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Hahn-Gruppe schafft den Turnaround zum Sieg

Autor: Jan Rosenow

Das Fellbacher Traditionsunternehmen Hahn steckte in der Krise. Doch mit moderner Kundenansprache und eigenen Service-Ideen hat sich der VW-Händler neu erfunden und gewinnt den Service Award 2014.

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Mit stolzgeschwellter Brust: Hahn ist Sieger beim Service Award 2014!
Mit stolzgeschwellter Brust: Hahn ist Sieger beim Service Award 2014!
(Foto: Rosenow)

Darf ein solides schwäbisches Familienunternehmen, 1919 gegründet und seit Jahrzehnten Partner des seriösen Volkswagen-Konzerns, plötzlich ein Logo haben, das wie ein Tattoo aussieht, einen englischsprachigen Slogan verwenden und ein gerapptes Image-Video bei Youtube hochladen? Aber sicher doch! Langweilige Autohändler gibt es schließlich genug. Und der Erfolg, den das Unternehmen bei den Servicekunden hat, spricht für sich. Mit zielgenauen Angeboten, hoher Arbeitsqualität und echter Kundenorientierung hat es Hahn Automobile auf das oberste Treppchen beim Service Award 2014 geschafft.

Die Hahn-Gruppe ist mit 1.300 Mitarbeitern an 26 Standorten rund um Stuttgart einer der ganz großen Autohändler Süddeutschlands. Die Verbindung zu VW ist übrigens schon älter als der Wolfsburger Hersteller selbst. Fritz Hahn, Sohn des Gründers Ernst Hahn, war ein Mitarbeiter von Ferdinand Porsche und wirkte an der Entwicklung des Volkswagens und später des Porsche 356 mit. Wer weiß, ob es VW ohne Hahn überhaupt geben würde?

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Als sein Vater Mitte der vierziger Jahre aus gesundheitlichen Gründen zurückstecken musste, übernahm der brillante Techniker die Geschäfte. Doch auch Fritz Hahn verstarb relativ jung, sodass sein Sohn Otto Ende der sechziger Jahre in die Verantwortung ging und das Unternehmen zu einem der größten deutschen VW-Händler ausbaute. Er führte die Gruppe jahrzehntelang und war auch in vielen Verbands- und Ehrenämtern aktiv; doch gegen Ende seines Wirkens geriet er in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die durch die allgemeine Wirtschafts- und Finanzkrise noch verstärkt wurden.

Mit dem Übergang der Geschäftsführung auf die vierte Familiengeneration 2009 fand der heutige Inhaber Steffen Hahn ein Unternehmen vor, das „nicht optimal auf die aktuellen und kommenden Herausforderungen ausgerichtet war“, wie er damals gegenüber »kfz-betrieb« sagte. Deshalb initiierte er ein großes Restrukturierungsprogramm, um den Familienkonzern wieder auf Kurs zu bringen. Fünf Jahre später kann man sagen: Es hat funktioniert. Hahn präsentiert sich als moderne, dynamische Firma, die sich ihrer regionalen Verwurzelung und Verantwortung bewusst ist, aber trotzdem ganz Europa zu ihrem Spielfeld erklärt hat.

„Anders sein. Besser sein. Hahn sein“

„Best in Town“ lautet die selbstbewusste Ansage, die auf allen Werbemitteln prangt – aber die auch erst einmal mit Leben gefüllt werden muss. Dementsprechend setzt sich das Unternehmen – namentlich das Serviceteam unter Leitung von Andreas Muthig – hohe Ziele: Die Kundenzufriedenheit aller Standorte soll über dem Bundesdurchschnitt liegen, mindestens zwei sogar in den Top 20 sein. Und das vor dem Hintergrund, dass sich Riesenfirmen mit diesem Thema prinzipiell schwerer tun als kuschelige Familienunternehmen.

Service Award 2014: Prämierte Leistung
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Mit seinen Budgets und Möglichkeiten kann Hahn dafür die gesamte Marketing-Klaviatur bespielen. So werden zum Beispiel Sendungen des regionalen Fernsehsenders auf einer Präsentationsfläche des Verwaltungsgebäudes in Fellbach produziert und aufgezeichnet – das Hahn-Logo stört dabei ja nicht. Und dass der Betrieb bei Events und Festen die legendäre Original-VW-Currywurst mit Original-VW-Ketchup aus der Wolfsburger Kantine anbieten kann, ist ebenfalls ein witziges Detail mit Markenbindungspotenzial.

Zielgruppenorientierte Ansprache

Seine Angebote hat Hahn auf einem eigenen Serviceportal im Internet zusammengefasst, das die Kunden zudem je nach Zielgruppe gesondert anspricht. So gibt es spezielle Offerten für Jugendliche, für Familien mit Kindern oder für Frauen. Und sogar für Männer! Danke – das traut sich sonst kaum jemand. Als Lockmittel für die Kunden dienen nicht die klassischen Sonderangebote oder Rabatte für Arbeiten am Auto (beispielsweise „zehn Prozent auf den Ölwechsel“, den der Fahrzeugbesitzer im Moment vielleicht gar nicht braucht), sondern Gutscheine für externe Anbieter wie Baumärkte, Tankstellen oder Parfümerien. Davon hat der Kunde sofort etwas. Dass sich mit dieser Marketingpower und den dahinterstehenden Ideen steigende Verkaufszahlen ergeben, erscheint da fast zwangsläufig. Ob die Zahl der Serviceaufträge, der verkauften Stunden, Reifen oder Liter Öl, die Zufriedenheitswerte oder die Zahl der eingelagerten Rädersätze – alle Kennwerte sind in den letzten Jahren gestiegen.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group