Lockdown Dramatische Auftragseinbrüche trotz williger Kunden

Autor: Doris Pfaff

Hoffnungsvoll wartet das Kfz-Gewerbe auf das Ergebnis des Coronagipfels, ein Terminshopping scheint in greifbarer Nähe. Wie dringend der Autohandel seine Kunden im Verkaufsraum braucht, zeigt eine Umfrage des ZDK. Für geöffnete Autohäuser spricht sich laut einer Umfrage von Mobile.de die Mehrheit der Deutschen aus.

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Das Terminshopping im Einzelhandel erlaubt Kunden nach vorheriger Vereinbarung die Autohäuser wieder zu betreten.
Das Terminshopping im Einzelhandel erlaubt Kunden nach vorheriger Vereinbarung die Autohäuser wieder zu betreten.
(Bild: Autohaus Klaiber)

Rheinland-Pfalz und Saarland haben es vorgemacht, ab 8. März soll das Terminshopping im Einzelhandel auch bundesweit möglich sein. Das sieht zumindest der aktuelle Entwurf der Ministerpräsidentenkonferenz vor, die an diesem Mittwoch über neue Lockerungsmaßnahmen berät. Bei einer stabilen Inzidenz von unter 100 dürfen Einzelhändler einzelne Kunden nach vorheriger Terminvereinbarung in ihre Geschäfte lassen, folglich auch in die Autohäuser.

Das Kfz-Gewerbe begrüßt grundsätzlich diesen Vorschlag. „Das, was jetzt möglich sein soll, haben wir die ganze Zeit gefordert. Es ist problemlos machbar, dass Kunden nach Terminabsprache das Autohaus betreten, ohne sich einem größeren Infektionsrisiko auszusetzen“, sagt ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. Die Hygienevorgaben des Prinzips seien inzwischen Standards. Das zeige sich in Thüringen, das als einziges Bundesland die Autohäuser durchgehend geöffnet hat. Peckruhn führt dort selbst zwei Autohäuser. „Kontaktlos ein Auto zu verkaufen, ist überhaupt kein Problem.“

ZDK-Blitzumfrage zeigt Krise des Handels

Die heftigen wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns für den Autohandel, zeigt eine Blitzumfrage, die der ZDK für die Monate Januar und Februar 2021 durchgeführt hat. Mehr als 2.000 Händler haben sich daran beteiligt, so viele wie noch nie. Fast 97 Prozent der Befragten gaben kann, dass ihr Auftragseingang für Neuwagen im Privatkundenbereich sowohl im Januar als auch im Februar gegenüber den Vorjahresmonaten um bis zu 60 Prozent eingebrochen ist.

Auftragseinbrüche von knapp 90 Prozent meldeten die Händler für diesen Zeitraum auch im Neuwagengeschäft mit Gewerbekunden. Nur etwa zehn Prozent gaben an, eine stabile Auftragslage zu haben.

Selbst auf dem Gebrauchtwagenmarkt, der bislang gut durch die Krise kam, schlagen die Händler Alarm. Laut ZDK-Umfrage berichteten 87 Prozent der Befragten von Auftragsrückgängen.

Obwohl die Kfz-Werkstätten weiter geöffnet haben, wirkt sich die Pandemie erstmals deutlich aufs Servicegeschäft aus. Rund 85 Prozent hatten in den ersten Monaten mit einem Auftragsrückgang zu kämpfen, etwa 14 Prozent berichteten von einer unveränderte Werkstattauslastung. Auch die Standtage der Fahrzeuge wurden abgefragt: Bei den Neuwagen erhöhte die sich um gut 35 Prozent, bei den Gebrauchtwagen um bis zu 44 Prozent.

Die Kunden wollen in die Schauräume

Für die Öffnung der Autohäuser plädieren übrigens nicht nur die Händler selbst. Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind ebenfalls für eine Öffnung der Autohäuser unter bestimmten Voraussetzungen. Das ergab eine YouGov-Umfrage im Auftrag des Onlinemarktplatzes Mobile.de.

Der Grund: Das eigene Auto hat in den vergangenen Monaten als Verkehrsmittel an Relevanz gewonnen. So gab etwa jeder fünfte Autobesitzer an, seinen Pkw erst während des letzten Jahres erworben zu haben. Mehr als zwei Drittel der Deutschen empfinden laut Umfrage deshalb die Schließungen als zu drastische Maßnahme und sind der Meinung, dass Autohäuser, zumindest unter gewissen Auflagen, geöffnet werden sollten.

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 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik