Pilotprojekt Humanoide Roboter in der Serienfertigung bei BMW in Leipzig

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Bei BMW läuft ein Pilotprojekt mit humanoiden Robotern in der Serienfertigung des Werkes Leipzig. Ihre Akkus wechseln die Humanoiden dabei selbst.

BMW hat mit dem Piloteinsatz von humanoiden Robotern im Werk Leipzig begonnen.(Bild:  Die Photodesigner)
BMW hat mit dem Piloteinsatz von humanoiden Robotern im Werk Leipzig begonnen.
(Bild: Die Photodesigner)

BMW betreibt ein Pilotprojekt mit humanoiden Robotern in der Leipziger Fertigung. Die Roboter arbeiten in der Montage von Hochvoltbatterien und in der Komponentenfertigung für Exterieur-Teile. Die Bewegungsabläufe bringen ihnen die Beschäftigten im Werk bei. „Das Schöne ist, wenn wir es einem Roboter beigebracht haben, können es alle“, zitiert die Nachrichtenagentur DPA den Leiter Prozessmanagement und Digitalisierung in der Produktion, Michael Ströbel.

Werkleiterin Petra Peterhänsel betonte, dass die Roboter aber nicht die Beschäftigten ersetzen sollen. „Die Mitarbeiter müssen sich keine Sorgen machen, dass aufgrund des Einsatzes humanoider Roboter Arbeitsplätze wegfallen“, sagte sie demnach. Die Beschäftigten würden stattdessen andere Aufgaben im Werk übernehmen. Die jetzt gestartete Pilotphase will BMW bis Ende dieses Jahres abschließen. Danach sollen die Humanoiden weitere Aufgaben übernehmen, auch an anderen Standorten.

Humanoider Roboter aus der Schweiz

Den Roboter „Aeon“ liefert das in Zürich ansässige Unternehmen Hexagon Robotics. Im Juni 2025 hatte Hexagon Aeon vorgestellt. Es ist der erste humanoide Roboter des Unternehmens. Im Dezember 2025 testete BMW den Roboter in Leipzig, ein zweiter Test fand im April 2026 statt.

Das kann Aeon

Der Humanoide bewegt sich auf Rädern und mit maximal 2,4 m/s. Zum Vergleich: Menschen gehen mit etwa 1,35 bis 1,65 m/s, also etwa 4,9 bis 6 Kilometer pro Stunde. Der Roboter wiegt 60 Kilogramm und ist 1,65 Meter hoch. Die Nutzlast beziffert Hexagon Robotics auf 15 Kilogramm kurzfristig und acht Kilogramm Dauerlast. Die Akkulaufzeit beträgt laut Hersteller vier Stunden. Hand- und Greifelemente oder Scan-Werkzeuge sind laut BMW flexibel andockbar.

Akku-Selbstwechsler

Den Akku wechselt Aeon an einer Station selber. Dafür verbindet er eine Hand mit dem zu wechselnden Akku. Verbaut sind diese in zwei Schächten an der Front des Humanoiden. Der Akku gleitet heraus – der Roboter steckt ihn in einen Schacht an der Ladestation. Nächster Schritt: Aeon greift den geladenen Akku aus der Station und setzt ihn in seine Front ein. Nach 26 Sekunden ist alles erledigt.

Aeon im BMW-Werk Leipzig

Humanoide Roboter in Spartanburg

2025 hatte BMW den ersten humanoiden Roboter in einem seiner Werke. Im amerikanischen Werk Spartanburg arbeitete „Figure 02“ des Unternehmens Figure AI im Rohbau. Der Roboter entnahm Blechteile aus Kisten und positionierte diese millimetergenau in Schweißanlagen. Insgesamt bewegte der Humanoide laut BMW über 90.000 Bauteile und legte in rund 1.250 Betriebsstunden etwa 1,2 Millionen Schritte zurück.

Innerhalb von zehn Monaten baute der Roboter an mehr als 30.000 BMW X3 mit. Sein Schichtplan: Montag bis Freitag, zehn Stunden. „Der Einsatz der humanoiden Roboter stieß bei den Mitarbeitern auf großes Interesse und entwickelte sich im Projektverlauf schnell zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags“, beschrieb BMW in einer Mitteilung. Weitere Einsätze für den Nachfolger Figure 03 sind denkbar.

„Physical AI für Production“

Für den Einsatz von Physical AI, also der Kombination aus KI-Agenten und Robotern, nutzt BMW ein einheitliches IT- und Datenmodell im Produktionssystem, das auf einer Datenplattform läuft. Bedeutet: Alle Daten sind konsistent, standardisiert und jederzeit verfügbar. So können zum Beispiel KI-Agenten Aufgaben autonom und in komplexen Umgebungen übernehmen. Gleichzeitig lernen sie kontinuierlich hinzu und qualifizieren sich für weitere Einsatzbereiche.

In einem „Center of Competence for Physical AI in Production“ bündelt BMW die Expertise zu Künstlicher Intelligenz und Robotik. „Bereits in den letzten Jahren konnten wir ein internationales Expertenteam aufbauen, welches sich neben der Inhouse-Forschung und ‑Programmierung die sukzessive Integration von KI in das bestehende Produktionssystem zur Aufgabe gemacht hat“, beschreibt Felix Haeckel, Gruppenleiter des Center of Competence. Das Ziel: Pilotprojekte mit Physical AI in weiteren Werken aufsetzen und entwickeln.

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