Einerseits Rekorderlöse, andererseits Rückgänge bei der Verkaufserlösen. Wie das bei Oldtimerauktionen im Hochpreissegment zusammenpasst, ordnet Frank Wilke von Classics Analtyics ein.
Der Concours d'Élégance in Pebble Beach ist einer der Höhepunkte der zehn Tage andauernden Oldtimer-Megaschau „Monterey Car Week“.
(Bild: Classic Analytics)
Die Zahlen liegen vor, und 2026 hat Geschichte geschrieben. Doch ein genauer Blick auf die Details lohnt sich. Die Gesamtverkäufe in Monterey erreichten mit 747.900.000 Dollar einen neuen Allzeitrekord und übertrafen sogar den pandemiebedingten Boom von 2022. Hinter der Schlagzeile verbirgt sich jedoch ein komplexeres Bild: „Noch nie war der Markt so stark gespalten zwischen den Fahrzeugen, die Sammler unbedingt haben wollten, und jenen, für die sie sich kaum interessierten“, erklärt Frank Wilke, Geschäftsführer von Classic Analytics. Und diese Ergebnisse dokumentieren besagten Allzeitrekord:
Außergewöhnliche Fahrzeuge erzielten Rekordpreise, während viele leichter ersetzbare Modelle zu Preisen unterhalb ihres zustandsangemessenen Werts verkauft wurden.
Moderne Supersportwagen übertrafen die Erwartungen und machten in den drei führenden Segmenten mehr als zwei Drittel des Umsatzes aus.
Vorkriegsfahrzeuge gewannen wieder etwas Marktanteil. Angeführt wurde das Segment von einem Duesenberg Model JN aus dem Jahr 1935 für 9.100.000 Dollar – dem dritthöchsten jemals für einen Duesenberg erzielten Preis.
Amerikanische Fahrzeuge der 60er-Jahre erzielten einige herausragende Ergebnisse: Ein Shelby Cobra Daytona Coupé von 1964 wurde für 42.900.000 Dollar verkauft – ein Rekord für ein amerikanisches Automobil. Eine Chevrolet Corvette Grand Sport von 1963 erzielte 18.700.000 Dollar und damit einen neuen Rekord für eine Corvette.
Der mit großer Spannung erwartete McLaren F1 GTR von 1996 wurde für 34.700.000 Dollar verkauft – ein Auktionsrekord für ein britisches Automobil.
Mit Gesamtverkäufen von 747.100.000 Dollar über drei Tage und fünf Auktionshäuser hinweg übertraf 2026 den bisherigen Monterey-Rekord aus dem Jahr 2022 deutlich. „Doch dieser Rekord muss im richtigen Kontext betrachten. Eine Handvoll außergewöhnlicher, nahezu unersetzlicher Fahrzeuge erzielte enorme Summen und trieb das Gesamtergebnis stark nach oben, während ein breites Spektrum gewöhnlicherer Angebote unauffällig hinter den Erwartungen zurückblie“, ordnet Frank Wilke ein.
Der Markt entspricht der Form eines „K“
Die deutlichste Entwicklung des Jahres 2026 war die weitere Zuspitzung des K-förmigen Marktes. Am oberen Ende des K erzielten moderne Ferrari-Modelle mit geringen Stückzahlen – insbesondere jene mit Ikonenstatus unter den treuesten Sammlern der Marke – Preise, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wären. Für ernsthafte Ferrari-Enthusiasten geht es beim Besitz eines solchen Fahrzeugs nicht nur um das Auto selbst; er signalisiert zugleich Verbundenheit mit der Marke und stärkt die Position des Eigentümers, wenn Ferrari sein nächstes ultra-exklusives Modell zuteilt. Diese Dynamik sorgte zusätzlich zum ohnehin starken Sammlerinteresse für eine strategisch motivierte Nachfrage und ließ die Ergebnisse deutlich über die Schätzwerte steigen. So wurde ein Ferrari 288 GTO für den Rekordpreis von 11.600.000 Dollar verkauft, ein F40 für den Rekordpreis von 8.400.000 Dollar und ein F50 für den Rekordpreis von 14.600.000 Dollar.
Am unteren Ende des K fiel die Bilanz deutlich weniger erfreulich aus. Die zahlenmäßig größten Einlieferungsgruppen der Auktionen waren Fahrzeuge aus den 50er- und 60er-Jahren; zusammen stellten sie mehr als ein Drittel aller Lose. Zugleich waren dies die einzigen beiden Jahrzehnte, bei denen der Median der Endpreise unter dem im Classic-Analytics-Price-Guide ausgewiesenen Wert entsprechend des Zustands lag. Fahrzeuge aus den 1980er- bis 2020er-Jahren, darunter moderne Supersportwagen, erzielten dagegen im Median Aufschläge von 31 bis 38 Prozent. Die Botschaft der Bieter war eindeutig: Es gibt hier keinen allgemeinen Aufwärtstrend, der alle Fahrzeuge mitzieht. Jedes Auto muss sein Ergebnis für sich selbst erzielen, und Bekanntheit allein erzeugt noch keine Nachfrage.
