Fall um ramponierten Tesla wird zur Schlammschlacht

Sixt wittert Rufmordkampagne, Vermieter schlägt zurück

| Autor: Christoph Seyerlein

Im Zentrum des Streits: ein Tesla Model X.
Im Zentrum des Streits: ein Tesla Model X. (Bild: Tesla)

Der Streit um ein angeblich von Daimler ramponiert an den Besitzer zurückgegebenes Tesla Model X spitzt sich weiter zu. Am Mittwochnachmittag meldete sich Sixt zu Wort. Der Vermiet-Gigant hatte das Auto beim Unternehmen Elektromotron angemietet und dann an Daimler vermittelt. In einer Pressemitteilung erhebt Sixt schwere Vorwürfe gegen die kleine Leihwagen-Firma und deren Besitzer Manfred van Rinsum. Der Unternehmer selbst setzte sich auf Nachfrage von »kfz-betrieb« zur Wehr.

Zuvor hatte Sixt mitgeteilt, van Rinsum wolle sich offensichtlich mithilfe der Medien an dem Fall bereichern – auch auf Kosten einer Rufschädigung von Sixt. Diese derbe Anschuldigung versuchen die Münchner in ihrer Stellungnahme mit mehreren Punkten zu untermauern.

Tesla Model X 100 D: Elektrisierende Unvernunft

Beispielsweise könne „keine Rede“ davon sein, dass das Fahrzeug von dem Sixt-Kunden – der Vermieter hat Daimler bis heute nicht offiziell als Mieter genannt – „geschrottet“ worden sei. Die Behauptung van Rinsums, an dem Auto sein ein Schaden von mehr als 80.000 Euro entstanden, sei schlichtweg falsch. Die Dekra, auf dessen Gutachten sich auch der Vermieter berufen hatte, hätte den Schaden auf „lediglich rund 15.700 Euro“ beziffert. Diese Summe habe Sixt Elektromotron zusammen mit den Gutachterkosten und dem Fahrzeug-Minderwert binnen weniger Tage erstattet. Insgesamt habe man 18.500 Euro an das Unternehmen in Oettingen gezahlt, sagt Sixt.

Van Rinsum bestätigte gegenüber »kfz-betrieb«, dass es sich bei den viel zitierten 83.523,35 Euro nicht um die im Dekra-Gutachten festgestellte Schadenssumme handele. Das habe er gegenüber den Medien aber auch nie behauptet. Die Summe käme aber anhand von Folgeschäden – beispielsweise ging nach van Rinsums Schilderung nach dem Dekra-Gutachten der Antrieb des Model X kaputt – und Posten für Mietausfälle und „artfremde Nutzung“, wie etwa dem Fahren auf Teststrecken zurück. Ebenfalls habe er dem Konzern in Rechnung gestellt, dass das Auto nach seinen Informationen – van Rinsum überwacht den Standort seiner Fahrzeuge über GPS-Sender – bei der Firma Evomotiv in Weissach zerlegt und wieder zusammengebaut worden war.

Im Vertrag mit Sixt, den van Rinsum »kfz-betrieb« einsehen ließ, hatte der Vermieter klargestellt, dass er pro „Missachtungsfall“ eine Kostenpauschale von 1.000 Euro in Rechnung stelle. Zu jenen Fällen zählt van Rinsum laut Vertrag unter anderem „die Beteiligung an motorsportlichen Veranstaltungen und Fahrzeugtests“ sowie „die Beteiligung an Veranstaltungen, die der Erzielung von Hoch- und Höchstleistungen dienen.“

Sixt unterstellt van Rinsum dagegen, „völlig willkürliche Positionen“ in Rechnung gestellt zu haben. Auch zu den vertraglichen Einzelheiten erzählt Sixt eine komplett konträre Geschichte: „Allen Beteiligten bei diesem Vorgang – und damit auch Elektromotron – war im Übrigen klar, dass das von Sixt an den industriellen Kunden vermietete Fahrzeug zu Vergleichs- und Testzwecken eingesetzt werden würde“, heißt es in der Pressemitteilung des Vermiet-Konzerns. Dem widerspricht van Rinsum vehement. „Das ist eine schamlose Lüge. Dass es keine Fahrzeugtests und Fahrten auf Rennstrecken gibt, war Grundvoraussetzung für das Geschäft.“ Er überlege deshalb nun ernsthaft, eine Strafanzeige gegen den Konzern zu stellen, so van Rinsum.

Seine Version sieht der Unternehmer außerdem durch E-Mails an den Sixt-Mitarbeiter untermauert, mit dem er den Deal abgeschlossen hatte. Van Rinsum gewährte auch darin »kfz-betrieb« Einsicht. Der Sixt-Mitarbeiter hatte dort unter anderem geschrieben: „Das Fahrzeug wird vom 10.07. bis 25.08. benötigt und es werden ca. 1.500 km gefahren.“ Van Rinsum hatte daraufhin geantwortet: „Wir hatten schon über diverse Rückfragen zur Nutzung wegen der recht niedrig zu erwartenden Fahrleistung (die bei uns unbegrenzt ist) gesprochen und gehen nach Ihrer Information davon aus, dass das Fahrzeug nicht „artfremd“ (also z.B. außergewöhnliche Belastungen oder für Tests) verwendet wird und auch nicht technisch irgendwie 'verbastelt' oder 'zerlegt' wird.“

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