Nissan will wieder wachsen

Händlerrendite liegt bei rund 1,5 Prozent

| Autor: Christoph Baeuchle

Gemeinsam mit dem Handel will Nissan wieder wachsen.
Gemeinsam mit dem Handel will Nissan wieder wachsen. (Bild: Nissan)

Nissan Center Europe sieht sich an der Talsohle angekommen, nun soll es wieder aufwärtsgehen. „Wir wollen wieder wachsen“, so Geschäftsführer Guillaume Pelletreau im Rahmen eines Pressegesprächs, das am Donnerstag in Berlin stattfand. Entscheidend sei ein nachhaltiges Wachstum. „Wir wollen wieder zurück zu einem Marktanteil von zwei Prozent.“ Offen ließ Pelletreau bis wann.

Das nun zu Ende gehende Jahr ist noch schlecht gelaufen: Nach zehn Monaten verbucht die japanische Marke neben DS Automobiles den höchsten Absatzrückgang: Von Januar bis Oktober 2019 brachte Nissan laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch 31.600 Fahrzeuge auf die Straße, ein knappes Drittel (-30 %) weniger als im Jahr zuvor. Doch dies spiegelt aus Nissan-Sicht nicht die tatsächliche Entwicklung wider: Fasse man Eigenzulassungen und Neuwagen zusammen, liege der Rückgang vielleicht bei rund 10 Prozent.

Die Ziele verfehlte haben die Elektroautos: Jahrelang positionierte sich Nissan erfolgreich als Vorreiter der Elektromobilität. Mit dem Leaf kam nach eigenen Angaben 2018 das meist verkaufte E-Auto in Europa von Nissan. Doch jetzt, wo der Markt in Deutschland anzieht, kommt Nissan nicht mit. 10.000 Elektroautos wollte Nissan 2019 in Deutschland verkaufen. In den ersten drei Quartalen brachte Nissan laut KBA weniger als 2.500 Elektroautos auf die Straße.

„Wir wurden vom Wettbewerb überrollt“, gesteht Pelletreau ein. „Und haben zu lange gebraucht, um die Preise zu korrigieren.“ Im nächsten Jahr will Pelletreau wieder auf Angriff spielen und deutlich mehr Elektroautos verkaufen. Allerdings ist er damit nicht allein. Markt und Wettbewerber sind zwei große Unbekannte. Dabei dürfte 2020 das Angebot die Nachfrage übersteigen. Nicht zuletzt aufgrund der CO2-Vorgaben aus Brüssel.

Bei der Rendite bekamen die Händler das schwierige Jahr nicht zu spüren, diese liegt über dem Vorjahr: Nach zehn Monaten beträgt die Händlerrendite rund 1,5 Prozent, 2018 lag sie bei etwa einem Prozent. „Das entspricht dem Niveau von 2017“, ergänzt Vertriebschef Pascal Michaeli. Dies gilt auch für die Gewinne in absoluten Zahlen. Mittelfristig soll die Händlerrendite auf rund zwei Prozent steigen.

Eigenzulassungen und Modellpalette zurückgefahren

Damit zahlen sich die Sanierungsmaßnahmen der vergangenen Monate aus. Seit gut einem Jahr haben Nissan-Deutschlandchef Guillaume Pelletreau und sein Team die auf den Händlerhöfen aufgebauten Bestände zurückgefahren. Damit hatte der Importeur viel zu tun: 2017 machten die Eigenzulassungen einen Anteil von 47,4 Prozent aus, ein Jahr später waren es noch 45 Prozent. Hinzukamen die verdeckten Eigenzulassungen, die Händler beispielsweise auf ihre eigenen Autovermietungen machten. Dies hat der Importeur auf ein relativ normales Maß von rund 30 bis 35 Prozent zurückgefahren.

Zurückgefahren hat Nissan nicht nur die taktischen Zulassungen, sondern auch die Modellpalette. Note und Pulsar hat der Importeur gestrichen. Neben dem Micra dominieren die SUVs. Diese will Nissan bis 2022 vollständig überarbeiten.

Den Anfang macht der Juke. Bei dem Kompakt-SUV will Pelletreau wieder zu alten Zeiten zurück und rund 10.000 Einheiten verkaufen. Zuletzt war es noch etwa die Hälfte. Doch dies dürfte nicht ganz leicht sein. Nicht nur aufgrund der deutlich härteren Konkurrenz. Mit dem Renault Captur ist ein starker Wettbewerber quasi im eigenen Haus. Sondern auch aufgrund der Positionierung: Den neuen Juke verkauft Nissan ab 19.000 Euro, knapp 20 Prozent mehr als sein Vorgängermodell. Und 15 Prozent teurer als der Renault Captur.

Aufgrund der geschrumpften Palette kommt den einzelnen Modellen eine größere Bedeutung zu. „Ein Volumenmodell mit 3.000 bis 4.000 Einheiten macht keinen Sinn“, betont der Nissan-Deutschlandchef. Von jedem Modell sollten mindestens 10.000 Stück verkauft werden.

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