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Gewerbekunden verhindern Absturz des Neuwagenmarktes

Autor: Andreas Grimm

Der Rückgang der Neuzulassungen im Januar geht wesentlich auf die zurückhaltende Entwicklung im Privatkundengeschäft zurück. Doch auch die Händler agierten vorsichtig mit Eigenzulassungen – wahrscheinlich aus gutem Grund.

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(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Der Einbruch der Neuzulassungen um 7,3 Prozent im Januar kam nicht überraschend. Hinter der Zahl verbirgt sich laut einer Analyse der Marktforschung Dataforce jedoch eine deutliche Verschiebung zwischen den klassischen Abnehmern, den Privatkunden und Gewerbekunden. Während erstere deutlich seltener zu den Zulassungsämtern marschierten, weitere sich das Gewerbekundengeschäft sogar noch aus.

Der Flotten- und Firmenkundenmarkt übertraf mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 69.492 Einheiten leicht das Vorjahresergebnis und setzte seine Serie an monatlichen Zuwächsen weiter fort. Insgesamt hat dieses Marktsegment nun in 13 aufeinanderfolgenden Monaten zugelegt. Allein auf den Januar bezogen ist der Flottenmarkt nun das siebte Jahr in Folge gewachsen – und hat damit im laufenden Jahr einen neuen Monatshöchststand erreicht.

Komplett anders entwickelte sich das Privatkundengeschäft. In diesem Segment stürzten die Zulassungszahlen um 11,6 Prozent regelrecht ab. 77.799 Neuwagen wurden von privat neu angemeldet. Doch nicht allein der Rückgang ist bemerkenswert: Vielmehr nähern sich die Zulassungszahlen der beiden großen Absatzkanäle – privat und gewerblich – immer weiter an. Lag Marktanteil von Gewerbekunden (23,8 %) und Privatkunden (35,1 %) vor zwei Jahren noch gut 11 Prozentpunkte auseinander, sind es im Januar 2020 nur noch 3,4 Prozent. Derzeit ist das Verhältnis 28,2 Prozent (gewerblich) zu 31,6 Prozent (privat).

Allerdings spielen in die Januar-Zahlen sicherlich die erhöhten Eigenzulassungen zum Jahresende hinein, die nun als junge Gebrauchte vom Privatmarkt aufgenommen werden – die Zahl der Besitzumschreibungen ist im Januar auch deutlich gestiegen. Gleichwohl untermauert der stabile Gewerbekundenmarkt die Annahme von Dataforce-Geschäftsführer Marc Odinius, dass die Firmenkunden-Nachfrage im Jahresverlauf die Neuzulassungszahlen tendenziell stabilisieren wird.

Der Zulassungsrückgang im Januar geht allerdings nicht allein auf das Konto der Privatkunden. Wie die Dataforce-Auswertung weiter zeigt, haben sich auch die Hersteller und Händler merklich mit den taktischen Zulassungen zurückgehalten. Die Eigenzulassungen im Fahrzeugbau sanken dabei um 18,5 Prozent, der Fahrzeughandel ließ 6,6 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat zu. Insgesamt kamen auf diese Weise 72.932 Fahrzeuge kurzzeitig in den Verkehr. Das waren 29,6 Prozent aller Neuzulassungen.

Eher stabil entwickelte sich die Nachfrage der Autovermieter. Mit einem Rückgang der Neuzulassungen um 3,7 Prozent entwickelte sich dieser Kanal besser als der Gesamtmarkt. Der leichte Rückgang ist die beste Entwicklung im Januar nach dem Firmenkundensegment.

Privatkunden stehen auf Transporter

Einen etwas anderen Befund hat Dataforce für den Transportermarkt vorgelegt. In dieser Sonderauswertung beleuchtet die Marktforschung die Entwicklung der leichten Nutzfahrzeuge und Utilities. Insgesamt hat sich dieser Markt im Januar um 2,4 Prozent rückläufig entwickelt. Auffällig ist dabei vor allem das Privatkundengeschäft, das allerdings um 4,8 Prozent zulegte. Daneben orderten auch Geschäftskunden 4,3 Prozent mehr Transporterfahrzeuge.

Dass der Transportermarkt dennoch rückläufig war, liegt an den Sonderabnehmern, die durch die Bank die Zulassungen stark zurückfuhren, am stärksten die Autovermieter (-26,0 %). Doch auch die Händler (-19,5 %) und die Hersteller (-18,2 %) reduzierten ihre Zulassungen jeweils um knapp ein Fünftel.

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«