Fiat: Der Twinair-Motor wird erwachsen

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Eine neue 105-PS-Variante des Twinair-Zweizylinders treibt den Fiat 500 L an. Den Minivan gibt es außerdem mit einem ebenso starken 1,6-Liter-Diesel.

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Knutschkugel in groß: der Fiat 500 L.
Knutschkugel in groß: der Fiat 500 L.
(Foto: Rosenow)

Der kleinste Motor auf dem europäischen Automarkt bekommt mehr Leistung: Fiat hat in dieser Woche im französischen Cannes eine neue Variante des Twinair-Zweizylinders vorgestelllt, die 77 kW/105 PS leistet. Sie kommt zunächst im noch taufrischen Minivan 500 L auf den Markt. Gleichzeitig implantiert Fiat auch eine überarbeitete Version des 1,6-Liter-Diesels mit ebenfalls 105 PS in den 500 L.

Der Zweizylinder-Ottomotor Twinair ist ein extremes Beispiel für Downsizing. Aus nur zwei Zylindern und gerade einmal 875 Kubikzentimetern Hubraum generiert er Leistungsdaten, die einem traditionellen 1,6-Liter-Vierzylinder entsprechen. Das maximale Drehmoment etwa beträgt 145 Newtonmeter bei 2.000 min-1.

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Um diese Werte zu erreichen, verwendet Fiat die hauseigene elektrohydraulische Ventilsteuerung namens Multiair und einen Turbolader. Durch die geringe innere Reibung des Zweizylinders und die gute Verbrennungssteuerung dank Multiair liegen die Verbrauchswerte auf dem Prüfstand auf dem Niveau eines Dieselmotors: Im NEFZ-Durchschnitt soll der Fiat 500 L Twinair 4,7 Liter Benzin auf 100 Kilometern verbrennen – das entspricht einer CO2-Emission von 112 Gramm pro Kilometer.

Mit Multiair lassen sich die Einlassventile nicht nur in Hub- und Schließzeiten variabel steuern, sondern auch mehrmals pro Arbeitstakt öffnen oder schließen. Diese Möglichkeiten nutzt Fiat aus, um eine interne Abgasrückführung zu realisieren sowie bei Teillast die Menge des angesaugten Gemischs zu verringern. Das geschieht durch den sogenannten Atkinson-Zyklus, das verspätete Schließen der Einlassventile.

Zusätzlich hat der Hersteller bei der jüngsten Twinair-Version den Abgaskrümmer in den Zylinderkopf integriert, wo er gekühlt werden kann. Das schützt den Turbolader bei Volllast vor hohen Temperaturen, weswegen weniger Kraftstoff zur Innenkühlung eingesetzt werden muss.

Außer geringen Verbrauchsangaben weist der Twinair auch sauberes Abgas auf, weswegen ihn Fiat schon nach der kommenden Abgasnorm Euro 6 homologiert hat.

Im 500 L muss der Twinair hart arbeiten

Trotz aller Features ist der Abstand zwischen den Prüfstandswerten und dem Alltagsverbrauch beim Twinair weiterhin groß. Das liegt daran, dass der Fahrer den Zweizylinder tendenziell hochtouriger fährt als andere Motoren, weil er bei niedrigen Drehzahlen wenig Laufkultur und Drehmoment besitzt.

Bei den Testfahrten, die überwiegend in dichtbesiedeltem Gebiet oder auf der Autobahn stattfanden, zeigte der Bordcomputer Werte zwischen 7,5 und 8,5 Liter an.

Es wurde auch deutlich, dass der Twinair, der sich in kleineren Autos wie dem 500 oder dem Alfa Mito als charakterstarker Freudenspender präsentiert hat, im mindestens 1.335 Kilogramm schweren Familienauto 500 L an seine Grenzen kommt. Um den Viertürer flott zu beschleunigen, braucht er Drehzahlen. Aktiven Fahrern, die fleißig das serienmäßige Sechsganggetriebe einsetzen, dürfte diese Auslegung freilich Spaß machen – zumal der Twin dabei so herrlich sportlich vor sich hin röhrt.

Trotz auf dem Papier gleicher Leistung zeigte sich bei den Testfahrten an der Cote d'Azur der 1,6-Liter-Diesel als deutlich souveränere Antriebsquelle.

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