Batterie-Studie Der SoH kann beim gleichen Fahrzeugmodell um über 16 Prozent differieren

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

Der Batterieexperte Aviloo gewährt Einblicke in seine enorme Datenbasis. Aus rund 500.000 Tests lassen sich valide Aussagen zur langfristigen Batteriegesundheit vieler populärer E-Autos ableiten.

Beim Aviloo Flash-Test werden die Batteriedaten über einen OBD-Dongle ausgelesen, an die Aviloo-Cloud übertragen und ausgewertet. Das dauert nur wenige Minuten.(Bild:  Aviloo)
Beim Aviloo Flash-Test werden die Batteriedaten über einen OBD-Dongle ausgelesen, an die Aviloo-Cloud übertragen und ausgewertet. Das dauert nur wenige Minuten.
(Bild: Aviloo)

500.000 Batterieschnelltests zu 20 populären E-Auto-Modellen hat Aviloo ausgewertet – und das bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern. Und kein einziges Modell kam der SoH-Grenze von 70 Prozent, die von den allermeisten Autoherstellern als Maß für das Eintreten eines Garantiefalls gewertet wird, auch nur nahe. Das zeigt: Um die Haltbarkeit von E-Auto-Batterien ist es prinzipiell sehr gut bestellt.

Das gilt im wesentlichen über alle Hersteller hinweg, auch wenn es natürlich besonders bei hohen Laufleistungen messbare Unterschiede zwischen den einzelnen Marken gibt. Interessant: Die SoH-Werte der einzelnen Exemplare des gleichen Modells können sich viel deutlicher Unterscheiden als die Medianwerte der unterschiedlichen Fahrzeugmodelle. Hier die Extremwerte bei einer Laufleistung von 150.000 Kilometern:

  • Das Modell mit dem höchsten Median, der Mercedes-Benz EQA, liegt bei knapp 94 Prozent. Den niedrigsten SoH-Median weist der Nissan Leaf mit 86,7 Prozent aus. Unterschied: nur 7,3 Prozent.
  • Die größte SoH-Varianz zwischen den Exemplaren eines Modells lässt sich jedoch beim Mini-Cooper SE beobachten: Sie liegt bei 16,4 Prozent.

Das heißt: Die Behandlung der Batterie durch den Fahrer – die Anzahl der Schnellladevorgänge, die Fahrweise, die Standzeiten bei voller/leerer Batterie usw. – hat einen deutlich größeren Einfluss auf die Batteriegesundheit als etwa konstruktive Unterschiede zwischen den Energiespeichern der einzelnen Autohersteller beziehungsweise Zellenlieferanten.

Vor allem für Gebrauchtwagenhändler ist ein unabhängiger Batterietest vor der Hereinnahme deshalb empfehlenswert – selbst wenn es um ein Fahrzeug einer Marke geht, die sich durch eine hohe durchschnittliche Batterielebensdauer auszeichnet. Denn zehn oder mehr Prozentpunkte Unterschied beim State of Health können je nach Batteriegröße bis zu 50 Kilometer mehr oder weniger Reichweite ausmachen.

Nicht alle Batterien altern gleich

Aviloo hat die Batteriegesundheits-Werte der 20 ausgewählten Modelle bei jeweils drei Kilometerständen ermittelt: Nach 50.000, 100.000 und 150.000.

(Bild:  Aviloo)
(Bild: Aviloo)

Nach 50.000 Kilometern liegen praktisch alle getesteten Fahrzeuge im Median um die 95 Prozent SoH – mit Ausnahme von Nissan Leaf und Renault Zoe, die mit ihren luftgekühlten Batterien nicht den neuesten Stand in der E-Mobilität repräsentieren. Trotzdem zeigen sich auch bei dieser vergleichsweise geringen Laufleistung schon markante Unterschiede zwischen einzelnen Exemplaren eines Modells. Bei praktisch allen untersuchten Fahrzeugtypen lassen sich Autos mit unter 90 Prozent SoH identifizieren.

(Bild:  Aviloo)
(Bild: Aviloo)

Bei 100.000 Kilometern „geht die Schere auf“, wie es Aviloo formuliert. Es zeigt sich aber auch, dass Fahrzeuge mit hohem SoH bei 50.000 auch bei 100.000 km noch stabil dastehen – mit Ausnahme des Mini Cooper SE, der nach hinten durchgereicht wird. Aber auch bei 100.000 Kilometern gilt: Der Median bei fast allen Fahrzeugtypen liegt deutlich näher am oberen („besseren") Grenzwert der SoH-Spanne – es gibt also viel mehr „gute“ als „schlechte“ Batterien.

(Bild:  Aviloo)
(Bild: Aviloo)

Bei 150.000 Kilometern ist nach den Aviloo-Daten aus dem defizitären Duo Nissan Leaf und Renault Zoe ein Trio geworden – der Mini Cooper ist mit einem Median von gut 87 Prozent ans Ende des Feldes zurückgefallen. Alle anderen untersuchten Modelle liegen jedoch teils deutlich über 90 Prozent – ein starkes Bild. Zu beachten ist aber, wie oben gesagt, der Zustand jedes individuellen Fahrzeugs: Ein „schlechter“ Mercedes EQA kann durchaus ebenfalls deutlich unter 90 Prozent liegen.

Marcus Berger, CEO von Aviloo, kommentiert die Studie so: „Was diese Daten wirklich zeigen: Durchschnittswerte verschleiern eine Menge. Ja, E-Auto-Batterien altern besser, als ihr Ruf vermuten lässt, aber das ist nicht die spannendste Erkenntnis. Viel wichtiger: Die Batteriegesundheit unterscheidet sich stark zwischen Modellen, und noch stärker zwischen einzelnen Autos desselben Modells. Ohne unabhängigen Test wissen Sie einfach nicht, wo Ihr Auto in dieser Bandbreite steht. Genau deshalb haben wir den Aviloo Flash Test entwickelt.“

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Ab sofort will das Unternehmen seinen Aviloo Certified EV Battery Report zwei Mal im Jahr veröffentlichen. Grundlage des Reports sind die Flash Tests von Aviloo, die die Batteriegesundheit mit einem eigens entwickelten Algorithmus berechnen, statt sich auf die SoH-Angabe des Fahrzeugs zu verlassen.

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