Ein kulleräugiges Retrogesicht, gute Verarbeitung und ein manchmal etwas vorlauter Sprachassistent: Diese Zutaten sollen dem vollelektrischen Ora Funky Cat aus dem chinesischen Great-Wall-Konzern zum Erfolg verhelfen. Wir haben ein paar Runden mit dem Stromer gedreht.
Der Ora Funky Cat kostet zum Einstieg knapp unter 40.000 Euro.
(Bild: Wehner - Vogel Communications Group)
Optisch wirkt der Ora Funky Cat recht vertraut. „Sieht aus wie die Tretauto-Version des Porsche Cayenne“, frozzelte jüngst ein Freund, als ich ihm von der neuen chinesischen Marke aus dem Great-Wall-Konzern erzählte und Bilder des Elektroautos zeigte. Jetzt stehe ich vor dem Auto und konstatiere: Ja, man kann gewisse Ähnlichkeiten nicht leugnen. Frühe Porsche-Modelle oder auch der VW Käfer kommen einem in den Sinn, wenn man das kulleräugige Retrogesicht des Funky Cat betrachtet.
Ora kombiniere verschiedene Designanleihen aus der Vergangenheit mit modernen Elementen, sagt der Hersteller. Den kleinen Stromer als Kopie abzustempeln, würde dem Auto aber nicht gerecht, denn eine Verwechslungsgefahr besteht nicht. Der Ora Funky Cat ist auf den ersten Blick erkennbar – vor allem von hinten, wo das in die Heckklappe integrierte Leuchtenband einen interessanten Akzent setzt. Und er fällt auf. Während der Testrunde an der portugiesischen Küste erntet der Funky Cat viele interessierte Blicke, zweimal werde ich auf das Auto angesprochen.
Plattform-Bruder des kommenden Mini
Gemeinsamkeiten mit einer anderen Marke gibt es dennoch. Sie sind allerdings technischer Natur. Denn die Plattform teilt sich der Funky Cat mit dem kommenden Mini. Er ist also sozusagen ein Vorbote der neuen Generation des Kleinwagens, die zumindest teilweise in China von einem Joint Venture gebaut werden soll, an dem BMW und Great Wall jeweils 50 Prozent halten. Und vielleicht als Hommage oder Vorgeschmack bietet auch der Funky Cat an der Mittelkonsole ein paar Kippschalter im Flugzeug-Stil, wie man sie auch von Mini kennt.
Damit wären wir schon beim Innenraum. Der ist alles andere als eine Kopie von irgendwas. Klares Design, zwei 10,25-Zoll-Bildschirme, abgesehen von den Kippschaltern keine Tasten. Das sieht gut aus. An der einen oder anderen Stelle wäre ein Schalter jedoch hilfreich. So kann man die Klimaregelung nur per Menü im Touchscreen bedienen. Das ist ein bisschen nervig für Leute, die ihr Auto gern mit den Fingern bedienen.
Warum schreibe ich das? Weil die Entwickler bei Ora eigentlich wollen, dass man zur Steuerung der diversen Funktionen den Sprachassistenten nutzt. Der kann tatsächlich einiges. Anders als die Assistenten anderer Hersteller lässt er sich in jeder beliebigen Form ansprechen. Man muss also nicht „Hello Ora“ sagen. „Ey Alter“ funktioniert genauso wie „Hi Edeltraut“ – sofern man es dem Auto vorher beibringt.
Eliott hilft, wo er kann
In meinem Testauto heißt der kleine Helfer Eliott. Er kann nicht nur die Klimatisierung bedienen, den Radiosender wechseln oder die Musik lauter stellen. Der Sprachassistent öffnet auf Wunsch den Kofferraum, gibt Wettervorhersagen, liest Wikipedia-Einträge vor und sorgt bei Bedarf mit Witzen oder Rätseln für die Unterhaltung der Fahrgäste. Mit dem nächsten Over-the-Air-Update im März kann er auch die Massagefunktion an den Vordersitzen starten.
Massage? Ja, es gibt Massagesitze im Ora Funky Cat. Zwar nicht in der Basisversion. Aber auch in den höheren Ausstattungsvarianten ist diese Funktion in Autos dieser Größe nicht unbedingt üblich. Die Sitze sind serienmäßig mit Kunstleder – oder wie man heute sagt – veganem Leder bezogen. Auch in den Türen findet sich das Material, während das Armaturenbrett mit einem Stoff überspannt ist, der an Wildleder erinnert. Insgesamt wirkt alles recht hochwertig und ist gut verarbeitet.
Schwache Ladeleistung
Beim Stromspeicher bietet Ora im Funky Cat zwei Größen an. Der kleinere ist eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie und fasst 48 kWh. Mit diesem Akku beträgt die WLTP-Reichweite laut Datenblatt 310 Kilometer. Wem das nicht reicht, für den gibt es wahlweise eine ternäre Lithiumbatterie mit 63 kWh und bis zu 420 Kilometern WLTP-Reichweite.
