Junior Award: „Vorbild, Kollege und Chef“
Der Geschäftsführer des Kasseler Volvo-Autohauses Hetzler Alexander Host saniert insolventen Volvo-Betrieb und ist Drittplatzierter beim Junior Award 2007
Wenn man von einem klassischen Sprung ins kalte Wasser sprechen kann, dann zweifellos bei Alexander Host. Der technische Betriebswirt war gerade einmal ein halbes Jahr im elterlichen Volvo-Autohaus Hetzler in Fritzlar, als sich sein Vater im August 2005 entschied, den insolventen Hauptwettbewerber im 30 Kilometer entfernten Kassel zu übernehmen.
Dem damals 26-Jährigen vertraute er die Geschäftsführung an. Keine leichte Aufgabe, wie man sich denken kann: „Die Stimmung im Betrieb war auf dem Tiefpunkt und ich musste gleich an mehreren Fronten kämpfen“, erinnert sich Host an die schwierige Anfangsphase. Er musste den Betrieb grundsanieren und durchaus auch unliebsame Personalentscheidungen treffen. Die Anfangsdevise lautete: Umsatz, Umsatz und noch mal Umsatz.
Von null gestartet
Im Rückblick gewinnt der junge Betriebswirt der damaligen Situation aber durchaus auch positive Aspekte ab: „Die Insolvenz hat festgefahrene Strukturen zerschlagen, da einige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben und neue hinzugekommen sind. Dadurch hatte ich die Gelegenheit, das Unternehmen neu zu gestalten.“ Positiv sei auch gewesen, dass er den Betrieb ohne Altlasten übernehmen konnte: „Wir hatten keine Fahrzeuge auf dem Hof stehen und auch keine belastenden Leasingrückläufer“, erzählt Host, „somit konnte ich quasi von null starten.“
Die aktuellen Betriebskennzahlen sind der Beweis für sein unternehmerisches Können: Der Umsatz ist deutlich gestiegen. Das Tagesgeschäft hat sich trotz der schwierigen Marktbedingungen sehr positiv entwickelt.
Besonders stolz ist Alexander Host auf die schlanke Struktur in seinem Autohaus, das derzeit zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Seine Rolle im Betrieb beschreibt der Geschäftsführer als „Vorbild, Kollege, Mitarbeiter und Chef zugleich“.
Derzeit sieht der Betriebswirt seine Hauptaufgabe darin, das Marktpotenzial in Kassel bestmöglich auszuschöpfen: „Als wir den Markt vor gut zwei Jahren übernommen haben, lag die Marktausschöpfung bei 50 Prozent, also haben wir noch Luft nach oben.“
Die Kunden im Fokus
Host setzt dabei nicht auf Kampfpreise, sondern auf eine starke Kundenorientierung. Mittlerweile rangiert das Autohaus im ersten Drittel des deutschlandweiten Volvo-Händlerrankings – eine beachtliche Leistung, da der Vorgängerbetrieb einen schlechten Kundenzufriedenheitswert hatte. „Es ist uns gelungen, viele Kunden unseres Vorgängers zu unseren Stammkunden zu machen“, freut sich Host. „Wir haben versucht, die Kunden mit interessanten Aktionen in das Autohaus einzuladen.“
Zur Neukundengewinnung setzt der junge Geschäftsführer neben Probefahrtaktionen vor allem auf Events – ob Kinoabend im Autohaus, Leseabend mit bekannten Autoren oder Sponsoring einer großen Ü30-Party.
Keine Alleingänge
Sehr am Herzen liegt Alexander Host, dass der Kasseler Betrieb keine Konkurrenz für den 30 Kilometer entfernten elterlichen Betrieb in Fritzlar darstellt, den der 28-Jährige eines Tages von seinem Vater übernehmen wird: „Uns geht es primär darum, unser Einzugsgebiet zu erweitern und neue Kunden in Kassel und Umgebung zu gewinnen, die bislang noch keinen Kontakt zur Marke Volvo hatten.“
Prinzipiell gibt es im Hause Host keine unternehmerischen Alleingänge von Vater oder Sohn. Strategische Entscheidungen bezüglich der Unternehmensentwicklung verabschiedet der Familienrat.
Für Alternativen offen
Für die künftigen Herausforderungen sieht der junge Geschäftsführer sowohl den Betrieb in Kassel als auch den in Fritzlar gut gerüstet – selbst als Volvo-Monomarkenhändler in der einkommensschwachen Region Kassel. Dennoch ist Alexander Host auch für andere Alternativen offen, beispielsweise könnte er sich einen freien Servicevertrag vorstellen.
Nachwuchskräften rät Alexander Host, eine solide Ausbildung zu machen und Praxiserfahrung außerhalb des elterlichen Betriebs zu sammeln. Er selbst hat neben seinem Studium zum technischen Betriebswirt Praxisphasen in den unterschiedlichsten Abteilungen absolviert sowie die Gesellenprüfung als Kfz-Mechaniker im Hamburger Autohaus Kille abgelegt, später dann die Meisterprüfung zum Kfz-Technikermeister. Zuletzt war er dort Assistent der Geschäftsleitung.
In den USA gelernt
Für den Blick über den Tellerrand hat Host Automotive Management/Marketing an der Northwood University im amerikanischen Florida studiert und den Abschluss Bachelor of Business Administration mit Magna cum laude erlangt. „Die Zeit möchte ich nicht missen“, erzählt der passionierte Trompeter. „Vor allem, weil ich viel Lebenserfahrung gesammelt habe.“
Mit seinen erlangten akademischen Titeln gibt sich der 28-Jährige allerdings nicht zufrieden: „Ich möchte mich gern in akademischer Richtung weiterentwickeln. Mein Traum ist, einen MBA anzuhängen, doch realistisch gesehen ist das angesichts meiner Sechs- oder Sieben-Tage-Woche derzeit eher Wuschdenken.“
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