Hohe Spritkosten Keine klare Linie in Berlin

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Der „Tankrabatt“ fällt wie geplant Ende des Monats weg. Union und SPD wollen die Maßnahme nicht verlängern, aber bei stark steigenden Spritpreisen „schnell reagieren“.

(Bild:  Wehner - Vogel Communications Group)
(Bild: Wehner - Vogel Communications Group)

SPD-Chefin Bärbel Bas hat mögliche weitere Maßnahmen zur Entlastung der Verbraucher nach dem geplanten Aus des „Tankrabatts“ Ende Juni bislang nur angedeutet. Die abgesenkte Steuer sei für zwei Monate festgelegt, bis zum Sommer und darüber hinaus werde man die Lage aber beobachten und „natürlich andere Entscheidungen vielleicht noch treffen müssen“, blieb die Arbeitsministerin im ZDF-„Morgenmagazin“ wenig konkret.

Der hinter den hohen Energiepreisen stehende Iran-Konflikt gehe ja weiter. Auf die Frage nach möglichen Entlastungen sagte Bas lediglich: „Wenn es zu großen Belastungen kommt, werden wir sicherlich darüber auch nochmal reden müssen.“

Niedrigere Steuer läuft wie geplant Ende Juni aus

Die Koalition hatte die Spritsteuer um knapp 17 Cent pro Liter gesenkt. Der seit dem 1. Mai abgemilderte Steuersatz läuft wie geplant Ende Juni aus. Das haben die Fraktionen von Union und SPD entschieden.

„Wir haben nach langen Beratungen entschieden, dass wir den Tankrabatt wie geplant am 30. Juni auslaufen lassen werden“, sagte Unions-Fraktions-Vize Sepp Müller der „Bild“. Zusammen mit dem SPD-Fraktionsvize Armand Zorn betonte er, bei einem möglichen starken Preisanstieg könne man schnell reagieren, auch in den Sommerferien.

Dass es keine Verlängerung gibt, hatte auch „Focus“ berichtet. Müller sagte, der Tankrabatt habe gut gewirkt. Die Verlängerung sei aber finanzpolitisch nicht sinnvoll. „Wir können es uns in der aktuellen Lage nicht leisten, Schulden dafür aufzunehmen.“

Das bevorstehende Ende des Tankrabatts kommt für die deutschen Tankstellen nicht überraschend. „Wir haben nichts anderes erwartet“, sagte der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV), Herbert Rabl, der „Rheinischen Post“. Die Politik könne nicht dauerhaft einen Teil der Gewinne der Mineralölkonzerne finanzieren. Diese hätten in diesem Jahr „so viele Gewinne eingefahren wie nie zuvor – gerade auf dem deutschen Markt“, sagte er.

1,6 Milliarden Euro erlassen

Die Mineralölkonzerne haben die Steuererleichterung nach Berechnung des Ifo-Instituts zwar zum großen Teil an die Autofahrer weitergegeben. Ein Teil der vom Bund eingesetzten rund 1,6 Milliarden Euro Steuermittel verbleibt jedoch bei den Konzernen, wie das Institut mitteilte.

Ein Sprecher des Mineralölverbands Fuels und Energie sagte dagegen der „Rheinischen Post“: „Die Tankstellen haben von Anfang an die Steuersenkung auf Benzin und Diesel in voller Höhe an die Tankkundschaft weitergegeben und werden dies bis zum Ende der Laufzeit ebenso tun.“

Eine ADAC-Sprecherin teilte zum baldigen Auslaufen der Regelung mit: „Das Ende des Tankrabatts darf nicht bedeuten, dass Überlegungen für die Entlastung der Menschen eingestellt werden.“

Der Krieg im Nahen Osten werde vor allem die Energiepreise weiter treiben und an den Tankstellen würden Autofahrer absehbar wieder Preise über zwei Euro sehen. „Die Koalition muss kurzfristig Maßnahmen abstimmen, die zielgerichtet besonders Betroffene entlastet.“ Ein Auslaufen des Tankrabatts ohne baldige Anschlussmaßnahmen sei nicht vermittelbar.

Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, sagte laut Mitteilung: „Der Tankrabatt hat sich nicht bewährt, daher ist es gut, dass er nicht verlängert wird. Statt neuer Schnellschüsse braucht es jetzt dauerhaft wirksame Vorschläge.“ Eine Senkung der Stromsteuer für private Haushalte könne direkt entlasten.

Sinn und Unsinn der 12-Uhr-Tankregel

Einen Monat vor dem abgemilderten Steuersatz hatte die Bundesregierung zum 1. April die 12-Uhr-Regel eingeführt, um den Anstieg der Spritpreise wegen des Iran-Kriegs zu dämpfen. Die seit Anfang April für Tankstellen geltende Beschränkung auf nur noch eine Benzinpreiserhöhung am Tag verursacht laut ADAC so hohe Preisschwankungen im Tagesverlauf wie nie zuvor. Die Differenz zwischen Höchst- und Tiefstpreis eines durchschnittlichen Tages lag demnach für den Liter Super E10 bei 14,6 Cent, bei Diesel waren es sogar 18,4 Cent je Liter.

Die großen Preisunterschiede im Tagesverlauf sieht der Autoclub als Beleg, dass die Mineralölkonzerne mit Risikoaufschlägen auf die Regel reagiert haben. Die gewaltigen Preissprünge zur Mittagszeit seien nicht nur durch Ölpreissteigerungen erklärbar.

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Wie sich die Spritpreise nach dem Auslaufen des Tankrabatts ab dem 1. Juli entwickeln, ist offen. Neben Steuern und Abgaben kommt es auf die Entwicklung der Ölpreise an. Müller und Zorn sagten: „Ändert sich die Lage ab 1. Juli dramatisch, können wir schnell reagieren.“ Auf bestimmte Maßnahmen oder eine Preisgrenze legten sie sich nicht fest. Müller kündigte an, das Kartellrecht zu verschärfen. Ziel sei: „Den Markt aufräumen und mehr Transparenz schaffen.“

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