Gebrauchtwagen Niedrige Standzeiten, hohe Preise

Von Yvonne Simon

Während die Standtage für gebrauchte Diesel auf ein historisches Tief gesunken sind, haben die Gebrauchtwagenpreise ein Rekordhoch erreicht, wie eine DAT-Auswertung zeigt. Und der Trend dürfte sich fortsetzen.

Firmen zum Thema

Der Mangel an Neuwagen führt auch am Gebrauchtwagenmarkt zu einer Ausnahmesituation.
Der Mangel an Neuwagen führt auch am Gebrauchtwagenmarkt zu einer Ausnahmesituation.
(Bild: Achter/»kfz-betrieb«)

Gebrauchtwagen fanden im Dezember deutlich schneller einen Käufer als in den Monaten zuvor. Das zeigt eine aktuelle Datenbankauswertung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). So standen gebrauchte Benziner im Schnitt 81 Tage, Diesel sogar nur 73 Tage – das ist für die Selbstzünder der niedrigste Wert seit dem Start der DAT-Datenbankauswertung im Jahr 2016.

Martin Weiss, Leiter DAT-Fahrzeugbewertung, erinnert daran, dass seit dem Beginn der Diskussion um den Diesel Ende 2016 Diesel-Gebrauchtwagen phasenweise über 20 Tage länger auf den Höfen standen als vergleichbare Benzin-Gebrauchtwagen. „Seit diese Phase vorüber ist, seit Corona die Nachfrage nach individueller Mobilität stark befeuert hat und zudem immer weniger Diesel-Gebrauchtwagen vorhanden sind, konnten Händler die wenigen verfügbaren Pkw deutlich schneller und profitabler verkaufen als in der Vergangenheit“, so Weiss.

Die Fahrzeug-Knappheit macht sich auch bei den Preisen weiterhin bemerkbar: Drei Jahre alte Benziner erreichten im Dezember mit 61,6 Prozent vom ehemaligen Listenpreis ein Rekordhoch. Gebrauchte Diesel machten ebenfalls einen deutlichen Sprung nach oben und kamen auf 58,7 Prozent des ursprünglichen Listenpreises.

Wertniveau um ein Jahr „verschoben“

„Dies sind zum Teil Werte, die sonst eher die zwei Jahre alten Gebrauchtwagen erzielen konnten“, erklärt Martin Weiss. „Wir haben so etwas in der Masse noch nie erlebt, dass aufgrund der starken Nachfrage und des knappen Angebots drei Jahre alte Pkw oft zu Preisen gehandelt werden wie sonst zweijährige.“ Das Wertniveau habe sich sozusagen um ein Jahr verschoben.

Zwar spiele auch die Inflation bei dem außergewöhnlich hohen Preisniveau eine Rolle, den größten Einfluss hätten aber Angebot und Nachfrage. Die Preise werden voraussichtlich noch „weit ins Jahr 2022“ auf dem hohen Level bleiben, prognostiziert der DAT-Experte. „Die Verfügbarkeit von begehrten jungen Gebrauchtwagen bleibt knapp, da auch 2021 erneut weniger neue Fahrzeuge bei Autovermietern, Händlern oder auch Herstellern zugelassen wurden als üblich. 2022 hätten Kaufinteressenten diese gerne als junge Gebrauchtwagen erworben“, erläutert Weiss.

(ID:47928184)