KTI: Dem Tachobetrug auf der Spur

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Das Kraftfahrzeugtechnische Institut hat eine Checkliste erarbeitet, mit deren Hilfe Kfz-Betriebe Fahrzeuge entlarven können, an denen möglicherweise der Kilometerstand manipuliert wurde.

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Vorher – nachher: Tachomanipulation geht heute per OBD in Sekunden.
Vorher – nachher: Tachomanipulation geht heute per OBD in Sekunden.
(Foto: ADAC)

Das Kraftfahrzeugtechnische Institut (KTI) hat sich im Rahmen eines Projekts mit dem Thema Tachobetrug auseinandergesetzt. Knapp 100 Fahrzeuge haben die KTI-Experten exemplarisch überprüft. Dabei haben sie zuvor eine Checkliste erstellt, die sich in vier Bereiche unterteilt. Je untersuchtem Teilbereich gibt es diverse Kriterien, deren Bewertungen jeweils zu der Einschätzung führen, ob der untersuchte Teilbereich „plausibel“ oder „unplausibel“ in Bezug auf die im Kombiinstrument angezeigte Kilometerlaufleistung ist. Anhand der Anzahl unplausibler Teilbereiche kann der Nutzer der Liste eine indikative Aussage mit den Ausprägungen „wahrscheinlich“, „möglich“ und „unwahrscheinlich“ in Bezug auf eine Tacho-Manipulation treffen. Laut KTI habe die Checkliste einen strukturierenden sowie unterstützenden Charakter und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Während beispielsweise der ADAC von einer durchschnittlichen Wertsteigerung von 3.000 bis 3.500 Euro je Tachomanipulation ausgeht, gibt das KTI eine relative Erhöhung des Marktwerts in Abhängigkeit des ursprünglichen Fahrzeugneuwerts an. Dabei bedeutet ein Zurückdrehen um 50.000 Kilometer – je nach Fahrzeugkategorie – zwischen 3,9 und 12,7 Prozent Mehrerlös. Ausgedrückt in Euro: zwischen 407 Euro (Kategorie „Minis“) und 7.800 Euro (Kategorie „Sportwagen“). Verringert sich der Kilometerstand zum Beispiel von 150.000 auf 50.000 Kilometer, so beträgt der prozentuale Wertzuwachs bis zu 21,8 Prozent (Kategorie „Gelände/SUV“). Der maximale absolute Wertzuwachs liege bei 13.544 Euro (Kategorie „Sportwagen“), so das KTI.

„Mehrwert“ schwankt stark – je nach Fahrzeugkategorie

Bei den untersuchten Fahrzeugen handelte es sich um Finanzierungsrückläufer mit einem Durchschnittsalter von circa 3,5 Jahren. Die durchschnittliche Kilometerlaufleistung betrug circa 83.500 Kilometer. Die daraus abgeleitete durchschnittliche Jahreslaufleistung variierte je nach Fahrzeugmarke zwischen 12.500 und 31.000 Kilometer – bezogen auf alle Marken ungefähr 25.000 Kilometer. Insgesamt untersuchte das KTI Fahrzeuge 14 verschiedener Marken, die circa 80 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland abdecken.

Im Teilbereich 4 (siehe Checkliste) hat man die Fahrzeugelektronik hinsichtlich dokumentierter Kilometerstände analysiert. Hierfür wurde mittels aktueller Multibrand-Diagnosegeräte über Nutzung der OBD-Schnittstelle auf im Fehlerspeicher hinterlegte Einträge sowie auf einzelne Datensätze in auslesbaren Steuergeräten zurückgegriffen.

Das Institut kommt abschließend zu dem Ergebnis, das trotz diverser Anstrengungen der Fahrzeugindustrie eine „qualitativ hochwertige und entsprechend vollumfängliche Tacho-Manipulation“ nur mit einem extrem hohen Aufwand nachweisbar wäre. Sämtliche Maßnahmen, die sich gegen Tachobetrug richten, seien sinnvoll, so die Projektverantwortlichen; sie besäßen jedoch auch stets Vor- und Nachteile. Das KTI erhebt deshalb folgende Forderungen:

  • Einführung von Datenbank-Lösungen
  • Verbesserte Sicherung der Fahrzeugelektronik
  • Keine Korrekturmöglichkeit des Kilometerstands im Kombiinstrument (Siegel am Kombiinstrument beziwhungsweise an den Speicherbausteinen)
  • Änderung der juristischen und rechtlichen Rahmenbedingungen
  • Politische Einflussmöglichkeiten (Beispiel: Einführung der Wegfahrsperre)

Auf die Frage, wie hoch der Anteil von Fahrzeugen mit manipulierten Kilometerständen ist, kann das KTI im Rahmen seiner Projektarbeit keine Antwort geben.

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