Und hier liegt eine Schwachstelle des Ora Funky Cat. Die Ladeleistung ist mit maximal möglichen 67 kW verhältnismäßig gering. 43 Minuten braucht es bei der kleinen, 48 bei der großen Batterie, um sie wieder von 15 auf 80 Prozent zu füllen. „Wir denken, dass der Großteil der Käufer sein Fahrzeug über Nacht zuhause lädt“, erläutert ein Ora-Sprecher.
Und wie fährt er sich? Nach dem Einsteigen suche ich erst mal den Startknopf. Vergeblich. Es gibt keinen. Es reicht, wenn der Schlüssel im Auto liegt. Zweimal die Bremse betätigen, den runden Drehschalter auf „D“ stellen, und es kann losgehen. Elektro-typisch reagiert das Auto sofort auf den Gasfuß. Die 126 kW/171 PS, die an die Vorderräder geschickt werden, haben kein Problem, den 1.600 Kilogramm schweren Kleinwagen voranzubringen. Das macht Spaß!
Stand: 08.12.2025
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Rekuperation nur per Menü einstellbar
Die Rekuperation lässt sich in mehreren Stufen einstellen, One-Pedal-Driving ist möglich. Allerdings muss man dazu den Touchscreen bemühen und sich durch das Menü hangeln. Auch hier wären Knöpfe oder Paddel praktischer. Allerdings hat der Funky Cat zwei frei konfigurierbare Tasten am Lenkrad, auf die man diese Funktion legen könnte.
Apropos Lenkrad: Die verstellbare Lenkung ist auch im Sportmodus etwas gefühllos. Da auch das Fahrwerk nicht auf eine schnelle Kurvenjagd ausgelegt ist, spielt das keine so große Rolle. Die mit zahlreichen Bumpern und dem einen oder anderen Schlagloch versehenen portugiesischen Straßen stellen jedoch keine Gefahr für den Rücken dar. Die Dämpfung bügelt das weg, ohne zu wackelig weich zu sein.
Sehr hilfreich ist die serienmäßige 360-Grad-Kamera. Beim Abbiegen wird zudem Bild des toten Winkels ins Display eingespielt. Das ist prinzipiell eine gute Idee. Allerdings verschwindet dann die Navi-Karte. Wenn man sich beispielsweise im Kreisverkehr auf die richtige Ausfahrt konzentrieren möchte, irritiert das. Das Navi selbst macht seinen sehr guten Job. Eine sehr genaue Mini-Karte, die beim Abbiegen eingeblendet wird, macht falsch fahren fast unmöglich – wenn dann nicht das Kamerabild kommt. Das ist aber abschaltbar.
Während der Fahrt meldet sich Eliott und weist mich zurecht. Ich solle mich bitte auf den Verkehr konzentrieren, sagt er. Ich habe versucht, mich im Auto etwas zurecht zu finden und dabei meinen Blick kurz von der Straße abgewendet. Eliott sagt mir auch Bescheid, wenn ich beim Aussteigen mein Smartphone in der Ladeschale vergessen habe. Er nennt mir die erlaubte Geschwindigkeit, wenn ich zu schnell fahre. Und er weist auch darauf hin, dass rauchen ungesund ist, wenn ich mir im Auto eine Zigarette in den Mund stecke.
Das Auto kümmert sich um mich. Das ist Konzept und Alleinstellungsmerkmal bei Ora: Das Auto als Begleiter, als sogenannter Car-panion (von Car und Companion). Wem das zu weit geht, der kann diese Hinweise natürlich auch abstellen. Das gilt auch für die Verbindung zum Internet, ohne die gewisse Funktionen dann natürlich nicht verfügbar sind. Die gesammelten Daten liegen allerdings nicht – wie von Skeptikern vermutet – in China, sondern auf einem Server in Frankfurt.
Die Preisliste des Ora Funky Cat, der bereits bei den derzeit 150 Händlern bestellbar und sofort verfügbar ist, beginnt bei 38.990 Euro. Vergleicht man die Einstiegspreise, ist der Funky Cat zwar günstiger als der Platzhirsch VW mit dem ID 3 (rund 44.000 Euro), aber teurer als der chinesische Konkurrent MG 4 Electric (rund 32.000 Euro).
Ambitionierte Pläne
An ihm wird sich der Funky Cat allerdings ein Stück weit messen lassen müssen. Denn Ora will mit seinem ersten Modell in diesem Jahr gleich mal das meistverkaufte chinesische Auto in Deutschland stellen. Die offizielle Planung liegt bei 6.000 Neuzulassungen. Der Hersteller will bei Bedarf aber weitere Autos liefern. Und so hört man dann, dass die Verantwortlichen eher mit 9.000 oder bei Verfügbarkeit sogar noch mehr Auslieferungen rechnen.
Insgesamt dürfte Ora beim Absatz dann schnell fünfstellig werden, denn das nächste Modell, eine Limousine, kommt im zweiten Halbjahr 2023 auf den Markt. 2024 sollen dann zwei SUVs die Palette ergänzen und bei den dann rund 200 Händlern zu kaufen sein.