HU-Scheinwerferrichtlinie: Jetzt wird's ernst

Ausnahmen nur im geprüften Einzelfall möglich

| Autor: Steffen Dominsky

Seit Ende Dezember wächst die Zahl an DAkkS-akkreditierten Anbietern für die Abnahme von Scheinwerferprüfplätzen.
Seit Ende Dezember wächst die Zahl an DAkkS-akkreditierten Anbietern für die Abnahme von Scheinwerferprüfplätzen. (Bild: Dominsky)

Kaum ein anderes Thema erhitzt in letzter Zeit so sehr die Gemüter in der Servicebranche wie die Verkehrsblattverlautbarung Nr. 14/2014, sprich die neue HU-Scheinwerferprüfrichtlinie. Ein Grund dafür, dass zahlreiche Prüfstützpunkte und Prüfplätze bis heute nicht über einen normkonform kalibrierten Scheinwerferprüfplatz verfügen: Es mangelte massiv an Unternehmen, die solch einen Prüfplatz abnehmen können. Mit Ausnahmen der bekannten Prüfgesellschaften, allen voran der Dekra und den TÜVs, gab es lange Zeit keinen weiteren freien Anbieter.

Doch damit ist seit Kurzem Schluss: Wenige Tage vor Weihnachten erhielt die ESZ AG, das nach eigenen Angaben größte Kalibrierlabor Europas, als erstes Unternehmen hierzulande die offizielle Zulassung für Prüfungen dieser Art durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS). Gleichzeitig erhielt auch der TÜV Rheinland, der sich ebenfalls frühzeitig um eine DAkkS-Anerkennung bemüht hat, die entsprechende Urkunde und darf nun Prüfplätze gemäß DIN ISO 17025 abnehmen. Genau die braucht der, wer Scheinwerferprüfplätze seit 1. Januar abnehmen möchte und a) kein Überwachungsorganisation ist oder b) als solche dies bei Prüfstützpunkten tun möchte, an denen eine andere Organisation prüft.

TAK steht bereits in den Startlöchern

Ebenfalls mit einer kurz bevorstehenden Anerkennung durch die DAkkS rechnet auch die TAK Cert, eine Tochter der Bildungseinrichtung des Kfz-Gewerbes, die eigens für die Abnahme von Scheinwerferprüfplätzen und Bremsprüfständen gegründet wurde. „Der DAkkS liegen alle notwendigen Informationen von TAK Cert vor“, erläutert Rüdiger Semper auf Anfrage von »kfz-betrieb«. Der Geschäftsführer der TAK Cert ist zuversichtlich, bald grünes Licht zu bekommen: „Wir hoffen, dass wir bis Mitte Januar eine Akkreditierung erhalten.“ Ab dann können auch von der TAK Cert geschulte Personen der Kfz-Innungen und Landesverbände Mitgliedsbetrieben entsprechende Abnahmen anbieten.

Dass es eine wie vielfach geforderte oder erhoffte Fristverlängerung nicht geben wird, Stand Ende 2017 bereits fest. Fest stand dabei aber auch – siehe »kfz-betrieb«-Ausgabe 51-52/2017 – dass die jeweiligen Landesbehörden individuelle Ausnahmen von dieser Regelung erteilen werden. Sprich, sie untersagen seit letzter Woche einer Werkstatt den Betrieb als HU-Prüfstützpunkt auch dann nicht, wenn der Scheinwerferprüfplatz noch nicht den Vorschriften entspricht. Leider gibt es hier, dem deutschen Föderalismus sei Dank, keine bundeseinheitliche, sondern eben nur eine länderindividuelle Regelung.

Je nach Bundesland unterschiedliche Ausnahmen

Wie sich die Betriebe verhalten sollen, wenn sie weiterhin eine AU im eigenen Hause anbieten möchten, ihr Platz aber in 2017 nicht abgenommen wurde oder dies unmittelbar für 2018 turnusmäßig bevorsteht, verraten im folgenden die Aussagen der entsprechenden Landesbehörden. Fein raus sind, wenn man so will, unter Umständen Werkstätten in Rheinland-Pfalz: Hier bekommen die, die ihren Geschäftsbetrieb bis 31.12.2019 einstellen, einen Persilschein. Sie brauchen sich um den akkreditierten Kalibriernachweis keine Sorgen zu machen: Das zuständige Ministerium verlangt ihn schlichtweg nicht – eine Stückprüfung reicht hier aus.

Vernünftig scheint in dieser Hinsicht auch ein Rat des Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, worauf der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hinweist: Dieses rät Kfz-Betrieben, sie sollten „die vom Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe betriebene Datenbank www.pspdb.de nutzen und die eingesetzten Prüfmittel wie Bremsprüfstände, Scheinwerfereinstellprüfsysteme sowie AU-Geräte im Wege der Selbstauskunft melden und entweder die Dokumente über bereits von akkreditierten Prüfern durchgeführte Stückprüfungen und Kalibrierungen oder die Nachweise über entsprechende Prüfaufträge elektronisch hinterlegen.“

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45072232 / Service)

Plus-Fachartikel

Nicht alle sagen Adieu zum Diesel

Nicht alle sagen Adieu zum Diesel

Hat der Dieselantrieb eine Zukunft oder nicht? Gespräche und offizielle Verkündungen auf dem Genfer Autosalon zeigten: Die Meinungen darüber gehen bei den Herstellern und Importeuren aktuell deutlich auseinander. lesen

Neue Mobilitätskonzepte: Ich carshippe jetzt

Neue Mobilitätskonzepte: Ich carshippe jetzt

Eine Monatsrate, die alle Mobilitätskosten abdeckt, flexible Laufzeiten und das richtige Auto für jeden Zweck: Premiumhersteller tüfteln mit Hochdruck an neuen Flatrates. Aber auch freie Anbieter drängen auf den Markt – was heißt das für den Handel? lesen