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Nur zwei Ausreißer im ADAC-Winterreifentest

| Autor: Jan Rosenow

Saisonreifen haben beim Automobilclub noch immer gute Karten: In einem ADAC-Test erzielen die Winterprofile deutlich bessere Werte als vor wenigen Wochen die Ganzjahresreifen. Doch einige etablierte Hersteller dürften sich trotzdem nicht über das Ergebnis freuen.

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Testsieger in der Größe 205/55 R16 91H: der Bridgestone Blizzak LM 005.
Testsieger in der Größe 205/55 R16 91H: der Bridgestone Blizzak LM 005.
(Bild: Bridgestone)

Winterreifenzeit ist von Oktober bis Ostern. Auch wenn es derzeit tagsüber noch schön warm ist, sinken die Nachttemperaturen in vielen Gegenden schon in den niedrigen einstelligen Bereich. So falsch ist es also nicht, sich nun auf die Reifenwechselsaison einzustimmen – beispielsweise mit dem ADAC-Winterreifentest.

Nachdem der Club vor ein paar Wochen die Hersteller von Ganzjahresreifen empfindlich abgewatscht hatte – kein einziges Produkt erreichte eine bessere Note als „ausreichend“ – sieht die Bewertung der Winterreifen deutlich erfreulicher aus. Für die Vermarktung von Saisonreifen am Point of Sale ist das eine gute Botschaft.

In der Mittelklasse gibt es immerhin fünf „gute“ Reifen.
In der Mittelklasse gibt es immerhin fünf „gute“ Reifen.
(Bild: ADAC)

Wie immer hat der ADAC zwei Reifengrößen getestet, und zwar 15 Modelle in der Größe 205/55 R16 91 H für Pkws der unteren Mittelklasse und 13 Produkte für SUVs und Vans in 235/55 R17 103 V. Von den Testreifen für die untere Mittelklasse schneiden fünf Modelle „gut“ ab. Testsieger ist der Bridgestone Blizzak LM 005, der insbesondere auf nasser und trockener Fahrbahn überzeugt. Allerdings weist er innerhalb der Spitzengruppe den höchsten Verschleiß auf.

Wer mehr Kilometer absolvieren muss, ist mit dem zweitplatzierten Michelin Alpin 6 besser bedient: Das französische Modell schwächelt zwar etwas auf trockener Fahrbahn, zeigt aber mit einer prognostizierten Laufleistung von knapp 43.000 Kilometern hohe Langlebigkeit. Mit „gut“ bewerteten die Testfahrer auch die Modelle Dunlop Winter Sport S, Hankook Winter I-Cept RS 2 und Maxxis Premitra Snow.

Unter den sieben Reifen mit der Note „befriedigend“ finden sich erstaunlich viele Premiumprodukte – wie der Continental Wintercontact TS 860. Nach vielen Testsiegen konnte der seit 2016 gebaute deutsche Reifen diesmal nicht mehr ganz mit den Besten mithalten. Ironie der Geschichte: Conti hat den Nachfolger TS 870 schon fertig, konnte ihn aber coronabedingt nicht in Produktion bringen. Auch der Goodyear Ultragrip 9 Plus und der Pirelli Cinturato Winter schnitten nur „befriedigend“ ab. Alle zeigten laut ADAC Schwächen bei der Lenkpräzision auf trockener Straße.

Nur einmal „gut“ bei den SUV-Reifen

Typische Reifentest-Folklore ist hingegen das „mangelhafte“ Abschneiden von Exoten wie dem King Meiler Winter Tact WT81 (der einzig runderneuerte Reifen im Testfeld) und dem Tristar Snowpower HP. Aber Obacht: An dieser Stelle im Tableau fanden sich früher auch Marken wie Maxxis, Giti oder Nexen, die heute mit den Etablierten mithalten können.

Bei den SUV-Reifen schneidet nur der Michelin Pliot Alpin 6 mit der Note „gut“ ab.
Bei den SUV-Reifen schneidet nur der Michelin Pliot Alpin 6 mit der Note „gut“ ab.
(Bild: ADAC)

Bei den Winterreifen für SUVs und Vans schafft der Michelin Pilot Alpin 6 als einziges Modell eine gute Bewertung in allen Hauptkriterien und damit insgesamt ein „gut“. Er lässt sich im Trockenen präzise steuern und bietet gute Sicherheitsreserven bei Ausweichmanövern. Ist es nass, überzeugt er vor allem im Handling, lässt jedoch Federn im Kurven-Aquaplaning – in diesem Kriterium landet der Michelin sogar am Ende des Testfelds.

Im Rest des Testfelds waren die Leistungsunterschiede erstaunlich gering, zumal der ADAC hier auf die Nominierung von echten Billigreifen verzichtet hat. Nicht weniger als elf weitere Modelle schnitten „befriedigend“ ab und gelten damit noch als empfehlenswert. Sie wiesen aber mindestens in einem Hauptkriterium (trockene, nasse, schneebedeckte, vereiste Fahrbahn) leichte Schwächen auf. Ein Modell wurde aufgrund seiner Defizite auf trockener Fahrbahn insgesamt sogar mit nur „ausreichend“ bewertet: der Semperit Speed-Grip 3 SUV.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group