Motivation senkt die Fehlerquote

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Christoph Baeuchle

Im Zusammenspiel mit der Technik wird der Mensch immer mehr zum Risikofaktor. Für die Kfz-Innung Flensburg erläuterte Risikoexperte Manfred Müller, wie sich der „Human Error“ entschärfen lässt.

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Risiken entschärfen: Reimer Offenborn (li.), Pressebeauftragter der Kfz-Innung Flensburg, und Manfred Müller, Risikoexperte von der Lufthansa.
Risiken entschärfen: Reimer Offenborn (li.), Pressebeauftragter der Kfz-Innung Flensburg, und Manfred Müller, Risikoexperte von der Lufthansa.
(Foto: Innung Flensburg)

Während die Technik rasante Fortschritte macht, entwickelt sich die „Biomaschine Mensch“ eher langsam. Der Mensch ist jedoch branchenunabhängig der entscheidende Faktor im System. Er birgt zwei Seiten in sich: Mit seinem gesunden Verstand ist er die Rettung, zugleich jedoch ein Risiko mit seiner Fehlerhaftigkeit.

„Bei schwieriger Arbeit und viel Stress liegt die Fehlerquote eines Menschen bei gut einem Fehler je 30 Sekunden“, erläuterte Manfred Müller, Leiter der Flugsicherung der Lufthansa und Dozent für Risikomanagement, beim Branchentreff der Kfz-Innung Flensburg Stadt und Land. „Da ein einzelner Mensch immer hochgradig fehleranfällig ist, liegt in der Unterstützung durch einen möglichst hoch qualifizierten Zweiten, die grundsätzliche Lösung.“

Doch Risiken realistisch einzuschätzen, ist äußerst komplex. Um Zugang zu tatsächlichen Problemen gewinnen zu können, muss aus Sicht des Referenten ein Umfeld geschaffen werden, das von einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens getragen wird.

„Auch der beste Spezialist kann unter unglücklichen Umständen nahezu jeden schwerwiegenden Fehler begehen. Nicht ein Fehler ist verwerflich, sondern das Verbergen wertvoller Informationen“, erläuterte Müller. Wahre Profis würden sich gerade dadurch auszeichnen, dass sie Fehler offen ansprechen und diskutieren. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Fortschritt in erster Linie durch die Aufarbeitung von Fehlern, Versagen und beinahe Katastrophen möglich wurde.“

Ein entsprechendes Arbeitsumfeld steigert den Erfolg. „80 Prozent aller sicherheitskritischen ,Human Errors‘ können durch eine optimale Arbeitsatmosphäre entschärft oder beseitigt werden“, betonte Müller. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Motivation. Dies zeigte der Risikoexperte am Beispiel einer Untersuchung der US-Navy: 90 Prozent der Piloten, die in einen „Human Error“-Unfall verwickelt waren, haben gravierende Motivationsprobleme. „Bei nachlassender Motivation steigt die Bereitschaft zum Regelverstoß und zur Akzeptanz eines größeren Risikos“, schlussfolgert Müller. „Nur wer hoch motiviert ist, arbeitet umsichtig, vorausschauend und hoch konzentriert.“

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