Marktausblick China: Großer Bildschirm statt PS

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Lange galt China als Heilsbringer für die Autoindustrie. Doch der Aufwärtstrend ist gebremst, und vor allem die etablierten Hersteller stehen vor neuen Herausforderungen. In Sachen Elektromobilität und Technik haben die Chinesen inzwischen hohe Ansprüche.

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Vielen chinesische Kunden ist inzwischen jedes Zoll mehr Touchscreen-Breite deutlich mehr wert, als die ein oder andere Pferdestärke: Ein solches 48-Zoll-Display setzt der chinesische Autohersteller Byton künftig in seinem SUV M-Byte ein.
Vielen chinesische Kunden ist inzwischen jedes Zoll mehr Touchscreen-Breite deutlich mehr wert, als die ein oder andere Pferdestärke: Ein solches 48-Zoll-Display setzt der chinesische Autohersteller Byton künftig in seinem SUV M-Byte ein.
(Bild: sp-x)

Fast vier Jahrzehnte kannte die chinesische Wirtschaft nur eine Richtung: nach oben. Doch langsam ziehen Wolken im Paradies auf, der Aufschwung droht zwar noch nicht zu kippen, verlangsamt sich aber merklich. Das Wirtschaftswachstum liegt in den kommenden Jahren voraussichtlich bei nur noch rund sechs Prozent, bislang verzeichnete das Reich der Mitte zweistellige Zuwächse.

Die Gründe sind vielfach, zum Beispiel werden viele Nachbarländer wie Bangladesh immer wettbewerbsfähiger, gleichzeitig steigen auch die in China bislang sehr günstigen Produktionskosten. Dazu kommt, dass viele Provinzen in China inzwischen hochverschuldet sind, die Zeit kostspieliger Wirtschaftsförderungsprogramme ist also zunächst vorbei.

Das merkt auch die Autoindustrie, die 2018 erstmals seit den 90ern weniger Fahrzeuge verkauft hat als im Vorjahr: Den größten Rückgang verzeichnete Ford mit minus 38 Prozent, ähnlich starke Verluste musste die französische PSA-Gruppe hinnehmen, und selbst Marktführer Volkswagen vermeldete ein Minus von 2 Prozent.

Allerdings macht den etablierten Autobauern nicht nur die etwas getrübte Stimmung in der Wirtschaft zu schaffen, es sind auch die neuen chinesischen Hersteller, die den Granden aus der alten Welt in die Parade fahren. Zwar müssen mit BAIC, Chang’an oder Haval auch in China einheimische Hersteller derzeit Rückgänge hinnehmen. GAC, Geely oder Roewe beweisen mit bis zu 24 Prozent Plus, dass es auch anders geht.

Westliche Autos sind keine Selbstläufer mehr

Das Problem: Autos aus dem Westen sind längst keine Selbstläufer mehr, die chinesischen Hersteller haben in Sachen Qualität in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt und die etablierten Autobauer in den Bereichen Elektro-Mobilität und Infotainment längst überholt.

Vielen chinesische Kunden ist inzwischen jedes Zoll mehr Touchscreen-Breite deutlich mehr wert, als die ein oder andere Pferdestärke und auf dem E-Auto-Markt spielen vor allem die Deutschen in China keine Rolle. Gerade dieses Segment boomt aber, denn die chinesische Regierung fährt eine strenge Elektrifizierungs-Politik: In den Ballungszentren bekommen fast nur noch E-Autos eine Zulassung, es werden Ladesäulen en masse aus dem Boden gestampft und die eigene Wallbox wird den Kunden förmlich nachgeworfen.

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