Vorkrieg ist nicht tot
Moderne Supersportwagen stellten innerhalb der drei Tage mehr als ein Dutzend Rekorde auf; manche davon hielten nur einen Tag oder sogar kürzer, bevor sie erneut gebrochen wurden. Ferrari-Supersportwagen erzielten mehrere Bestmarken: 288 GTO, F40 und F50 erreichten jeweils neue Höchstwerte. Auch Lamborghini stellte Rekorde auf – ein Countach LP400S wurde für 2.400.000 Dollar verkauft, ein Murcielago LP640 von 2010 für 3.100.000 Dollar. Weitere Rekordfahrzeuge reichten vom McLaren F1 GTR über den Bugatti Veyron Grand Sport bis zum Hennessey Venom F5.
Vorkriegsfahrzeuge sorgten für einige der überraschendsten Momente der Woche. Das Duesenberg Model JN Rollston Convertible Coupe von 1935 wurde bei RM Sotheby's für 9.080.000 Dollar verkauft – der dritthöchste Preis, der jemals für einen Duesenberg gezahlt wurde. Auch ein Packard 1108 Twelve von 1934 erzielte mit 4.300.000 Dollar einen neuen Markenrekord. Vor zwanzig Jahren bestand der überwiegende Teil der Verkäufe bei den Monterey-Auktionen aus Fahrzeugen dieser Art. Ihr Anteil an den Verkäufen ist seither kontinuierlich gesunken: Zunächst rückten Ferrari-Modelle aus der Enzo-Ära in den Mittelpunkt, heute sind es moderne Supersportwagen. Die Verkäufe der besten Vorkriegsfahrzeuge zeigen jedoch, dass dieses Segment weiterhin seine Anhänger hat und künftig wieder Marktanteile gewinnen könnte. Für den richtigen Käufer erzielen frühe Automobile nach wie vor hohe Summen – allerdings nur dann, wenn Provenienz und Zustand über jeden Zweifel erhaben sind.
Stand: 08.12.2025
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2026: ein sehr gutes Jahr
Auch das Segment der 60er-Jahre, seit Langem eine verlässliche Säule der Monterey-Ergebnisse, sorgte für Schlagzeilen. Ein Shelby Cobra Daytona Coupé von 1964 wurde für 42.900.000 Dollar verkauft und stellte damit einen Rekord für ein amerikanisches Automobil auf. Eine Chevrolet Corvette Grand Sport von 1963 erzielte 18.700.000 Dollar – ein Rekord für eine Corvette. Zusammengenommen bestätigten diese Ergebnisse, dass Fahrzeuge dieses Jahrzehnts weiterhin intensiv gesammelt werden – doch auch hier zeigte sich die K-förmige Marktstruktur. Ikonische, in kleinen Stückzahlen gebaute Fahrzeuge der 60er-Jahre sorgten für lebhafte Gebote. Die im Classic-Analytics-Price-Guide erfassten Fahrzeuge der 60er-Jahre (ohne Cobra Daytona Coupé) wurden jedoch im Median 6,2 Prozent unter dem ihrem Zustand angemessenen Wert verkauft.
Die zehn höchsten Verkäufe dieses Jahres erstreckten sich über fünf Jahrzehnte und vier Marken; sieben der zehn Fahrzeuge waren Ferraris. Während Hypercars und exotische Vorkriegsfahrzeuge um die Schlagzeilen konkurrierten, blieb das Cavallino Rampante die bestimmende Konstante der Woche. „Nachdem Monterey nun hinter uns liegt und die nächsten großen Auktionen erst im Januar stattfinden, hat der Markt Zeit, die Erkenntnisse des Jahres 2026 einzuordnen. Das Rekord-Gesamtergebnis wird Schlagzeilen machen – und das zu Recht. Die nachhaltigere Erkenntnis ist jedoch struktureller Natur: Der Markt für Sammlerfahrzeuge trennt immer schärfer zwischen dem Unersetzlichen und allem anderen. Ist ein Fahrzeug einzigartig, bleibt 2026 ein sehr gutes Jahr. Ist es das nicht, war der Auktionssaal in Monterey ein deutlich weniger erfreulicher Ort“, fasst Frank Wilke zusammen.
Classic Business Day | 18. November 2026
Autos von gestern, Geschäft für morgen: Die Fachtagung für Young- & Oldtimer
Das Expertenmeeting zum Handel mit historischen Fahrzeugen bietet Profis wie auch Einsteigern umfassende Experteneinblicke. Im Fokus stehen diesmal drei große Themen, zu denen es Vorträge sowie eine Diskussionsrunde geben wird: Additive Fertigung (3D-Druck), Smart Repair sowie Reifen & Räder. Veranstaltungsort ist 2026 das Autohaus Hagenlocher in Böblingen.
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