Autoscout 24 Der Markt für günstige gebrauchte BEV ist leer gekauft

Von Andreas Grimm 4 min Lesedauer

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Der Gebrauchtwagenmarkt sendet derzeit widersprüchliche Signale. Während generell weniger Fahrzeuge umgeschrieben werden, sinken die Standzeiten der E-Modelle signifikant. Autoscout 24 sieht einen fundamentalen Stimmungswandel der Kaufinteressenten.

Gebrauchte E-Modelle, noch dazu als Klein- oder Kompaktwagen, sind derzeit im Handel schwer zu finden.(Bild:  Schreiner – VCG)
Gebrauchte E-Modelle, noch dazu als Klein- oder Kompaktwagen, sind derzeit im Handel schwer zu finden.
(Bild: Schreiner – VCG)

Der Gebrauchtwagenmarkt erlebt derzeit merkwürdige Entwicklungen. Obwohl die wirtschaftliche Stagnation für eine Hinwendung der Konsumenten zu günstigeren Gebrauchtfahrzeugen sprechen würde, sinkt die Zahl der Besitzumschreibungen und fallen die Preise, während gleichzeitig die Bestände wachsen. Die Ursache für die untypische Entwicklung sieht Bastian Grühn, Director Sales Strategy & Operations bei Autoscout 24 in der Transformation zur Elektromobilität.

„Der Wunsch nach geringeren Ausgaben für eine Pkw-Neuanschaffung wird derzeit sehr wahrscheinlich überlagert vom Wunsch nach einem Elektroauto“, erklärte er während der Vorstellung des Autoscout-24-Marktreports für das zweite Quartal 2026. Was ebenfalls nach hoher Nachfrage klingt, bremst dennoch den Gebrauchtwagenmarkt: Es gibt für einen echten Schub schlicht zu wenig erschwingliche gebrauchte Elektro-Pkw. Ähnliche Ergebnisse hatte jüngst das DAT-Barometer geliefert.

Die Zahlen des Gebrauchtwagenmarktplatzes zum Elektrosegment sind eindrucksvoll. Während der Gebrauchtwagenbestand der Autohändler auf der Plattform seit März über den Werten der Vorjahre liegt (derzeit etwa +3 %), ist das Angebot an gebrauchten Elektrofahrzeugen seit dem Höchststand im März rapide gesunken. Waren damals noch rund 9 Prozent des eingestellten Händlerbestands gebrauchte BEV, waren es im Juni nur noch 6 Prozent – nur wenig mehr als Anfang 2024, als Elektroautos fast noch Exoten waren (und der Markt infolge der Corona-Produktionsausfälle geschrumpft war).

Interesse an gebrauchten BEV wächst enorm

Ebenfalls eindrücklich ist die Entwicklung der Nachfrage im zweiten Quartal des Jahres. Mit dem Start der akuten Spannungen am Persischen Golf und den stark steigenden Preisen für Benzin und Diesel schnellte das Interesse der Kunden an Elektroautos um 128 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert nach oben. Die Entwicklung hatte sich im Juni wieder etwas normalisiert, die Kundenanfragen auf Elektromodelle ist aber dennoch weit über den Werten der vergangenen 30 Monate.

„Wir registrieren einen wahnsinnigen Zuwachs der Elektro-Abfragen, den es so noch nie gab“, sagt Grühn. Gleichzeitig unterstreicht er, dass Autoscout zwar die Daten analysieren und Schlüsse ziehen kann, die Aussagen aber nicht auf Kundenbefragungen basieren. Gleichwohl bleibt aus seiner Sicht der Nachfrage-Sprung unübersehbar – und er geht vor allem zulasten der Dieselmodelle. Die haben ihren Kostenvorsprung an der Tankstelle verloren und haben eine höhere Steuerlast, sodass sie sich für viele Käufer nicht mehr rechnen.

Mit der generell höheren Elektronachfrage gehen merkliche Anstiege der Anfragen bei jüngeren, höherpreisigen Modellen und Fahrzeugen aus der Kompaktklasse einher. Für Stefan Schneck, Vertriebschef Deutschland von Autoscout, ergibt sich damit ein schlüssiges Bild: Die Nachfrage steigt in jenen Segmenten, die mit den gesuchten Elektromodellen korrelieren.

Interessenten zu Käufer machen

Passend dazu sind die Bestände an elektrischen Klein- und Kompaktfahrzeugen wie dem Opel Mokka-E, Dacia Spring und Renault Zoe merklich eingebrochen – bei deutlich steigenden Preisen. Auch für den Hyundai Ionic 5, den VW ID.3 und den Cupra Born haben sich die Angebotspreise auf Autoscout 24 um 5 bis 11 Prozent erhöht. „Die Käufer scheinen bereit, derzeit mehr zu investieren, um langfristig zu sparen“, interpretiert Schneck die Daten. Für viele Menschen würden Elektroautos jetzt, gerade im urbanen Raum, die richtige, vernünftige und auch finanziell richtige Wahl darstellen.

Limitierend wirkt nun die Verfügbarkeit der günstigen Modelle, die bereits weggekauft sind. Übrig bleiben die teureren Angebote – auch deshalb dürfte der durchschnittliche Angebotspreis der E-Autos auf Autoscout 24 inzwischen sechs Prozent über dem Vorjahreswert liegen, obwohl er im ersten Quartal noch 5 Prozent unter den Vorjahreszahlen lag.

Doch selbst wenn die Modelle verfügbar sind, ist ihre Vermarktung noch kein Selbstläufer. „Im Nachfrage-Anstieg steckt zunächst auch viel Informationsbedarf der Endkunden“, warnt Schneck. Der Information müsse nun die Konversion folgen. Allerdings scheint der Handel derzeit nicht viel falsch machen zu können mit der Hereinnahme von E-Autos – von Exoten einmal abgesehen: Jedes EV-Inserat bekomme die doppelte Menge an Aufrufen wie im Vorjahr. Die BEV-Standzeiten liegen laut den Autoscout-Daten rund 6 Tage unter dem Bestandsdurchschnitt.

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Vertriebschef Schneck sieht in den vorgelegten Zahlen einen klaren Auftrag an den Handel, die letzte Scheu vor der Beschäftigung mit gebrauchten E-Modellen abzulegen – und auch den aktiven Kauf in Erwägung zu ziehen, wenn Modell und Marktdaten passen.

Der Gesamtmarkt ist gesund

Trotz der rückläufigen Zahl an Besitzumschreibungen sehen die Autoscout-Vertriebler eine stabile Marktentwicklung. Der um drei Prozent gewachsene Gebrauchtwagenbestand sei beim einzelnen Händler meist noch kaum spürbar, der um 1,9 Prozent gesunkene durchschnittliche Angebotspreis ebenfalls noch nicht dramatisch. Unter dem Strich braucht ein inserierter Gebrauchtwagen derzeit 55 Tage bis zum Verkauf – der Wert liegt exakt auf Vorjahresniveau.

Allerdings gelte es, insbesondere den Verbrennern mehr Sichtbarkeit zu geben, um die Nachfrage und die Umschlaggeschwindigkeit hochzuhalten, rät Schneck. Vor allem bei Diesel-Fahrzeugen sieht er derzeit eine Nachfrageschwäche.

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