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Mercedes-Rückruf: Erhöhte Brandgefahr bei Dieselmodellen

| Autor / Redakteur: Niko Ganzer / Viktoria Hahn

Daimler ruft derzeit weltweit fast 300.000 E-Klasse- und CLS-Modelle zurück, um deren Stromschiene zu modifizieren. Von der Aktion sind über 100.000 Diesel-Fahrzeugen in Deutschland betroffen.

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In Deutschland sind über 105.000 Exemplare der Mercedes E-Klasse und des CLS mit Dieselmotor vom aktuellen Mercedes-Rückruf betroffen.
In Deutschland sind über 105.000 Exemplare der Mercedes E-Klasse und des CLS mit Dieselmotor vom aktuellen Mercedes-Rückruf betroffen.
(Bild: Daimler)

Die Daimler AG ruft aktuell in Deutschland über 105.000 Exemplare der Mercedes E-Klasse und des CLS mit Dieselmotor zurück. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) besteht bei weltweit rund 298.000 Fahrzeugen erhöhte Brandgefahr. Bei den Baureihen 213, 238 und 257 könnten durch „elektrochemische Vorgänge leitfähige Verbindungen in der Stromschiene“ entstehen, ergänzte ein Konzernsprecher auf Nachfrage.

Deshalb ruft der Konzern die Modelle, die zwischen Juli 2015 und Oktober 2019 das Werk verlassen haben und von den Selbstzündern „OM642“, „OM654“ und „OM656“ angetrieben werden, in die Werkstatt. Der Hersteller hat für den Rückruf den internen Code „1590007“ vergeben. Die Partnerwerkstätten modifizieren bei den betroffenen Fahrzeugen die Stromschiene und verlegen eine separate elektrische Leitung. Dies dauere etwa eine Stunde, kündigte der Sprecher an.

Kurzschluss durch Wasser möglich

Die im Motorraum befindliche Stromschiene überträgt elektrische Ströme verschiedener Komponenten, zum Beispiel des Starters und des Generators. Durch Feuchtigkeitseintritt – der Sprecher nannte beispielhaft „salzhaltiges oder verschmutztes Wasser von der Frontscheibe“ – können die in der Schiene nebeneinander geführten Leitungen kurzschließen. „Abhängig von der betroffenen Stelle in der Stromschiene und der Ausprägung der Verbindungen könnten die resultierenden Stromflüsse zu einer thermischen Belastung des Kunststoffmaterials der Stromschiene führen“, sagte er.

Zwei kleinere Aktionen für A-Klasse

Nachzutragen sind noch die Ende 2019 gestarteten kleineren Aktionen „9190203“ und „9190204“ für die A-Klasse (letztere auch B-Klasse und CLA). Eine Schweißnaht an der Sitzhöhenverstellung des linken Vordersitzes kann in 313 hierzulande zugelassenen Fahrzeugen der Baureihe 177 defekt sein und brechen. Hierdurch könnte sich das Sitzkissen bei einem Unfall nach vorne absenken, was die Schutzwirkung des Rückhaltesystems beeinträchtigt. Bei den zwischen 16. Oktober und 30. November 2018 gebauten Modellen ersetzen die Mercedes-Partner den Neigungsversteller, was circa 2,5 Stunden in Anspruch nimmt.

Für 223 deutsche Halter relevant ist eine nicht der Spezifikation entsprechende Kalibrierung des Insassenklassifizierungssystems für den Beifahrersitz. „Dadurch könnte unter Umständen ein montierter Kindersitz als Person beziehungsweise eine leichte kleine Person als Kindersitz erkannt werden“, so der Sprecher. Die CLA- (BR 117), A- (BR 176) und B-Klasse-Modelle (BR 246) liefen zwischen August 2014 und November 2017 vom Band. Sie benötigen ein neues Beifahrersitzkissen, was die Werkstatt innerhalb von drei Stunden tauscht.

Die vollständige Abarbeitung dieser beiden Aktionen wird vom KBA überprüft. Beim größeren Rückruf steht die Entscheidung bezüglich der behördlichen Überwachung noch aus.

(ID:46363151)

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 Niko Ganzer

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Freier Journalist