„Jeder Tag des Lockdowns kostet den Handel bares Geld“

Autor: Christoph Seyerlein

Mit jedem neuen Tag des Lockdowns wegen der Corona-Pandemie wird die Luft für viele Autohändler dünner. DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann fordert von der Politik schnelle Maßnahmen – und rät dem Handel, sich auf verändernde Kundenbedürfnisse einzustellen.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Laut der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) sind die Folgen des Corona-Lockdowns für Autohändler pro Tag messbar. Wie das Unternehmen am Dienstag in Ostfildern mitteilte, steigen die Standtage von Gebrauchtwagen derzeit im Durchschnitt um die Zeitspanne, die die Verkaufsbeschränkungen anhalten. Jeder Tag des Lockdowns koste den Handel bares Geld, da neben dem Wertverlust durch das steigende Fahrzeugalter unter anderem auch die Finanzierungskosten der Fahrzeuge weiterliefen, hieß es weiter.

Pro Tag lägen die Kosten je Auto aktuell bei durchschnittlich 28 Euro. Kosten wie das Beseitigen der Standschäden oder die Mietkosten für die Lagerflächen fallen ebenfalls an. Je nach Fahrzeugart oder Marke können die Kosten pro Fahrzeug und Tag auch deutlich höher liegen. Zwar hätten einige Hersteller und Importeure ihren Händlern bereits Unterstützung zugesagt. Dass diese Maßnahmen alleine dem Handel ausreichen, glaubt DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann aber nicht.

„Handel steht bereits 28 Tage still“

„Bis heute, 14. April, steht der Handel inklusive der Wochenenden bereits 28 Tage still. Das bedeutet: Wenn ein Händler beispielsweise 300 Fahrzeuge im Bestand hat und seit 18. März 2020 per Gesetz keinen Vor-Ort-Handel mehr betreiben durfte, sieht er sich bis heute mit 235.200 Euro Kosten konfrontiert, ohne entsprechend agieren zu können“, so Nietzschmann.

Als ersten Schritt, um diese Situation zu verbessern, empfiehlt die DAT die Öffnung aller Zulassungsstellen. Gegenüber »kfz-betrieb« hatten zuletzt zahlreiche Händler geklagt, kaum noch Fahrzeuge zulassen zu können. Aus Nietzschmanns Sicht müsse man jenen „Zulassungsstau“ schnell beseitigen. „Wenn bereits neue Pkw in sechsstelligen Stückzahlen produziert und große Teile davon vom Handel vorfinanziert wurden, dann wäre das in höchstem Maße fahrlässig, diese herumstehenden Fahrzeuge nicht endlich zum Verkehr zuzulassen. Es ist den Zulassungsstellen zuzumuten, die hierfür notwendigen Vorsichtsmaßnahmen umzusetzen“, erklärte der DAT-Geschäftsführer.

DAT erwartet Trend zu günstigeren Gebrauchtwagen

Die DAT rechnet zudem damit, dass sich das Kaufverhalten der Konsumenten nach Ende des Lockdowns verändern wird. Je nach Kaufkraft vor Ort werden nach den Erwartungen der Daten-Spezialisten kleinere, ältere und damit günstigere Gebrauchtwagen wieder stärker gefragt sein.

Gerade die Vermarktung ins Ausland könnte unter der aktuellen Situation leiden, warnt die DAT. Bislang ließen sich Gebrauchte, die in Deutschland nicht gefragt waren, etwa Euro-5-Diesel, häufig gut ins Ausland verkaufen. Nun sind allerdings auch die dortigen Märkte von der Corona-Pandemie betroffen.

Für Händler, Hersteller und Importeure sei es deshalb wichtig, zu jeder Zeit die Entwicklung ihres in Fahrzeugen gebundenen Kapitals zu kennen, so Nietzschmann. Er ist überzeugt: Die regelmäßige Bewertung der kompletten Fahrzeugbestände wird ähnlich wie in der Finanzkrise 2008/2009 an Bedeutung gewinnen.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«