»kfz-betrieb« Auto-Check: Nissan Micra

Autor: Jan Rosenow

Der Nissan Micra hat eine radikale Metamorphose durchlaufen: vom pummeligen Cityhopser zum Sportler mit expressivem Design. Unter dem neuen Blech aber bleibt er ein solider, kompetenter Kleinwagen typisch japanischer Machart.

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Die expressive Designsprache des neuen Nissan Micra wird besonders am Heck deutlich.
Die expressive Designsprache des neuen Nissan Micra wird besonders am Heck deutlich.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Auf dem Mitarbeiter-Parkplatz von Vogel Business Media steht der Nissan Micra eines Kollegen, dessen Name hier ungenannt bleiben soll. Sein Fahrzeug der Baureihe K11 im Farbton Fleischkäse-Metallic – mittlerweile leicht verblasst – kann wohl als prototypischer Japan-Kleinwagen durchgehen: pragmatische Linienführung, streng logisch gegliederter Innenraum, unzerstörbarer Motor und insgesamt die Ausstrahlung eines Sachbearbeiters, Abteilung Transportwesen.

Das langweilige Image seines Einstiegsmodells ging Nissan wohl selbst auf die Nerven, und so gaben die Japaner ihrem Designteam ein paar Äxte in die Hand, sperrten es bei lauter japanischer Punk-Musik zusammen mit dem eiförmigen Vorgängermodell in eine dunkle Tiefgarage und warteten, was herauskommen würde: „Mauerblümchen war gestern“, konstatiert Nissan stolz angesichts der ausdrucksstarken, teilweise extremen Gestaltung.

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Steigt man ein, wird alles ein Stück normaler. Das Schließgeräusch der Türen klingt etwas billig – Leichtbau muss eben sein – aber die Materialien im Innenraum wirken hochwertig. In der spröden Grafik der konventionellen Rundinstrumente lässt sich noch ein Rest des guten alten Sachbearbeitercharmes erkennen – was in diesem Fall der Ablesbarkeit nur zuträglich ist.

Die Bedienung obliegt in den höherwertigen Versionen einem großen Touchscreen in der Mitte, wichtige Fahrtinfos finden sich auf einem hochauflösenden Display zwischen den Instrumenten.

Mit genau 3.999 Millimetern Länge bleibt der Micra haarscharf unter der Viermetermarke, die früher einmal als Maß für die Kompaktklasse galt. Und so fühlt man sich in dem Wagen auch: Der Platz reicht locker für eine Kleinfamilie aus, und mit 300 Litern Kofferraumvolumen kann man leben. Doch vor allem am Heck hätte man sich gewünscht, dass Nissan die Designer etwas stärker eingebremst hätte. Durch die extrem hochgezogene Türlinie liegt der unpraktische Klapp-Türgriff fast auf Dachhöhe – ein Kind kriegt ihn dort oben kaum zu fassen. Außerdem ist die Aussicht aus dem Fond schlecht – immerhin hatte die getestete Version eine Rückfahrkamera und sogar Surround View. Letzte Mäkelei: Die großen, ungeteilten Rückleuchten führen zu einer vergleichsweise schmalen Kofferraumöffnung. Function follows form.

Der totübersetzte Diesel macht die Sportlichkeit zunichte

Als Kleinwagen mit Dieselmotor soll der Nissan Micra ja einer aussterbenden Art angehören, aber dafür fühlt er sich ziemlich lebendig an. Kein Wunder – wenn 220 Newtonmeter auf 1.140 Kilogramm treffen, dann geht schon was. Allerdings muss der Fahrer bei aktiver Fahrweise sehr genau auf den Drehzahlmesser achten. Denn der Micra verfügt nur über fünf Gänge, die noch dazu extrem weit gespreizt sind.

Hält man sich an die Schaltempfehlungen im Display, sackt die Drehzahl beim Schalten bis auf 1.200 min-1 ab, und der Motor fängt an zu ruckeln. Diese Totübersetzung wirkt der Sportlichkeit, die Nissan mit dem Design erreichen wollte, vollkommen entgegen. Immerhin ist der Micra mit vier Litern (Landstraße) bis fünf Litern (Autobahn) auf 100 Kilometern recht sparsam.

Der Nissan Micra ist zu Preisen ab 12.990 Euro im Handel. Mit Dieselmotor kostet er aber schon mindestens 16.190 Euro. Auch hier merkt man: Die Kleinwagen von heute sind die Kompaktwagen von gestern.

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 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group