08.12.2025
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