Doch es braucht nicht viel, dann wird dieses Lüftchen zu einem Orkansturm. Denn wehe, man dreht an den beiden Schaltern auf der Mittelkonsole. Im Sport- und erst recht im Track-Modus zeigt der McLaren sein wahres Gesicht. Die Drehzahlen schnellen bis weit in die 8.000er, jeder Gangwechsel fühlt sich stark und schnell an wie der Tritt eines Karate-Kämpfers und der Motor brüllt selbst die innere Stimme nieder, die den Fahrer vergebens zur Vernunft mahnt.
328 km/h Spitze
Zu verführerisch ist die Selbstverständlichkeit, mit der sich die 1,3 Tonnen leichte Karbonflunder in 3,1 Sekunden auf Tempo 100 und in neun Sekunden auf 200 km/h katapultieren lässt, zu spektakulär ist die Leichtigkeit, mit der sich der Wagen durch die Schikanen wedelt und zu faszinierend die Präzision, mit der er sich an die Ideallinie heftet: Die Formel1-Technik macht die Jagd nach der Bestzeit zum Kinderspiel und weckt in jedem von uns einen kleinen Lewis Hamilton. Und wer genügend Mut hat und eine hinreichend lange Gerade findet, ist mit 328 km/h sogar schneller als mancher Formel1-Pilot.
Dass bei derartigen Spielen die teuren 20-Zöller auf der Hinterachse schneller in Rauch aufgehen als die später die Zigarre im Drivers Club und der Bordcomputer dann locker mal einen Verbrauch von 20 Litern anzeigt – wenn juckt das schon in dieser Liga. Bei maximal 2.000 Autos im Jahr können selbst Klimaschützer gelassen bleiben. Außerdem ist der Wagen mit 11,7 Litern zumindest im Normzyklus vergleichsweise sparsam.
So spektakulär die Fahrleistungen und so raffiniert die Technik, so zurückhaltend ist das Design: Nicht dass es ihm an Sportlichkeit mangeln würde, und zumindest die auch für den Roadster übernommenen Flügeltüren sorgen vor dem Casino von Monte Carlo oder jedem Nobelhotel zwischen Moskau und Miami für den richtigen Showeffekt. Doch wo andere Sportwagen dieses Kalibers aggressiv und provozierend wirken, bleiben die Briten höflich und zurückhaltend. Einzig die riesigen Kiemen an der Flanke, die unkonventionellen Endrohre auf Hüfthöhe, der ausklappbare Spoiler vom Format eines Bügelbretts und natürlich und das fürs Open-Air-Modell gerettete Fenster zum Motorraum im Heck lassen vermuten, welch heißes Herz unter der kühlen Hülle aus lackiertem Karbon schlägt.
Natürlich gibt es günstigere Zeiten für die Premiere eines Spiders als den nasskalten Herbst. Doch das Open-Air-Modell ist selbst mit geschlossenem Dach das bessere Auto. Nicht nur, weil man zumindest immer noch die versenkbare Heckscheibe öffnen kann und es sich danach anhört, als sitze man mitten drin im Motorraum.
Mehr Stauraum als im Coupé
Sondern weil der Wagen in diesem Fall sogar mehr Stauraum bietet als das Coupé: Zu den mageren 144 Litern vorn unter der Haube kommen dann noch einmal 52 Liter im Verdeckkasten, der auf Knopfdruck aufspringt. Und mit ein bisschen Glück passen in die beiden maßgeschneiderten Taschen, die McLaren für dieses Staufach mitliefert vielleicht nicht gerade zwei Paar Skistiefel – aber die Winterstiefel und die Daunenjacke bekommt man da locker rein.
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